Kunststätte Johann und Jutta BOSSARD

Johann Bossard lehnte die Weimarer Republik ab, weshalb er sein Anwesen ab 1921 zu einem Gesamtkunstwerk ausbaute, das er als Keimzelle der Gegenkultur verstand. 2012 ausgezeichnet mit dem Europa-Nostra-Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe. Aktuell als deutschnationaler Künstler kontrovers diskutiert.

Johann Michael Bossard und Jutta Bossard Foto Kunststaette Bossard Fotoarchiv - Kunststätte Johann und Jutta BOSSARD
Johann Michael Bossard und seine Frau Jutta Bossard-Krull | Foto: Presse Kunststätte Bossard, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

Auf einem ca. 3 ha großen Heidegrundstück, mitten im Wald gelegen, haben Johann Michael Bossard und seine Frau Jutta Bossard-Krull ein Gesamtkunstwerk verwirklicht. Eine Stätte, an der die verschiedenen Künste Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst zu einer Einheit verschmelzen. 2012 ausgezeichnet mit dem Europa-Nostra-Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe.


Der Kunsttempel der Kunststätte Bossard zählt neben dem Hamburger Chilehaus zu den wichtigsten Bauten des Norddeutschen Backsteinexpressionismus und fällt durch eine außergewöhnliche Fassadengestaltung und eine umfassende künstlerische Innenausstattung auf.


Bossard leuchtet

SA., 24. September 22, 19 bis 22.30 Uhr | Eintritt: 8 Euro

Die Kunststätte Bossard zeigt sich mit einer spektakulären Beleuchtung der historischen Gebäude und Gartenanlage von einer unbekannten Seite. Mit Live-Musik, Führungen und kulinarischen Highlights wird es ein märchenhaftes Erlebnis.

Entdecken Sie die Kunststätte im Dunkeln und schauen Sie, wie Bossard leuchtet! Farbige Akzente, Lichtinstallationen und atmosphärische Musik präsentieren die denkmalgeschützte Architektur und Gartenanlage von einer unbekannten Seite.

PROGRAMM

19 Uhr: In der Spezialführung „Licht-Triptychon“ wird nach der einjährigen Generalsanierung das Bilderbuch – ein 13-flügeliges Polyptychon – im Kunsttempel geöffnet und erklärt.

20 und 21 Uhr: Bringen Sie sich eine Taschenlampe mit und begleiten Sie uns auf einer Taschenlampenführung durch den Garten

Installationen der künstlerischen Art können Sie in der aktuellen Ausstellung INTERWOVEN (18.09.2022 bis 08.01.2023) von Vera Drebusch und Florian Egermann bei einem Besuch des Neuen Ateliers entdecken.


Bossard: „Völkisch orientiert“ und antisemitische Züge

VorGutachten zur Frage des Verhältnisses von Johann Michael Bossard und Jutta Bossard zum Nationalsozialismus im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, verfasst von PD Dr. Tobias Hof.

Ein im März 2022 vorgestelltes VorGutachten besagt: „Bossards Position war ambivalent. Zu dem Ergebnis kommt zumindest der Historiker Tobias Hof von der Universität München, der drei Monate lang Quellen von und über Bossard ausgewertet hat. Bossards Weltbild war geprägt von einer Vorliebe für die nordische Mythologie. Sie sei zumindest anschlussfähig an die Ideologie der Nationalsozialisten…“ ( NDR, Gutachten vorgestellt )

VorGutachten ansehen

Drei Hektar Schwieriges

Frank Keil für die TAZ, 2022 | Artikel lesen

Johann Michael Bossard baute ab 1911 ein krudes Gesamtkunstwerk samt Hakenkreuz in der Lüneburger Heide. Die Frage ist: Was tun damit?

2023 „soll auf das Vorgutachten das eigentliche Gutachten folgen. Konzentrieren will man sich besonders auf zwei Fragestellungen: „Es geht zum einen um den Blick ins Private des Ehepaars Bossard“, so Duisberg-Schleier ( seit 2020 Leiterin des Hauses ). „Dabei wollen wir besonders die Figur der Jutta Bossard in den Fokus nehmen, die bisher nur am Rande auftaucht.“ Auch weil es noch Zeit­zeu­gen gebe, die sie gekannt haben. „Zum zweiten wollen wir den Künstler in den Kontext zeitgenössischer Künstler stellen; wollen schauen, welche Parallelen, aber auch welche Unterschiede es gibt.“


VIDEO | Reden wir über Bossard: Ateliergespräch mit Dr. Christina Krafczyk

Das Ateliergespräch fand diesmal in kleiner Runde in dem kürzlich wiedereröffneten Kunsttempel statt und profitierte von Frau Dr. Krafczyks Expertise und Erfahrung als Architektin und Denkmalschützerin. Sie bezog Position dafür, historische Anlagen mit schwierigem Kontext nicht zu verändern, sondern das Unbequeme des Ortes zu verankern und zu erklären.


Kunststätte Johann und Jutta Bossard

Die Kunststätte Bossard ist ein Museum und expressionistisches Gesamtkunstwerk. Auf einem etwa drei Hektar großen Heidegrundstück zwischen Jesteburg und Lüllau im Norden der Lüneburger Heide erbauten Johann Michael Bossard (1874–1950) und seine Frau Jutta Bossard-Krull (1903–1996) verschiedene Gebäude und eine Gartenanlage. Sie versuchten, die Künste Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst zu einem Ganzen verschmelzen zu lassen. Entstanden ist das Ensemble von 1911 bis 1950.

Betreiber:in des 1997 eröffneten Museums ist die Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard. Das Grundstück, die Gebäude und Kunstwerke sowie die Archivalien aus dem Nachlass brachte Jutta Bossard-Krull in die 1995 gegründete Stiftung ein.

„Johann Bossard war, so geht es aus seinen Schriftwechseln hervor, Antisemit und ein glühender Verehrer Adolf Hitlers. Bossard lehnte die Weimarer Republik ab, weshalb er sein Anwesen ab 1921 zu einem Gesamtkunstwerk ausbaute, das er als Keimzelle der Gegenkultur verstand. In der Machtergreifung der Nazis 1933 sah er den erhofften politischen Wandel, wenig später ließ er ein Hakenkreuz in den Mosaikfußboden seines Wohnhauses legen.“ (Deutsche Welle, Umstrittenes Museum… )

Das Hakenkreuz ist mittlerweile, vermutlich aus formal defensiv juristischen Gründen, ÜBERMALT worden.

Kritik an übermaltem Hakenkreuz

Jüdische Allgemeine, 2022 | Artikel lesen

»Man kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, indem man sie versteckt«, heißt es in einem Offenen Brief zum Werk des Künstlers Johann Michael Bossard.

In ihrem offenen Brief an den Stiftungsrat und die Mitarbeitenden der Kunststätte betonen die Verfasser jedoch, das Mosaik gehöre als historische Quelle zum Kunstwerk. Ein Museum müsse sich mit der Geschichte auseinandersetzen und das Werk des Künstlers entsprechend einordnen. Dies gelte es bei einer Neuausrichtung der Kunststätte zu bedenken. »Daher ist es erforderlich, die Tünche vom Hakenkreuz zu entfernen und es in ein geschichtsbewussteres Konzept zu integrieren.«

Zu den Unterzeichnern des Briefes zählen auch Historikerinnen und Historiker wie die Leiterin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Elke Gryglewski, und ihr Vorgänger Jens-Christian Wagner, der mittlerweile Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora ist.


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