Die Sammlung Falckenberg präsentiert bis 26. April 2026 ein künstlerisches Spiel mit Alltagsmaterialien und gefundenen Objekten sowie humorvoll-subversives Hinterfragen der Konventionen in Kunst und Gesellschaft.
Daniel Spoerri, 1969
Die Ausstellung »Ich liebe Widersprüche« in der Sammlung Falckenberg will einen neuen Blick auf das vielfältige Werk Daniel Spoerris (1930–2024) und die ungebrochene Relevanz seines künstlerischen Denkens bieten. In direktem Dialog mit ausgewählten Positionen aus der Sammlung Falckenberg – von Ray Johnson über Jonathan Meese bis zu Mariella Moser – veranschaulicht die Ausstellung das für Spoerri typische Spiel mit Alltagsmaterialien und gefundenen Objekten sowie sein humorvoll-subversives Hinterfragen der Konventionen in Kunst und Gesellschaft.
Daniel Spoerri zählt zu den bedeutendsten männlichen Vertretern der Objektkunst. Seine aus Alltagsgegenständen bestehenden Assemblagen und Collagen entstehen aus dem leidenschaftlichen Sammeln von kuriosen Fundstücken. Auf zwei Etagen versammelt die Ausstellung WIDERSPRÜCHE SIND MIR LIEB in der Sammlung Falckenberg der Deichtorhallen Hamburg überblickartig das vielfältige Werk des kürzlich verstorbenen Künstlers, der im kommenden Jahr 95 geworden wäre.
Im Dialog mit Werken aus der deutschen und US-amerikanischen Counter Culture der Sammlung Falckenberg will die Ausstellung den Blick auf den interdisziplinären Künstler erweitern. Es ist die letzte Ausstellung, zu der die Idee noch in Abstimmung mit Harald Falckenberg entstanden ist.
VIDEO | Daniel Spoerri: Künstler und Tausendsassa Verfügbar bis zum 24/11/2030 | B. Loutte für arte TV, 2018
Daniel Spoerri hat sich schon oft neu erfunden. Der Schweizer ist bildender Künstler, Regisseur und einer der bedeutendsten Vertreter der Objektkunst. In dem Buch „Konversationstrieb“ gewährt er Einblicke in seine Arbeit.
In Abgrenzung zur abstrakten Kunst und anknüpfend an die Readymades und Dada der 1960er Jahre kreierte Daniel Spoerri mit seinen sogenannten »Fallenbildern« eine eigene Kunstgattung, für die er bis heute weltweite Bekanntheit erlang. Zufällige, geordnete, oder unordentliche Situationen fixiert er unverändert auf ihrer Unterlage (Tisch, Schachtel, Schublade). Das Horizontale wird ins Vertikale gebracht; das Resultat zum Bild erklärt. Selbst ein künstlerischer Autodidakt, hinterfragt Spoerri das Prinzip der Autor:innenschaft und stellt direkte Bezüge zur Wirklichkeit her.
Das Bild zeigt den Ausschnitt des Buches "Daniel Spoerri: Ein Augenblick für eine Ewigkeit". Es handelt sich um den Katalog zu einer Ausstellung, die vom 21. November 2010 bis zum 20. Februar 2011 in der Kunsthalle Krems stattfand. Der Künstler Daniel Spoerri ist auf dem Cover abgebildet | Kataloggestaltung: Nele Steinborn
Als Bindeglied zwischen der Pariser Szene und dem Rheinland, den Niederlanden und der Schweiz zählte der bestens vernetzte Künstler lange Zeit zu den zentralen Vermittlern der europäischen Kunstwelt. Mühelos navigierte er zwischen Fluxus, Zero und Nouveau Réalisme: Schon 1959 gründete Spoerri die Edition MAT (Multiplication d’Art Transformable) zum Vertrieb künstlerischer Auflagenobjekte in Serie. 1961 organisierte er für das Amsterdamer Stedelijk Museum die epochemachende Übersichtsausstellung zur kinetischen Kunst „Bewogen Beweging“. Ebendort realisierte er ein Jahr später gemeinsam mit Jean Tinguely, Robert Rauschenberg, Martial Raysse, Niki de Saint Phalle und Per Olof Ultvedt die ebenso legendäre Ausstellung „Dylaby“. Mit der Gründung des Düsseldorfer „Restaurant Spoerri“ (1968) und der angeschlossenen Eat Art Galerie (1970) avancierte er bald darauf zum Küchenchef der Avantgarde: Als Gastgeber und Galerist empfing er dort die internationale Kunstszene zu Ausstellungen und künstlerischen Kochaktionen.
Küchenchef der Avantgarde – und 0-maliger documenta Künstler?
Daniel Spoerri wollte die Wirklichkeit radikal mit der Kunst verschmelzen. Doch sein opulentes Werk scheint die Hamburger Deichtorhallen zu überfordern.
„Die Deichtorhallen sind ihm jedoch in die Falle gegangen. Anhand der schieren Größe der Phönixhallen haben sie sich offensichtlich in der Masse von Spoerris Schaffen verstrickt. Die Kraft seiner Kunst haben sie dabei aus den Augen verloren. ..Serielle Wiederholung.. Die Pointe geht in der Anhäufung der Werke allerdings verloren, die gesellschaftskritischen Spitzen, die gegen die Überhöhung der Kunst durch Eliten gerichtet waren, wirken abgestoßen.“
DANIEL SPOERRI. Katalog, Wien 2021
Gebundene Ausgabe 200 Seiten mit 160 meist farb., teils ganzseit. Abb., Ausst’verz., Bibliographie Herausgeber: König, Walther Sprachen: Bilingual Deutsch/Englisch 22.23 x 2.29 x 29.85 cm
Großzügig und alle Werkgruppen umfassender Katalog begleitet die große Retrospektive des Schweizer Künstlers in seiner Wahlheimat Wien. Der Schwerpunkt liegt auf seinen sogenannten Fallbildern, die ihn zu einem der bedeutensten Künstler der Objektkunst machen. Häufig sind diese im Rahmen seiner von ihm benannten Eat Art entstanden. Aber auch Beispiele seiner Zusammenarbeiten mit Dieter Roth oder als Co-Verleger von Editionen befreundeter Künstler.
Das mit zahlreichen, teils erstmalig publizierten Werk- und Archivaufnahmen bebilderte Buch, das im Frühjahr 2021 anlässlich der Ausstellung „Daniel Spoerri“ im Bank Austria Kunstforum Wien erscheint, gibt einen umfassenden Einblick in die über 60 Jahre umfassende künstlerische Praxis Daniel Spoerris. Mit seinen seit 1960 stets weiterentwickelten Fallenbildern (Tableaux pièges) schrieb er sich dauerhaft in die Kunstgeschichte ein. Darüber hinaus zeigt das Buch auf, dass der Universalkünstler und begeisterte Sammler in nahezu allen künstlerischen Medien versiert ist. In Text und Bild wird das von feinsinnigem Humor, Vielsprachigkeit und Erfindungsreichtum geprägte Werk Daniel Spoerris in dieser zweisprachigen Publikation präsentiert. Texte von: Ingried Brugger, Hans Peter Hahn, Barbara Räderscheidt, Veronika Rudorfer, Daniel Spoerri, Katerina Vatsella
DANIEL SPOERRI. Leben und Werk
Gebundene Ausgabe 288 Seiten, mit 80 meist farb. Abb., Bibliographie, Index Herausgeber: Wienand Sprache: Deutsch 15.2 x 2.7 x 23.8 cm
Das Werk von Daniel Spoerri (geb. 1930) lässt sich keineswegs auf die Fallenbilder reduzieren, die zu seinem Markenzeichen geworden sind. Neben der Fixierung vorgefundener Ess-Szenen und Alltagssituationen, wodurch Spoerri ein wichtiger Nachfolger von Marcel Duchamp mit seinen Readymades wurde, ist sein Leben durchdrungen von unterschiedlichsten künstlerischen Aktivitäten. Er war unter anderem Balletttänzer, Regisseur von Avantgarde-Stücken, Vertreter kinetischer Kunst, Mitglied von ZERO, Fluxus und den Nouveaux Réalistes, Erfinder der Eat Art, Kunstprofessor sowie Erneuerer des Ausstellungswesens mit seinem Musée sentimentale. Die Publikation bietet mit hervorragenden Abbildungen und kenntnisreichen Texten endlich die lang erwartete Monografie zum Leben und Gesamtwerk dieses bedeutenden Künstlers.
Die Sammlung Falckenberg ist eine international renommierte Kunsthalle und Dependance der Deichtorhallen in den Phoenix-Hallen, Hamburg-Harburg.
ANIEL SPOERRI. Widersprüche sind mir lieb
AUSSTELLUNG 27. September 2025 bis 26. April 2026
ERÖFFNUNG Am Freitag, 26. September 2025 | 19 Uhr in der Sammlung Falckenberg.
ÖFFNUNGSZEITEN UND PREISE Geöffnet jeden So von 12–17 Uhr, ohne Anmeldung, Eintritt 11 Euro / ermäßigt 7 Euro. Sowie im Rahmen von 90-minütigen Führungen jeden jeden Sa um 12 und 17 Uhr, dann Eintritt 16 Euro / ermäßigt 13 Euro, Buchung unter tickets.deichtorhallen.de
Öffentliche Führungen Ergänzend zu den Öffnungszeiten am Wochenende öffnet die Sammlung Falckenberg im Rahmen von 90-minütigen, öffentlichen Führungen durch die Ausstellung mit begrenzter Teilnahmezahl.
Jeden Sonnabend um 12 und 17 Uhr (Dauer ca. 90 Minuten). Aufgrund begrenzter Teilnahmezahl ist eine Ticketbuchung erforderlich. 16 Euro, erm. 13 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei | Tickets unter tickets.deichtorhallen.de.
THEMENFÜHRUNGEN zur Ausstellung / Sammlung An ausgewählten Sonntagen jeweils um 14 Uhr. Begrenzte Teilnahmezahl, Anmeldung/Buchung an der Tageskasse vor Ort erforderlich.
Secrets & Surveillance. Jonathan Meese und Jon Kessler in der Sammlung Falckenberg Kosten: 4,- € Teilnahme an der Führungg Sonntag, 18. Januar 2026, 14 Uhr
mit Fernbahn/Nahverkehr: Ab HH-HBF, S3 Richtung Neugraben, Buxtehude, Stade oder mit der S 31 Richtung Harburg Rathaus, Neugraben bis Bahnhof Harburg (13 Min.). Von dort (S-Bahn-Ausgang Moorstr.) sind es etwa 10 Min. zu Fuß zur Sammlung Falckenberg. Mit dem Auto: A253 Abfahrt Hamburg-Wilstorf, A1 Abfahrt Hamburg-Harburg
BARRIEREFREIHEIT
Die Sammlung Falckenberg befindet sich in einem denkmalgeschützten Fabrikgebäude. Die Räumlichkeiten sind eingeschränkt barrierefrei. Sollten Sie nähere Rückfragen zu den Gegebenheiten vor Ort haben, kontaktieren Sie uns bitte möglichst bis zu zwei Tage vor Ihrem Besuch über die folgenden Kontaktdaten: