Harburger Mahnmal gegen Faschismus

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Jochen Gerz - L'AUTOPORTRAIT, video still 1975

In 2016 ist der 30. Jahrestag der Einweihung eines der bekanntesten Gegendenkmäler Deutschlands – das Harburger Mahnmal gegen Faschismus der Konzeptkünstler Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz. Zum 50. Jahrestag der nationalsozialistischen Machtergreifung beschloss die Bezirksversammlung Harburg im Januar 1983 einstimmig die Errichtung eines „Mahnmals gegen den Faschismus“ auf dem Harburger Rathausplatz. 


Nach Abschluss eines Wettbewerbs und intensiven Diskussionen fiel die Entscheidung zugunsten eines Entwurfs von Esther Shalev-Gerz (geb. 1948) und Jochen Gerz (geb. 1940), die eine besondere Form der Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus beabsichtigten.

Sie bauten 1986 eine bleiummantelte Säule von zwölf Metern Höhe auf, die als Schreibgrund für Unterschriften und Kommentare zur NS-Zeit genutzt werden sollte. In acht Schritten wurde die Stele vom 10.10.1986 bis zum 10.11.1993 in das Erdreich abgesenkt, um Platz für neue Kommentare zu schaffen und so ein deutliches Symbol für das Eingraben der Erinnerung zu gestalten.

Chronologie der Absenkung:

Einweihung  10. Oktober 1986
1. Absenkung  1. September 1987
2. Absenkung  23. Oktober 1988
3. Absenkung  6. September 1989
4. Absenkung  22. Februar 1990
5. Absenkung  4. Dezember 1990
6. Absenkung  27. September 1991
7. Absenkung  27. November 1992
8. Absenkung  10. November 1993

BUCH | Harburger Mahnmal gegen Faschismus
von Jochen Gerz und Esther Shalev-Gerz

Taschenbuch
122 Seiten
zahlreiche meist farbige Abbildungen
Hatje Cantz Verlag (März 1998)
Sprache: Deutsch, Englisch

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Am Ende waren es ca. 60.000 Beschriftungen unterschiedlichster Art – Unterschriften, nachdenkliche Worte, antifaschistische Zitate ebenso wie Sprüche und ausländerfeindliche Parolen –, die mit der Säule versenkt wurden. Die Absenkungen der Säule in die Erde wurde von Diskussionsrunden und Vorträgen zur Geschichte des Nationalsozialismus begleitet.

Heute ist von dem Mahnmal nur noch die oben abschließende Bleiplatte im Gehweg zu sehen. Außerdem ermöglicht ein Fenster in der Fußgängerunterführung den Blick auf einen Teil der Stele. Tafeln erklären die Entstehung des Denkmals und den Anlass seiner Errichtung. Die „Leerstelle“ des versenkten Denkmals wird in der Inschrift mit den Worten erläutert:

„Wir laden die Bürger von Harburg und die Besucher der Stadt ein, ihren Namen hier unseren eigenen anzufügen. Es soll uns verpflichten, wachsam zu sein und zu bleiben. Je mehr Unterschriften der zwölf Meter hohe Stab aus Blei trägt, um so mehr von ihm wird in den Boden eingelassen. Solange, bis er nach unbestimmter Zeit restlos versenkt und die Stelle des Harburger Mahnmals gegen den Faschismus leer sein wird. Denn nichts kann auf Dauer an unserer Stelle sich gegen das Unrecht erheben“.

Das war das Konzept und diese Worte in sieben Sprachen sind das, was am Ort verblieben ist.

Denkmal zum Mitmachen

[ via Seite „Jochen Gerz“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. 
Bearbeitungsstand: 20. Dezember 2014, 11:33 UTC.
URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Jochen_Gerz&oldid=136948571 
Abgerufen: 5. März 2015, 11:12 UTC ]

In der ursprünglichen Vorstellung der Künstler sollte also ein Denkmal in der Interaktion mit den Menschen ( „ein Denkmal zum Mitmachen“ / Ot. Regionalzeitung ) entstehen, bei der eine Liste mit Namen eingraviert werden würde, und das gleichzeitig bei dieser Vollendung im Boden verschwunden wäre. Nur durch eine kleine Glasscheibe sollte ein Einblick auf einen Teil der Säule möglich sein, deren Inschrift ähnlich wie auf vielen anderen Denkmalen des Holocaust als eine lange Liste von Namen erschien, mit dem entscheidenden Unterschied, dass hier im Gegensatz zu Listen der Namen von Opfern lebende Menschen, und zwar von diesen selbst geschrieben, zu lesen wären.

Jochen Gerz sprach bei seinen Arbeiten von „einem neuen Typus von Denkmälern, die die traditionell angestrebte kurze Betroffenheit des Betrachters ersetzt durch seine bleibende Mitautorenschaft und Mitverantwortung.“

Nach kurzer Zeit zeigte sich aber ein anderes Bild: die Säule war überzogen von einer ganzen Schicht von Namen und Sprüchen (x liebt y oder „Ausländer raus!“) und deren Durchstreichungen sowie Bildern und Graffiti. Im Laufe der Absenkungen sind bis zur letztendlichen Versenkung Schussspuren an der Bleiummantelung gefunden worden; es wurde auch versucht, am Fuße der Säule die ganze Ummantelung zu entfernen – schließlich wurden auch Hakenkreuze eingeritzt.

Der Künstler selbst kommentierte dies so: „Denn die Orte der Erinnerung sind Menschen, nicht Denkmäler.“An anderer Stelle vermerkte er: „Als Spiegelbild der Gesellschaft ist das Monument im doppelten Sinn problematisch, da es die Gesellschaft nicht nur an Vergangenes erinnert, sondern zusätzlich – und das ist das Beunruhigendste daran – an die eigene Reaktion auf diese Vergangenheit.“

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Harburger Mahnmal gegen Faschismus | Harburger Rathausstr. 13 / Ecke Harburger Ring | 21073 Hamburg-Harburg

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