G.Unter | DAS HAUSBOOT | Olli Schulz & Fynn Kliemann

Olli Schulz und Fynn Kliemann | Foto: netflix

Was passiert, wenn Olli Schulz und Fynn Kliemann das alte Hausboot von Gunther Gabriel im Hamburg-Harburger Binnenhafen kaufen? Nun… jede Menge Streit, ein Haufen Rechnungen und das vielleicht schönste Musik-Hausboot Deutschlands.


“Dienstag ist Bootstag!” und zwar ab 9. März 2021: Dann sticht Deutschlands vielleicht bekanntestes Hausboot mit Olli Schulz und Fynn Kliemann an Bord “in See”: Netflix präsentiert exklusiv das denkwürdige Making-of in vier Teilen, die Geschichte einer Zerreißprobe – für die Nerven eines jeden Heimwerkers und nicht zuletzt die einer gerade erst knospenden Männerfreundschaft.

Zwischenzeitlich stand sogar im Raum, den Kahn beim Hamburger Hafengeburtstag öffentlich zu sprengen.

Aus der Zeitung hat Olli Schulz vom Verkauf des schwimmenden Zuhause von Gunter Gabriel erfahren und seinen neuen Kumpel Fynn Kliemann direkt ins Boot geholt. Olli Schulz: “Wenn es jemanden gibt, der Bock hat mit mir dieses Boot aufzumöbeln und der das auch kann, dann – hab ich mir gedacht – ist das Fynn Kliemann!” Fynn: “Ich kannte Olli gar nicht, wir sind bisschen durch Hamburg getingelt und 2-3 Tage später kam er mit der Idee zum Hausboot um die Ecke.”

2018 kauften sie das heruntergekommene Hausboot des Schlager- und Countrysängers Gunter Gabriel, der ein Jahr zuvor verstorben war. Gabriel hatte sein Hausboot, ein altes DDR-Arbeiterschiff mit dem Namen „Magdeburg“, seit 1997 im Hamburg-Harburger Binnenhafen bewohnt. Als dessen Tochter es nach seinem Tod veräußern wollte, schlug Olli Schulz zu, „bevor dieses Boot jetzt irgendein Idiot bekommt.

Kurzerhand entwickelten die zwei ihre gemeinsame Vision: Einen Rückzugsort für kreatives Schaffen, mit Musikstudio, Sonnendeck, einer riesigen Küche, Sitzecke und Kamin. Was folgt sind zwei arbeitsreiche Jahre voller Staub, Schweiß und Hiobsbotschaften. Denn nicht nur der Kahn ist in einer schlimmeren Verfassung als vermutet … Schon bald zeigt die Zuneigung der beiden Romantiker erste Abnutzungserscheinungen. Fynn Kliemann scherzt: “Olli ist mein Anker, der mich runterzieht.” Können die Musiker sich und das Boot über Wasser halten?

VIDEO | Das Hausboot | Offizieller Trailer | Netflix


Olli Schulz und Fynn Kliemann: „Wir können nur jedem von einem Hausboot abraten!“

Frederike Arns für MOPOP 7.3.21 | Interview lesen

Wo fragt man bei der Hansestadt Hamburg einen Liegeplatz an? Wie viel kostet der? Wir haben schnell gemerkt, dass es da wenig Interesse vom Hafen und von den Leuten gibt. Wir sind immer davon ausgegangen, dass wir da eine geile Sache machen. Wir machen das ja nicht nur für uns, sondern für die Musik und Künstler! Wir haben hier die Möglichkeit, kleine besondere Konzerte und intime Abende für kleine Bands und 150 Zuschauer zu gestalten und auch Sendungen aufzuzeichnen.

Jupiter Jones haben schon ihr Comeback-Konzert auf dem Boot aufgezeichnet.

Aktuell liegt das Boot im Harburger Binnenhafen. Zieht es noch mal um?

Kliemann: Ja, nächste Woche. Aber wohin, verraten wir noch nicht. Der Plan ist ja folgender: Das Hausboot soll zwei Saisons haben. Eine ist nicht-öffentlich, da können sich dann Musiker auf dem Boot einquartieren und etwas erschaffen. Von mir aus auch Schriftsteller, die ein Buch schreiben. Und in der anderen soll das Boot an einer Stelle liegen, wo jeder hinkann und dann finden regelmäßig Konzerte statt. Im besten Fall sind wir – wenn eh die großen Festivals stattfinden und alle Bands da sind – ein eigener kleiner Festivalspot. Neben den 150 Leuten, die aufs Boot passen, könnten weitere 150 mit eigenem kleinen Kahn oder Kajak vorm Hausboot parken und der Musik zuhören. Und wir bewirten die Leute dann und schmeißen Bierflaschen in die Boote.


Das Hausboot

„Das Hausboot“ läuft ab Dienstag (9. März 2021) auf Netflix.

Aus dem ehemaligen Zuhause von Gunter Gabriel soll dank Olli Schulz und Fynn Kliemann ein Ort für Kreative und Konzerte werden, eine neue Hamburger Location für Musik. Mal still, mal laut, mal einsam, mal gemeinsam. Die Doku zeigt und erzählt den Weg dorthin. Den Umbau des Hausboots, die Pläne der frischen Kapitäne, die ersten Töne im neuen Studio und eine gemeinsame Jam-Session von Fynn und Olli im neuen Hausboot-Studio. Die Entstehung eines schwimmenden Kunstraumes. Ein Making-Of.

Zwei Jahre lang dokumentierten die beiden Musiker ihr ausuferndes Projekt in 4 Episoden á 40 Minuten.


Ein kleiner abschließender Tipp für die Freunde des sonderbaren, subkulturellen Humors:

HEINO JAEGER – Look Before You Kuck

Mehr Infos

Auch 20 Jahre nach Heino Jaegers Tod ist der Hamburg-Harburger Maler, Satiriker und frühe Radiokultstar der ewige Geheimtipp. Er laborierte unheilbar an Kriegserfahrungen und am kleinbürgerlichen Bedürfnis der Deutschen, die Nazizeit zu vergessen, alles, was davor war, abzureißen und eine neue Zeit zu behaupten. Jaeger katalogisierte und hielt fest, schlüpfte in Rollen und verschwand darin. Auch für die, die Heino Jaeger lange Zeit begleitet haben, blieb er immer rätselhaft und ambivalent.


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