HEINO JAEGER – look before you kuck

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HEINO JAEGER | Doku "look before you kuck" | SO 11 MAI 14 | 3sat ab 21.45 Uhr

Gerd Kroske begibt sich im dritten Teil seiner Hamburg-Trilogie auf die Spuren von HEINO JAEGER, auch auf die Suche nach Ursachen, weshalb Jaeger alkoholabhängig wurde und mit nur 59 Jahren in psychiatrischer Behandlung starb. Ein Künstlerporträt um eine faszinierende Leerstelle herum, ein Gesellschaftsporträt aus einer einzigartigen Perspektive. 

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Heino Jaeger – look before you kuck

Preisgekrönter Dokumentarfilm von Gerd Kroske
Deutschland 2012, 120 Minuten
TV-Premiere am Sonntag, den 11. Mai 14 um 21.50 Uhr auf 3sat.

Der Dokumentarfilm über den Hamburg-Harburger Maler und Kabarettisten Heino Jaeger gewann 2012 die Goldene Taube bei DOK Leipzig und stand in der Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2013.
Jaeger,  Jahrgang 1938, war in Westdeutschland einst ein gefeierter Radiostar. Als Maler hinterließ er präzise, skurrile, auch boshafte Werke; oft Auseinandersetzungen mit dem deutschen Wesenszustand und den 2.-Weltkriegsjahren.
Die doppelbödige Ironie ist einzigartig.

Wer war Heino Jaeger? Loriot verehrte ihn als großen Humoristen. Eckhard Henscheid nannte ihn den „Mozart der Komik“. Dennoch ist der Hamburg-Harburger Heino Jaeger der wohl unbekannteste unter den großen deutschen Komikern. „Wir haben ihn wohl nicht verdient“, schlussfolgerte Loriot.

Auch siebzehn Jahre nach Heino Jaegers Tod ist der Maler, Satiriker und frühe Radiokultstar der ewige Geheimtipp. Er laborierte unheilbar an Kriegserfahrungen und am kleinbürgerlichen Bedürfnis der Deutschen, die Nazizeit zu vergessen, alles, was davor war, abzureißen und eine neue Zeit zu behaupten. Jaeger katalogisierte und hielt fest, schlüpfte in Rollen und verschwand darin. Auch für die, die Heino Jaeger lange Zeit begleitet haben, blieb er immer rätselhaft und ambivalent.

Ein bundesdeutsches Zeitmosaik

[ Filmredaktion 3sat ]

Das mit der Goldenen Taube des Dokumentarfilmfestivals Leipzig ausgezeichnete Porträt „Heino Jaeger – Look Before you Kuck“ ist mehr als eine Hommage an einen norddeutschen Sonderling. Mit Empathie und Emphase setzt der freischaffende Autor und Regisseur Gerd Kroske auch ein bundesdeutsches Zeitmosaik zusammen, in dem er alte Weggefährten wie den Hamburger Publizisten Joska Pintschovius oder den ehemaligen Bordellbetreiber Wolli Köhler Anekdoten aus der Zeit erzählen lässt, und diese mit altem Videomaterial, Tonaufnahmen, Zeichnungen und Gemälden montiert.

Noch heute wundert sich nicht nur die Halbwelt St. Paulis, wie Heino Jaeger es schaffte, in seinem so ostentativ verwahrlosten Keller-Atelier am Hamburger Hafen derart saubere und akkurate Zeichnungen anzufertigen. Im Stil eines surrealen Realismus gehalten, verwendete sie der Künstler nicht selten als Zahlungsmittel für durchzechte Nächte, auch wenn sich schon damals renommierte Galeristen dafür interessierten.

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VIDEO | HEINO JAEGER – look before you kuck [ Trailer ]

 

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Prädikat „Besonders Wertvoll“
[ Die Begründung der Deutschen Film- und Medienbewertung Wiesbaden  ]

Mit dem Porträt des Malers, Kabarettisten, Performance-Künstlers und Radio-Moderators setzt Dokumentarfilmer Gerd Kroske seine Porträtserie prominenter Hamburger Persönlichkeiten fort, die er mit dem Boxprinz begann und mit Wollis Paradies fortsetzte. Über den einstigen Kiezkönig „Wolli“ Köhler wurde er auf Heino Jaeger aufmerksam, der die alternative Kunstszene der BRD in den 1960ern und 1970ern mitprägte und schon zu seinen Lebzeiten Ende der 1980er beinahe vergessen war.


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 | Heino Jaeger – Look before you kuck

Darsteller: Heino Jaeger, Wolli Köhler, Joska Pintschovius, Jürgen von Tomei, Linda Köhler

Regisseur(e): Gert Kroske

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Englisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Spieldauer: 120 Minuten

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Jägers Leben war überschattet von seinen Kindheitserlebnissen, den Bombenangriffen auf Dresden und Hamburg. Er hat eine gute Beobachtungsgabe, bringt das Charakteristische an der Persönlichkeit des Menschen mit dem Zeichenstift und der Stimme auf den Punkt. Seine Malerei ist dabei stets eine kreative Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Kunst der Jahrhundertwende und der Nazi-Symbolik, sie verweigert sich allen Einordnungen. Als beißender Kommentator des Zeitgeistes und glänzender Hitler-Parodist tritt er unter anderem mit Hanns Dieter Hüsch auf.

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HEINO JAEGER | Dokumentation "look before you kuck" [ Film Still ]

Er moderiert für den Saarländischen Rundfunk die unvergessene Rundfunkreihe Fragen Sie Dr. Jaeger. Der Sender trennt sich von ihm, Jaeger hatte Termine platzen lassen. Sein Alkoholproblem ist unübersehbar. Nach mehreren Bränden und anderen Vorfällen weist er sich Mitte der 1980er Jahre selbst in das psychiatrische Pflegeheim Bad Oldesloe ein, wo er entmündigt 1997 in schizoider Dämmerung verstirbt.

Die Bilder und Zeichnungen Jaegers sind überliefert, ebenso die Sendung des Saarländischen Rundfunks und viele Fotos. Filmaufnahmen sind rar. Aus diesem Material sowie den Erinnerungen von Familienmitgliedern, Freunden und künstlerischen Wegbegleitern schuf Kroske das Porträt eines 1968ers, der nicht aus dem intellektuellen Milieu kommt, der künstlerisch im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen die Brücken zur Vergangenheit nicht radikal abbricht, sondern sich an der Last der Vergangenheit reibt, ihr Bewahrenswertes entdeckt und an ihr verzweifelt, der letztlich auch in der künstlerischen Reflexion von Gegenwart und Vergangenem keine Basis der psychischen Verarbeitung findet. Jaeger flüchtet sich in eine anarchisch anmutende Verrücktheit, die bald in wirklichen Wahn übergeht.

Kroske nähert sich Jaeger zunächst über die Bewunderer und Unterstützer seines malerischen Werkes und entblättert dann langsam und dramaturgisch schlüssig die Biografie des Ausnahmekünstlers, der es nie verstand, sich selbst zu vermarkten und sich auch nie vermarkten oder vereinnahmen ließ. Eines Menschen, der keinen Menschen je wirklich nahe an sich heran ließ. Als die Zeit der Provokationen vorbei geht und die langweiligen 1980er beginnen, kann und will sich Jaeger nicht anpassen. Seine Zeit ist vorbei, die psychische Labilität bricht sich Bahn.

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Die  Biographie des 1997 verstorbenen Hamburg-Harburger Genies der Realsatire bietet genügend Stoff für eine Verfilmung a la „Angst und Schrecken in Las Vegas“. Ein durchgeknalltes (RocknRoll) Leben zwischen Schizophrenie und Genie, zwischen Romantik und depressiver Nachkriegsrealität.

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„Sein Desperado-Humor war selbstmörderisch: Jaeger äffte Polizei und Behörden, Ärzte, Seelsorger und Sozialhelfer noch nach, als er schon ihr Sorgenkind geworden war. Er biss die Hand, die ihn fütterte, verprellte Auftraggeber, Freunde und Gönner. Aber noch in der Psychiatrie wollten ihn seine Ärzte für ihre Privatpartys engagieren.“ [ Martin Halter ]

Als unangepasster, freakiger Underground-Performer, in Cabarets und Rundfunk ( u.a. Radiokultsendung Lebensberatung Dr. Jaeger ), entging er der Massenwirksamkeit.

AUDIO | Sport Aktuell live [ Tonträger „Vom Besten“ / Doppel-CD ]

In den letzten Jahren werden gern Lesungen / Performances auf dem wehrlosen Buckel von Heino Jaeger ausgetragen. Wahlweise versuchen sich Olli Dittrich oder Hans-Joska Pintschovius ( Autor einer Jaeger-Biografie ) daran, das Genie des Meisters auf die Bühne zu bringen. Natürlich in bester Absicht. Zurück bleibt jedoch ein schales Gefühl, wenn man bedenkt, das das kongeniale Aufführen der zutiefst individuellen und von der persönlichen Darbietung Jaegers abhängigen Stegreifgeschichten oder Telefoninterviews schier unmöglich ist. Jedes Abspielen der Original-Tonträger führt diese – letztendlich respektlosen – Bühnenversuche ad absurdum. Schade, das Heino Jaeger sich darüber nicht mehr lustig machen kann.

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Heino Jaeger wurde 1938 in Harburg (Hamburg) geboren.

„Ich bin vorschriftsmäßig nach RVO und Mietvorschriften des Hamburger Grundeigentümer-Vereins auf den Schluss des letzten Kalendervierteljahres des Jahres 1937 und mit Wirkung des Inkrafttreten des ersten Quartal 1938, und zwar am 1.1.1938 […] zur Welt gekommen.“

1956 – 59 | Studium an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg
(Klasse von Professor Alfred Mahlau).

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Heino Jaeger - Winter

Verschiedene Ausstellungen, u.a. die Provokation „Heino Jaeger: Ein Maler des deutschen Reichs stellt in der ehemaligen Reichshauptstadt aus!“ sorgt für einigen Wirbel in Berlin.

Riehen bei Basel, im Herbst 1971: die Galerie „Spatz“ zeigt Arbeiten von Heino Jaeger. Es ist seine erste Einzelausstellung.

Dann haben wir gesagt, einer muss reden und dann hatten wir die Idee, er könne doch selber dort reden, ja? Also er könne sich ja selber vorstellen. Und er machte daraus eine Nummer: wir kündigten ihn dann als irgendeinen Kunstprofessor aus Hamburg an, der an dieser Ausstellung die einführenden Worte sprechen würde.

Er kam dann wirklich – in einem Anzug mit Krawatte kam er raus und fing dann an, so ein vollkommen wirres Zeug zu reden, also wie eine Kunstkritik, wie eins zu eins dieses Geschwafel, dieses Theorie-Kunst-Geschwafel, was man ja kennt, wenn man Kunstkritiken liest, wo man, wenn man’s gelesen hat, weniger weiß als vorher, aber wichtig ist, dass es eben durchtränkt ist von unverständlichen Fremdwortaneinanderreihungen. [ swr Radio-Feature ]

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Heino Jaeger - Das jüngste Gericht [ Helms-Museum, Hamburg-Harburg ]

Neben Gemälden und Zeichnungen entstehen die legendären Kurzgeschichten und kabarettistische Texte, die in Rundfunk, Fernsehen und auf Langspielplatten verbreitet werden. „Lebensberatung Dr. Jaeger“ wird zum Markenzeichen.

„Lebenspraxis Dr. Jaeger“ war eine Radiosendung mit einem ganz realen Vorbild: „441777. Was wollen Sie wissen?“ Unter dieser Nummer und diesem Titel beantwortete Walter von Hollander, Autor von Liebesromanen und promovierter Philosoph, Hörerfragen zu Ehe-, Sex- und Lebensproblemen – jeden Freitag Mittag beim Norddeutschen Rundfunk, von 1952 bis 1971.

Auf dem Kiez von St. Pauli mischt sich Heino Jaeger unter die schillernde Szene aus Künstlern und Prostituierten, Zuhältern und Intellektuellen. Zum Freundeskreis gehören der sogenannte „Boxprinz“ Norbert Gruppe alias Prinz Wilhelm von Homburg, der bundesweit von sich reden machte, als er in einem Interview im ZDF-Sportstudio auf jede Frage schwieg. Oder Hubert Fichte, charismatischer Autor ethno-poetischer Untersuchungen zwischen Haiti und Hamburg und Verfasser einer bisexuellen Bekenntnisautobiographie unter dem Titel „Versuch über die Pubertät“. Dann dessen Lebens- und Reisegefährtin, die Fotografin Leonore Mau und und und… alle unter dem Dach des marxistisch gefärbten Bordellbesitzers und Pornokinobetreibers Wolli Köhler.  [ swr Radio-Feature ]

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Der Kult-Star in der intellektuellen Kunst-Szene, hochgeschätzt von Eckhard Henscheid, Hanns-Dieter Hüsch bis Loriot, verstarb 1997 und hinterlässt – neben Schallplatten, die in Gold aufgewogen werden – auch Zeichnungen und Zeugnisse seiner Malerei, mit Hang ins 19. Jahrhundert.

Audio-CD´s und eine umfangreiche Biografie halten sein Lebenswerk lebendig.

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CD Cover | Malerei von Heino Jaeger

Heino Jaeger: „Sie brauchen gar nicht so zu gucken. Monologe und Szenen“,
Kein & Aber, Zürich 2010, 1 CD, 76 Minuten

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Die in 2010 erschienene vierte CD mit Fundstücken des 1997 verstorbenen Kabarettisten und Satiriker Heino Jaeger versammelt 76 Minuten Material, Hörfunksketche aus der Lebenspraxis Dr. Jaeger, aber auch private Aufnahmen und Mitschnitte von Live-Auftritten.

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Der verlorene Schatz des Jaegers

TAZ – Frank Schäfer Artikel lesen

Seine Sujets holt er sich in erster Linie bei den Schul-, Kultur- und Bildungsprogrammen – und noch seine Darbietungsformen, das Interview, die Reportage, den Kommentar, bezieht er daher.

Und es ist der Kontrast aus dieser besonderen Kommunikationssituation, in der abgewogen, sachgemäß, mit dem entsprechenden Fachjargon nur die Fakten verhandelt werden, und einem dabei wie zufällig aufblitzenden, durch Wortverdrehungen, falschen Fremdwortgebrauch und Neologismen angetriebenen Irr- und Aberwitz, der einen großen Teil des komischen Mehrwerts dieser Piecen ausmacht.

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CD´s

| Heino Jaeger „Lebensberatungspraxis Dr. Jaeger
[ Audio-CD 1 Std. 13 Min. ]
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| Heino Jaeger ursprünglich „Hitler in Südamerika“
| jetzt „entschärft“ Wie sieht’s bei Euch aus?
[ Zusammenstellung: Eckhard Henscheid
| Audio-CD 1 ca. Std. ]
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heino-jaeger-alkoholprobleme_in_daenemark| Heino Jaeger „Alkoholprobleme in Dänemark
[ Audio-CD 1 Std. 7 Min. ]
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| Heino Jaeger „Wissenswertes über Hirsche
[ Audio-CD 1 Std. 10 Min. ]
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| Heino Jaeger – Vom Besten| Auswahl,
| Tonträger 2010 / Doppel-CD
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| Heino Jaeger „Man glaubt es nicht
| Leben und Werk
Gebundene Ausgabe –
| von Hans-Joska Pintschovius
480 Seiten mit zahlreichen Abbildungen

[Veröffentlicht wird hier auch eine Auswahl der Malerei, mit der Jaeger seinerzeit ebenfalls Achtungserfolge erzielte.]

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Der Spiegel:
„Ein würdiger Nachfolger Karl Valentins“

Titanic:
„Die Vielfalt der von Jaeger zum Leben und Labern erweckten Figuren, ihre dialektale Dämlichkeit und Jaegers darin aalende komische Versiertheit ist schlechterdings, ja, man kann es nicht anders sagen: genial!“

FAZ:
Heino Jaeger hatte das absolute Gehör für deutsche Töne, seine Scherze waren lebensgefährlich.

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Alles ist komisch, sinnlos und entsetzlich zugleich

Heino Jaeger konnte und wollte nichts ernst nehmen. Alles war komisch.“ So hörte er sich z.B. gerne Hitler-Reden an, fand sie komisch und strapazierte danach seine Umgebung stundenlang mit den absurdesten Hitler-Monologen.

“ Überhaupt: der Führer – bei einem Besuch im „Zillertal“, eine Art Hofbräuhaus auf der Reeperbahn: „Der dickste Musiker mischte sich ins Publikum auf der Suche nach interessanten Laiendirigenten. Wir zeigten auf Heino. Er durfte sich ein Musikstück wünschen und ließ die Kapelle den Badenweilermarsch“ (Hitlers Lieblingsmarsch) spielen. Er dirigierte ganz seriös, und mitten in diese entsetzliche Musikstimmung hinein hob er plötzlich den rechten Arm, nahm die Hitlerpose ein. Mir stockte der Atem. Ich befürchtete fliegende Bierkrüge, lauten Protest von Seiten der japanischen und amerikanischen Touristengruppen an den langen Holztischen. Doch es geschah nichts. Heinos Geste war wahrhaft richtig für diesen Ort.“

( Jürgen von Tomëi )

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Mozart der Komik | Erinnerung an Heino Jaeger

Stuttgarter Zeitung – Martin Halter Artikel lesen

Jaeger kam immer zu früh oder zu spät. Als er Ende der Sechziger entdeckt wurde, musste man links oder sensibler Liedermacher sein. Jaeger war unpolitisch, schlimmer: bekennender Nostalgiker.

Mit Hingabe studierte er die Spinner und Spießer, die vom Zeitgeist aussortiert wurden: bräsige Kulturfilmer, monomanische Kleintierzüchter, munter schwadronierende Rentner, senile Künstlerlegenden, kregle alte Nazis. Wenn er in den Rumpelkammern der Geschichte das Verdrängte und Vergessene aufstöberte, scheute er sich nicht, Hitler in Wort und Bild neu zu erfinden, bunte Fabelwesen in SS-Uniformen zu stecken oder Kriegstrümmer zum Freizeitidyll umzuschminken. Versteht sich, dass sein eigenwilliger Surrealismus auf Ratlosigkeit oder gar Empörung stieß.

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SOCIAL MEDIA anonym durch Einsatz des c't-Projektes Shariff
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Harburger Kultur-Tipps: