Kunststätte Johann und Jutta BOSSARD

Johann Bossard lehnte die Weimarer Republik ab, weshalb er sein Anwesen ab 1921 zu einem Gesamtkunstwerk ausbaute, das er als Keimzelle der Gegenkultur verstand. 2012 ausgezeichnet mit dem Europa-Nostra-Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe. Aktuell als deutschnationaler Künstler kontrovers diskutiert.

Johann Michael Bossard und seine Frau Jutta Bossard-Krull | Foto: Presse Kunststätte Bossard, CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

Auf einem ca. 3 ha großen Heidegrundstück, mitten im Wald gelegen, haben Johann Michael Bossard und seine Frau Jutta Bossard-Krull ein Gesamtkunstwerk verwirklicht. Eine Stätte, an der die verschiedenen Künste Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst zu einer Einheit verschmelzen. 2012 ausgezeichnet mit dem Europa-Nostra-Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe.


Der Kunsttempel der Kunststätte Bossard zählt neben dem Hamburger Chilehaus zu den wichtigsten Bauten des Norddeutschen Backsteinexpressionismus und fällt durch eine außergewöhnliche Fassadengestaltung und eine umfassende künstlerische Innenausstattung auf.


VERANSTALTUNGEN | Kunststätte Johann und Jutta BOSSARD

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TIPPS:

12.02.2026 | Vortrag: »Die Hansische Hochschule für Künste in Hamburg zwischen 1933 und 1945: Eine Institution im Nationalsozialismus«, mit Kunsthistorikerin Dr. Barbara Uppenkamp, 18 Uhr, 10 €
Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde die Hamburger Landeskunstschule – in der auch Johann Michael Bossard unterrichtete – in Hansische Hochschule für bildende Künste umbenannt und auf der Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums »gleichgeschaltet«. Der »Gleichschaltungsprozess« diente dazu, Personen, die dem nationalsozialistischen Regime
missliebig waren, aus öffentlichen Ämtern zu entfernen und durch regimetreue Parteigenossen zu ersetzen. Dr. Barbara Uppenkamp stellt ihre Forschungen vor, die die Frage nach der Anpassungsbereitschaft und der Widerstandsfähigkeit einzelner Personen und Gruppen gegenüber dem totalitären Regime beleuchteten.

08.03.2026 | Vortrag zum Internationalen Frauentag »Malen bis zum Schluss! LOTTE LASERSTEIN, die Menschenmalerin«, mit Kunsthistoriker Dr. Thomas Carstensen, 11 Uhr, 17 €
Vorgestellt wird die deutsch-schwedische Malerin Lotte Laserstein (1898–1993). Zwischen 1925 und 1933 erregten ihre faszinierenden Menschenbildnisse, die mit ihrer frappierenden Realitätstreue sogar die Werke der Neuen Sachlichkeit übertrafen, in Deutschland großes Aufsehen. Doch 1933 wurde die in Ostpreußen geborene, evangelisch getaufte Künstlerin zur Jüdin erklärt und ins Exil nach Schweden gezwungen. Dort musste sie, auf sich allein gestellt, wieder mühsam ihre verlorene Stellung in der Kunstwelt erkämpfen.

11.5.2026 | Ausstellungseröffnung »100 Jahre Kunsttempel«, 18 Uhr

06.06.2026 | Gastspiel des Hermannshoftheaters »Deutschland. Ein Wintermärchen«, 18 Uhr, 25 €, Spiel: Antje König, Dauer: 100 Minuten (mit Pause)
Satirisches Versepos von Heinrich Heine Der Dichter Heinrich Heine (1797–1856) befindet sich im November 1844 auf der Reise von Paris nach Hamburg quer durch das nebelverhüllte Deutschland. Er verdichtet die Ereignisse und Orte, welche ihm unterwegs begegnen in
scharfzüngige Verse und verleiht seiner Trauer über die Missstände in seinem Heimatland Ausdruck. Mit seinen Reisebildern gewährt Heine Einblick in das gesellschaftliche Leben seiner Zeit und versetzt die Zuschauerinnen und Zuschauer mit der Aktualität seiner Worte auch 180 Jahre später noch in Erstaunen.
Das Hermannshoftheater wurde 2002 von Antje und Johann Karl König gegründet. Es schafft Theater mit Puppen, Objekten, Text, Musik und Bild.

28.06.2026 | Konzert »Klaviermusik im Kunsttempel«, mit Paul Niedermeyer, 18 Uhr, 15 €, Dauer: 60 Minuten, Konzertabend mit Werken von mit Frédéric Chopin, Franz Liszt und Johann Sebastian Bach.

04./05.07.2026 | Freilichttheater mit der Deutschen Schauspiel-Vereinigung von 1913 e. V.,
»Viel Lärm um nichts«, 18.30 Uhr, 20 €, Regie: Norina Lobsien
»Viel Lärm um nichts« ist eine der bekanntesten Komödien von William Shakespeare (1564–1616), die im späten 16. Jahrhundert verfasst wurde. Das Stück spielt in Messina, Sizilien, und thematisiert komplexe zwischenmenschliche Beziehungen sowie
Missverständnisse, die in einer engen Gemeinschaft entstehen. In der Geschichte um den Prinzen Don Pedro, Claudio und die starken
Frauen Beatrice und Hero entfaltet sich ein spannungsgeladenes Liebesspiel, das sowohl romantische als auch komische Elemente vereint.

15./16.08.2026 | Freilichttheater mit der Deutschen Schauspiel-Vereinigung von 1913 e. V.,
»Viel Lärm um nichts«, 18.30 Uhr, 20 €

13.09.2026 | Tag des offenen Denkmals, 11–18 Uhr, Eintritt und Führungen kostenfrei

18.10.2026 | Vortrag »Die Macht der Bilder – Politische Symbolik in Kunstwerken«, mit Kunsthistoriker Dr. Thomas Carstensen, 17 Uhr, 17 €
Die Wahlkampfstrategen unserer Politiker wissen, dass Bilder meist mächtiger in den Köpfen der Menschen wirken als Worte – und so setzen sie bei ihren Kampagnen fast nur noch auf symbolträchtig inszenierte Bilder. Auch Künstler des 20. Jahrhunderts haben in ihren Werken oft eindeutige politische Inhalte transportiert. In einem Spaziergang durch die europäische Kunstgeschichte präsentiert Thomas Carstensen Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten und erläutert ihre verborgene politische Symbolik.

16.11.2026 | Ausstellungseröffnung »Neuzugänge. Schenkungen«, 18 Uhr

05./06.12.2026 | Weihnacht, Licht und Punsch, 15–19 Uhr, 6 €
Weihnachtliches Programm für die ganze Familie auf dem Museumsgelände und in den historischen Gebäuden mit einer besonderen Beleuchtung, Musik, Themenführungen, Märchen und Kerzenziehen im Schweizer Schuppen. Das Café im Hof bereitet vorweihnachtliche Köstlichkeiten und zum Aufwärmen Punsch zu.


SONDERAUSSTELLUNGEN

Verborgener Schatz.
Der Bilderfund unter dem Dach des Wohn- und Atelierhauses

Bis 03. Mai 2026

Während der Sanierung des Wohn- und Atelierhauses entdeckten Dachdecker im Juli 2024 ein bislang unbekanntes Lager. Ein Zugang zu diesem Raum war nur über das Dach möglich. Gefunden wurde ein verborgener Schatz mit insgesamt 28 Bildern. Neben Arbeiten aus dem Frühwerk Johann Michael Bossards lagerten dort mehrere Einzelteile des Monumentalgemäldes »Tatkraft« (18 m breit, 5,5 m hoch) von 1907/08. Dieses Schlüsselwerk galt bis dahin als verschollen.
Die Sonderausstellung erzählt die Geschichte dieses unglaublichen Fundes und zeigt einzelne Fundstücke. Außerdem werden vertiefte Einblicke in die Restaurierungsmaßnahmen und die Museumsarbeit gegeben. Darüber hinaus bettet die Ausstellung die Fundstücke in das Gesamtwerk Johann Michael Bossards ein.

100 Jahre Kunsttempel

10. Mai – 08. November 2026

Den Mittelpunkt des Gesamtkunstwerkes Kunststätte Bossard bildet der 1926 errichtete Kunsttempel. 100 Jahre nach Baubeginn steht der expressive Kunsttempel mit seiner reichen und komplexen Innenausstattung im Mittelpunkt unseres Ausstellungsprogrammes 2026.
Von der ersten Idee im Jahr 1909 über die Skizzierung des Baus und der damit zusammenhängenden sozial-utopischen Vorstellung in seiner »Werbeschrift an meine Freunde«: Diese Sonderausstellung verfolgt den Weg Johann Michael Bossards bis hin zur Umsetzung und Ausstattung seines Kunsttempels.

Neuzugänge. Schenkungen.
Werke von J. M. Bossard, Uta Falter-Baumgarten und Carl Schümann

15. November 2026 – 18. April 2027

Mit dem Kunsttempel-Gedanken verband Johann Michael Bossard nicht nur sozial-utopische Ideen, sondern legte auch den musealen Grundstein mit der Idee von drei wechselnden Ausstellungen. Neben den fest installierten Werken im Gesamtkunstwerk befinden sich heute rund 6.000 Werke von Johann Michael und Jutta Bossard, aber auch von Schülerinnen und Schülern Johann Michael Bossards, im Sammlungsbestand der Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard. In den letzten Jahren wurde dieser Bestand durch großzügige und bedeutende Schenkungen und Dauerleihgaben ergänzt, zuletzt im Oktober 2025, die nun in Auswahl vorgestellt werden.
Zu sehen sind neben Werken von Johann Michael Bossard (1874–1950) auch Arbeiten seines Schülers, des Bildhauers Carl Schümann (1901–1974), und seiner Schülerin, der Bildhauerin und Keramikerin Uta Falter-Baumgarten (1924–2022).


Bossard: „Völkisch orientiert“ und antisemitische Züge

VorGutachten zur Frage des Verhältnisses von Johann Michael Bossard und Jutta Bossard zum Nationalsozialismus im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, verfasst von PD Dr. Tobias Hof.

Ein im März 2022 vorgestelltes VorGutachten besagt: „Bossards Position war ambivalent. Zu dem Ergebnis kommt zumindest der Historiker Tobias Hof von der Universität München, der drei Monate lang Quellen von und über Bossard ausgewertet hat. Bossards Weltbild war geprägt von einer Vorliebe für die nordische Mythologie. Sie sei zumindest anschlussfähig an die Ideologie der Nationalsozialisten…“ ( NDR, Gutachten vorgestellt )

VorGutachten ansehen

Drei Hektar Schwieriges

Frank Keil für die TAZ, 2022 | Artikel lesen

Johann Michael Bossard baute ab 1911 ein krudes Gesamtkunstwerk samt Hakenkreuz in der Lüneburger Heide. Die Frage ist: Was tun damit?

2023 „soll auf das Vorgutachten das eigentliche Gutachten folgen. Konzentrieren will man sich besonders auf zwei Fragestellungen: „Es geht zum einen um den Blick ins Private des Ehepaars Bossard“, so Duisberg-Schleier ( seit 2020 Leiterin des Hauses ). „Dabei wollen wir besonders die Figur der Jutta Bossard in den Fokus nehmen, die bisher nur am Rande auftaucht.“ Auch weil es noch Zeit­zeu­gen gebe, die sie gekannt haben. „Zum zweiten wollen wir den Künstler in den Kontext zeitgenössischer Künstler stellen; wollen schauen, welche Parallelen, aber auch welche Unterschiede es gibt.“


VIDEO | Reden wir über Bossard: Ateliergespräch mit Dr. Christina Krafczyk


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Das Ateliergespräch fand diesmal in kleiner Runde in dem kürzlich wiedereröffneten Kunsttempel statt und profitierte von Frau Dr. Krafczyks Expertise und Erfahrung als Architektin und Denkmalschützerin. Sie bezog Position dafür, historische Anlagen mit schwierigem Kontext nicht zu verändern, sondern das Unbequeme des Ortes zu verankern und zu erklären.


„Johann Bossard war, so geht es aus seinen Schriftwechseln hervor, Antisemit und ein glühender Verehrer Adolf Hitlers. Bossard lehnte die Weimarer Republik ab, weshalb er sein Anwesen ab 1921 zu einem Gesamtkunstwerk ausbaute, das er als Keimzelle der Gegenkultur verstand. In der Machtergreifung der Nazis 1933 sah er den erhofften politischen Wandel, wenig später ließ er ein Hakenkreuz in den Mosaikfußboden seines Wohnhauses legen.“ (Deutsche Welle, Umstrittenes Museum… )

Das Hakenkreuz ist mittlerweile, vermutlich aus formal defensiv juristischen Gründen, ÜBERMALT worden.

Kritik an übermaltem Hakenkreuz

Jüdische Allgemeine, 2022 | Artikel lesen

»Man kann die Vergangenheit nicht ungeschehen machen, indem man sie versteckt«, heißt es in einem Offenen Brief zum Werk des Künstlers Johann Michael Bossard.

In ihrem offenen Brief an den Stiftungsrat und die Mitarbeitenden der Kunststätte betonen die Verfasser jedoch, das Mosaik gehöre als historische Quelle zum Kunstwerk. Ein Museum müsse sich mit der Geschichte auseinandersetzen und das Werk des Künstlers entsprechend einordnen. Dies gelte es bei einer Neuausrichtung der Kunststätte zu bedenken. »Daher ist es erforderlich, die Tünche vom Hakenkreuz zu entfernen und es in ein geschichtsbewussteres Konzept zu integrieren.«

Zu den Unterzeichnern des Briefes zählen auch Historikerinnen und Historiker wie die Leiterin der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Elke Gryglewski, und ihr Vorgänger Jens-Christian Wagner, der mittlerweile Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora ist.


Kunststätte Johann und Jutta Bossard

www.bossard.de

Die Kunststätte Bossard ist ein Museum und expressionistisches Gesamtkunstwerk. Auf einem etwa drei Hektar großen Heidegrundstück zwischen Jesteburg und Lüllau im Norden der Lüneburger Heide erbauten Johann Michael Bossard (1874–1950) und seine Frau Jutta Bossard-Krull (1903–1996) verschiedene Gebäude und eine Gartenanlage. Sie versuchten, die Künste Architektur, Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Gartenkunst zu einem Ganzen verschmelzen zu lassen. Entstanden ist das Ensemble von 1911 bis 1950.

Betreiber:in des 1997 eröffneten Museums ist die Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard. Das Grundstück, die Gebäude und Kunstwerke sowie die Archivalien aus dem Nachlass brachte Jutta Bossard-Krull in die 1995 gegründete Stiftung ein.

Öffnungszeiten:

März–Oktober Di–So 11–18 Uhr
November–Februar Di–So 11–16 Uhr
Geöffnet auch an den gesetzlichen Feiertagen, nur am 24./25. und 31.12./1.1. ist geschlossen.

Das Café hat zusätzlich am Ostermontag, 1. Mai, Pfingstmontag, Himmelfahrtstag sowie am 3. + 31. Oktober geöffnet.

Eintritt: Erwachsene 8 €, unter 18 Jahren frei.

Abb.: Lageplan (Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard)

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