Harald Falckenberg – Ziviler Ungehorsam

Harald Falckenberg – Ziviler Ungehorsam

Video Still: Harald Falckenberg, Michigan Theater, 2013
"Wirkliche Kunst hat die Eigenschaft, uns zu verunsichern." ( Susan Sontag )

Der renommierte Sammler zeitgenössischer Kunst und Buchautor Dr. Harald Falckenberg ist seit 2008 Ehrenprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Die Sammlung Falckenberg befindet sich seit 2001 in den Phoenix-Hallen in Hamburg-Harburg, 2007 erwarb Harald Falckenberg eines der Gebäude und ließ dieses von dem Berliner Architekten Roger Bundschuh zu einem Ausstellungshaus für seine Sammlung umbauen.


Harald Falckenberg (*1943) hat in Berlin, Freiburg und Hamburg Jura studiert, das Referendariat mit Assessorexamen in Hamburg abgelegt und an der Universität Hamburg über internationales Versicherungsrecht promoviert. Anschließend war er zunächst als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Hamburg und der Freien Universität Berlin, danach als Geschäftsführer und als Mitglied des Hamburger Verfassungsgerichts tätig.

Falckenberg ist seit 1999 Vorsitzender des Hamburger Kunstvereins, zählt mit seiner in den Phoenixhallen beherbergten Sammlung laut der US-Zeitschrift Artnews zu den World’s Top 200 Collectors.

“”Der bekannte Hamburger Sammler konzentriert sich auf unangepasste Kunst, “die vom unbedingten und unstrategischen Geist zivilen Ungehorsams beseelt ist.”“ (TAZ 5.03)

“Malerei muss „subversiv, grotesk, spielerisch und dennoch politisch-gesellschaftlich unterwandernd und poetisch“ sein, sagt Falckenberg. Das bedeutet auch Provokation.


VIDEO | Deutsche Welle TV, 2010


Die Wurzeln des Neuen kennen

Er ist … einer der wichtigsten Sammler zeitgenössischer Kunst in Deutschland. Die Begeisterung anderer Kunstsammler über „Jagdtrophäen“ kann er trotzdem nicht teilen.

Interview: Holger Liebs

SZ: Warum sammeln Sie Kunst?
Falckenberg: Kunst ist all das, was der Alltag nicht ist.Ich habe gelernt zu funktionieren, geschäftlich wie privat. Niemand möchte zu einem unroutinierten Zahnarzt oder zu einem unroutinierten Rechtsanwalt gehen. Als Verbraucher erwartet man einwandfreie Produkte. Die Kunst bietet ein ausgezeichnetes Gegengewicht zu Routinen aller Art. Mein öffentliches Engagement für Kunst und Künstler ermöglicht es mir, einen von mir selbst unabhängigen Beitrag zum besseren Verständnis unserer Gesellschaft zu leisten.

SZ: Welche Kunst genau?
Falckenberg: Meine Sammlung hat drei Schwerpunkte: Erstens amerikanische Künstler um Richard Prince, John Baldessari, Paul McCarthy und Mike Kelley. Zweitens die Deutschen Martin Kippenberger, Albert Oehlen, Werner Büttner, Georg Herold. Und drittens, eher verspielt und poetisch, Dieter Roth und Öyvind Fahlström. Dann die nächste Generation um Jason Rhoades, Jonathan Meese und John Bock, die auf Werken dieser Künstler aufbaut, und auch Vorläufer, etwa Vito Acconci, Richard Artschwager, die Wiener Aktionisten und den Situationisten Guy Debord. Vor kurzem habe ich eine größere Arbeit von Kelley gekauft.

SUEDDEUTSCHE – Interview lesen


Sammlung Falckenberg - Foto: Henning Rogge, Deichtorhallen

Die Sammlung

Die Sammlung Falckenberg befindet sich seit 2001 in den Phoenix-Hallen in Hamburg-Harburg, 2007 erwarb Harald Falckenberg eines der Gebäude und ließ dieses von dem Berliner Architekten Roger Bundschuh zu einem Ausstellungshaus für seine Sammlung umbauen.

Seit der Eröffnung im Mai 2008 wurden bis 2010 dort 28 Ausstellungen mit Künstlern wie Paul Thek, Jon Kessler oder Robert Wilson gezeigt, aber auch Themenausstellungen und Sammlungspräsentationen. Die großzügigen Räume ermöglichen es, größere Installationen und multimediale Projekte von Künstlern wie John Bock, General Idea, Thomas Hirschhorn, Mike Kelley, Jon Kessler, Jonathan Meese oder Gregor Schneider zu präsentieren.

Seit Januar 2011 gehört die Sammlung Falckenberg zu den Deichtorhallen Hamburg.

Der Besuch der Sammlung und der Sonderausstellungen ist i.d.R. ausschließlich im Rahmen von geführten Rundgängen möglich, für die eine Anmeldung notwendig ist.

Mehr Infos

Die Sammlung hat drei Schwerpunkte:

  • Erstens amerikanische Künstler um Richard Prince, John Baldessari, Paul McCarthy und Mike Kelley.
  • Zweitens die Deutschen Martin Kippenberger, Albert Oehlen, Werner Büttner, Georg Herold.
  • Und drittens, eher verspielt und poetisch, Dieter Roth und Öyvind Fahlström. Dann die nächste Generation um Jason Rhoades, Jonathan Meese und John Bock, die auf Werken dieser Künstler aufbaut, und auch Vorläufer, etwa Vito Acconci, Richard Artschwager, die Wiener Aktionisten und den Situationisten Guy Debord. Vor kurzem habe ich eine größere Arbeit von Kelley gekauft.

“Ein Schmuckstück für Hamburg – auch weil sie den denkbar größten Angriff auf den hanseatischen Geschmack darstellt. “Das Schöne, Gute und Wahre in der Kunst interessiert mich nicht besonders”, sagte Harald Falckenberg einmal, und der Müll, das Blut und die Geschlechtsglieder der Dauer- und Wechselausstellungen in den Harburger Phönix-Hallen singen davon ein Lied.”  [ TAZ – 11.08.2009 | Artikel lesen ]


Leidenschaft Kunst – Dr. Faustus’ Pakt mit der Subversion

Olga Grimm-Weissert für das HANDELSBLATT | Artikel lesen

„Falckenberg sammelt nicht nur, er durchdringt die Kunst und seine Sammelleidenschaft auch intellektuell. In seinem  Essayband „Ziviler Ungehorsam“ unterscheidet er zwei Typen von Sammlern: erstens den „Sammler-Sammler“, für den der Prozess des Sammelns selbst maßgebend ist, der die Auseinandersetzung mit der Kunst und mit Galeristen sucht, der in der Szene verwurzelt ist, der sich für junge Künstler entscheidet, der Risiken – inklusive Fehleinkäufe – eingeht, der zu Geld ein entspanntes Verhältnis hat und der sich des zeitlich begrenzten Charakters seiner Sammlung bewusst ist.“

Ziviler Ungehorsam

[Falckenbergs Buch] „… ist ein durchgehend lesenswertes Plädoyer dafür, dass Sammeln nicht in erster Linie Kaufen heißt, sondern schlicht Neugier auf die komplexen Inhalte und Wissensgebiete, mit denen Kunst zu tun hat.“
[ Artnet Magazin, 23.01.2008 ]

“Was sind die Rahmenbedingungen für Kunst, wie wird etwas Kunst?” Es geht um eine Sichtweise, die nicht das Kunstwerk, sondern den Künstler, die Bedeutung neuer Erkenntnisse der Hirnforschung und Psychoanalyse für die Kunst sowie den Einfluss des aktuellen Kunstbetriebs in den Mittelpunkt stellt.

BUCHEMPFEHLUNG
Ziviler Ungehorsam | von Harald Falckenberg

Statement-Reihe, Band 34
Broschiert
184 Seiten
50 Abbildungen
Sprache: Deutsch

Harald Falckenberg erhält das Wort. Als “Collector”, der junge und unangepasste Kunst sammelt wie kein anderer. Als Richter, der Kunst und ihren Kontext heute kritisch beurteilt und – wenn nötig – auch verurteilt.

Neben scharfsinnigen Berichten über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen im Kunstbetrieb beinhaltet dieser Band des in Hamburg lebenden Sammlers, Publizisten und Kunstvermittlers persönliche Stellungnahmen (Überblick der Sammlung, Interview mit Wilfried Dörstel) sowie leidenschaftliche Plädoyers für Künstler, die sich, wie der Autor, nicht davor scheuen, zivilen Ungehorsam zu leisten (Werner Büttner, Jonathan Meese, Paul McCarthy, Herbert Volkmann u.a.). Statements ohne Wenn und Aber.

TAZ | Brigitte Werneburg vom 14. Mai 2003 | Rezension lesen

„Ein Kunstsammler, der behauptet, “ziviler Ungehorsam” stehe für zentrale Positionen seiner Erwerbungen, stehe für Werke von Künstlern, die sich nicht als Teil eines Systems verstünden, sondern der Angepasstheit und Willfährigkeit in unserer Gesellschaft Widerstand entgegensetzten, der freilich bewegt sich auf altbekannten, sehr traditionellen Wegen. Es gibt ihn also wieder, oder immer noch, den Künstler als gesellschaftlichen Außenseiter, dessen Werk, so Harald Falckenberg, “allein der Erkenntnis verpflichtet” sei, wie er im Fall des 33-jährigen Shooting Stars Jonathan Meese, einem seiner Favoriten, meint.

Seine eigene Haltung sucht er nun in einer aktuellen Publikation unter dem Begriff “Ziviler Ungehorsam. Kunst im Klartext” zu fassen. Doch sie bleibt in der Vielzahl der hier versammelten Artikel, Eröffnungsreden, Leserbriefen an die FAZ, Katalogbeiträgen und einem transkribierten Gespräch, höchst unklar.

Deutlicher wird die Faszination Falckenberg an Person und Lebensstil der immer männlichen Künstler, die er hofiert (u. a. Kippenberger, Oehlen, Mike Kelley, Paul McCarthy, Jason Rhodes, John Bock, Daniel Richter, Franz Ackermann oder Michel Majerus). Deutlich wird auch Falckenbergs Wunsch, sich als Stimme sowohl im kulturpolitischen wie im kunsttheoretischen Diskurs zu etablieren.“


VIDEO


Aus dem Maschinenraum der Kunst

Die Vorstellungen des traditionellen Kunstliebhabers von einer ungetrübten Freude am Werk werden im zeitgenössischen Diskurs durch die Fragestellung “Was sind die Rahmenbedingungen für Kunst, wie wird etwas Kunst?” wissenschaftstheoretisch attackiert.

Mit seinen Aufzeichnungen “Aus dem Maschinenraum der Kunst” liefert Harald Falckenberg Belege für diese grundlegende Wende aus der Sicht eines Sammlers. Es geht um eine Sichtweise, die nicht das Kunstwerk, sondern den Künstler, die Bedeutung neuer Erkenntnisse der Hirnforschung und Psychoanalyse für die Kunst sowie den Einfluss des aktuellen Kunstbetriebs in den Mittelpunkt stellt.

Aus dem Maschinenraum der Kunst | von Harald Falckenberg

Gebundene Ausgabe
375 Seiten
Sprache: Deutsch
16,2 x 10,4 x 2,8 cm

Der Band enthält darüber hinaus Portraitskizzen zu Werner Büttner, Hanne Darboven, Jonathan Meese, Klaus Staeck u.a., sowie ein Gespräch des Autors mit Hans Ulrich Obrist.

FUNDUS 1. Auflage
Cover photo: Jens Ullheimer
Jonathan Meese – Der Propagandist

Aufzeichnungen eines Hellhörigen auf lebenslanger Entdeckungsfahrt

Katja Engler für die Welt | Artikel lesen

„Vielleicht dachte Harald Falckenberg schon länger, dass es gut wäre, ein Buch zu schreiben. Jetzt, wo der Hamburger Kunstsammler seine sehr böse Documenta-Kritik öffentlich vom Stapel gelassen hat, ist es erschienen: „Aus dem Maschinenraum der Kunst – Aufzeichnungen eines Sammlers.“ Wie zu erwarten, schmückt nichts ausgesprochen Schönes den Einband: Er zeigt die Figur „Der Propagandist“ von Jonathan Meese.“


Sammlung Falckenberg www.sammlung-falckenberg.de

Ausstellungen / Auswahl

  • UWE LAUSEN – RETROSPEKTIVE
    22. OKTOBER 2010 − 23. JANUAR 2011
  • PAUL THEK – WERKSCHAU IM KONTEXT ZEITGENÖSSISCHER KUNST
    31. MAI − 15. OKTOBER 2008
    Mehr Infos

The Progress of Work as Process aims at Regress
Wie der Sarg, der Schuppen, die Designerstuhlreihen, die Pilotfische und andere Schönheiten auf Kunstwerke von Paul Thek verweisen, die es nie gab.
BAZON BROCK im Katalog zur Ausstellung | Text lesen

  • JON KESSLER – THE PALACE AT 4 A.M.
    10. JUNI − 31. DEZEMBER 2006
    Mehr Infos
  • BAZON BROCK – LUSTMARSCH DURCHS THEORIEGELÄNDE / ÄSTHETIK EINER SCHWEREN ENTDEUTSCHUNG
    17. − 26. NOVEMBER 2006
  • PETER WEIBEL – DAS OFFENE WERK 1964 bis 1979
    10. JUNI − 3. SEPTEMBER 2006
  • OTTO MÜHL – RETROSPEKTIVE
    16. JUNI − 18. SEPTEMBER 2005
  • HANNE DARBOVEN – QUERSCHNITT
    27. MÄRZ − 15. SEPTEMBER 2004

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