Klassische Musik trifft in der Friedrich-Ebert-Halle auf anatolischen Folk. Mit Derya Yildirim, dem Mandolinisten Avi Avital und den Streichern von Ensemble Resonanz. Taner Aykol schrieb eigens für diesen Abend mit „PHOENIX“ ein Konzert für Mandoline, Bağlama, Percussion & Orchester.

Avi Avital | Foto: Christoph Koestlin //// Derya Yildirim | Foto: Spyros Droussiotis
Avi Avital und Derya Yildirim vereinen zwei Stimmen, zwei Instrumente, zwei Welten – und eine gemeinsame Inspiration. Auf der Brücke, wo sie Traditionen neu denken, trifft barocke Eleganz auf die raue Schönheit anatolischer Lieder. Vivaldis »Sommer« entfesselt flirrende Hitze, flüchtig wie ein Sturm, die Mandoline spinnt virtuose Linien. Die Baglama erzählt von Liebe, Verlust, Widerstand – und von der Sehnsucht der Zugvögel nach Heimat. Bittersüß. Tief berührend.
Nach dem Konzert im Januar 2026 in der Elbphilharmonie und einem Auftritt im Konzerthaus Berlin (27.04.26) kommen Yildirim & Avital, zusammen mit dem Ensemble Resonanz am 28. April 2026 auch nach Harburg in die Friedrich-Ebert-Halle.
„Hier treffen zwei Stars aufeinander: Auf der einen Seite die in Hamburg aufgewachsene Derya Yildirim, die singt und sich selbst auf der Baglama-Laute begleitet, auf der anderen Seite der israelische Mandolinist Avi Avital, der europäische Barockmusik ebenso gerne spielt wie neuere Musik aus aller Welt. Beide sind charismatische Virtuosen, beide spielen ein Instrument aus der Lauten-Familie und lieben es, verschiedene Musikkulturen zusammenzuführen. Zusammen mit den ebenfalls abenteuerfreudigen Streichern des Ensemble Resonanz spannen sie in diesem moderierten Konzert einen weiten Bogen: Sie spielen klassische Musik, anatolischen Folk und eine ganz neue Komposition von Yildirims Lehrer Taner Akyol, mit dem sie seit Jahren befreundet ist.“ [ via elbphilharmonie ]
PODCAST
Die Musikerin Derya Yildirim ist auf der Hamburger Veddel zwischen der türkischen Musikkultur ihrer Familie auf der einen Seite und einem klassischen Klavierstudium auf der anderen Seite groß geworden ist. Beeinflussen die verschiedenen Kulturen ihre Auffassung von Kreativität?
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„In ihren musikalischen Projekten bewegt sich Derya Yildirim immer an der Grenze zwischen europäischer Klassik und der traditionellen anatolischen Musik. Besonders mit ihrem Baglama-Lehrer Taner Akyol verbindet sie eine besondere kreative Partnerschaft. In seiner sowie in Deryas Musik finden sich regelmäßig Momente, in denen Musik aus verschiedenen Kulturen nicht nur aufeinandertrifft, sondern wo etwas ganz Neues entstehen lässt – für Derya ein Beispiel gelungener Kreativität.“ [ via elbphilharmonie ]
BESETZUNG
Ensemble Resonanz [Kammermusikalisches Streicherensemble]
Derya Yildirim [Baglama, Gesang]
Avi Avital [Mandoline]
PROGRAMM
Bebek
Volkslied aus Dersim, Bearbeitung: Taner Akyol (*1977)
Anatolische Volksmusiktradition. Taner Akyol – Komponist, Bağlama-Spieler, langjähriger Freund und Lehrer von Derya Yıldırım – widmet sich in Bebek einem politischen Volkslied aus Dersim, das an die gewaltsamen Ereignisse von 1937/38 erinnert. Hier geht es um die Geschichte einer kurdischen Mutter, die sich im gleichnamigen Dorf vor Soldaten versteckt und deren Neugeborenes dabei in ihren Armen stirbt. Das Lied macht die Angst, die Ohnmacht und den Verlust hörbar und appelliert an die Menschlichkeit.
Pietro Locatelli (1695-1764)
Sinfonia Funebre f-Moll
I. Lamento: Largo
II. Alla breve ma moderatoPietro Locatelli war nicht nur einer der bedeutendsten Komponisten jener Zeit, sondern auch ein sehr virtuoser Geiger. Er entwickelte verschiedene neue Spieltechniken für sein Instrument und trat als gefeierter »Teufelsgeiger« auch in verschiedenen deutschen Städten auf. Seine Sinfonia funebre ist Trauermusik, geschrieben, um einen Verlust zu beklagen. Entsprechend langgezogen und ernst beginnt das Stück.
Ali N. Askin (*1962)
Seker Loops
Şeker Loops von Ali N. Askin vereint Minimal Music, türkische Volksmusik, südindische Rhythmen sowie Improvisation. Die Bağlama tritt mit den Violinen und Schlaginstrumenten in einen spannenden Dialog. Der Titel kombiniert das türkische Wort »Şeker« (»Zucker«, hier im Sinne von Süße oder Lieblichkeit) mit dem englischen »Loops« (»Schleifen«) – ein Hinweis auf die spielerischen, wiederkehrenden Motive des Stücks.
Drama Köprüsü (Die Brücke von Drama)
Volkslied aus Drama, Bearbeitung: Antonis Anissegos (*1970)
Drama köprüsü (»Die Brücke von Drama«) ist ein weit über die Grenzen der heutigen Türkei bekanntes Volkslied, das die Legende von Debreli Hasan erzählt. Hasan war ein Volksheld, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Bergen um die Stadt Drama als Bandit lebte und die Reichen bestahl, um den Armen zu helfen. »Eine Art Robin Hood, der gegen die Osmanen kämpfte«, so Derya Yıldırım.
Taner Akyol
Oy Nenem (Oh, meine Großmutter!)
Antonio Vivaldi (1678-1741)
Violinkonzert g-Moll op. 8 Nr. 2 RV 315
»Der Sommer« (Bearbeitung für Mandoline und Orchester von Avi Avital)
I. Allegro non molto
II. Adagio e piano – Presto e forte
III. PrestoEines der berühmtesten der klassischen Musik überhaupt. Es steht für pure Lebensfreude: das Violinkonzert mit dem Titel „Der Sommer“, der dritte Teil aus Antonio Vivaldis Zyklus Die vier Jahreszeiten. Berühmt ist das Stück auch, weil Vivaldi darin die Natur so anschaulich mit Musik beschreibt: Man hört Vogelgezwitscher, die Hitze und ein Sommergewitter, das sich langsam anbahnt und dann stürmisch losbricht. Die Solostimme, die ursprünglich für Violine geschrieben wurde, übernimmt Avi Avital in dieser Bearbeitung auf der Mandoline.
—— PAUSE ——
Taner Akyol
Phoenix, Konzert für Baglama, Mandoline, Percussion und Streichorchester (Uraufführung)
Zere Mê
Omer Avital (*1971)
Lonely Girl
Nach den Volksliedern folgt mit dem Instrumentalstück Lonely Girl ein Moment der Ruhe: Avi Avital beschreibt das Stück als »sehr intimes, intensiv melodiöses Stück. Es ist nicht improvisiert, auch nicht jazzig, einfach nur eine reine Melodie mit wunderbaren Harmonien«, so Avital. Die Ballade schlägt mit harmonischen Nuancen eine Brücke zwischen Jazz, Weltmusik und Pop.
Avi Avital (*1978)
Avi’s Song
Das letzte Stück des Konzerts, Avi’s Song, ist eine Eigenkomposition von Avi Avital, ein Stück, das von seinem besonderen, ungeraden Rhythmus geprägt ist. »Es ist ein bulgarischer Rhythmus, 11/8-Takt, ein typischer Tanz-Rhythmus der Balkan-Musik«, erzählt Avital, »ich habe ihn gewählt, weil ich dieses Genre so liebe und schon immer gerne gespielt habe«. Melodie, Rhythmus und stilistische Offenheit kommen hier zusammen – der passende Ausklang für ein Programm, in dem sich unterschiedliche Traditionen ganz selbstverständlich begegnen.
[ Programmbeschreibungen via Elbphilharmonie ]
Dialog zwischen zwei Kulturen
Wenn Mandoline und Baglama aufeinandertreffen, entsteht ein Dialog zwischen zwei Kulturen, die mehr gemeinsam haben, als es auf den ersten Blick scheint. Derya Yildirim und Avi Avital erkunden mit dem klanglich experimentierfreudigen Ensemble Resonanz die Verbindung von Barock, Folklore und zeitgenössischer Kammermusik. Gemeinsam gestalten sie einen Abend, der Traditionen neu denkt, Geschichten erzählt und musikalische Brücken baut – von Anatolien bis Europa, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Derya Yildirim
Aufgewachsen auf der Veddel – kam über ihre Familie schon früh in Kontakt mit der türkischen Musikkultur. Schon immer begeisterte sie sich für die verschiedensten Instrumente vom Klavier über das Saxofon bis zu den Lauten Cümbüs und Baglama. Nachdem sie an der Hochschule für Musik und Theather erfolgreich Klavier studiert hatte, überwog am Ende aber ihre Liebe zur türkischen Musik und ganz besonders zu ihrem Instrument, der Langhalslaute Baglama.
Zurzeit studiert sie das Instrument bei Taner Akyol an der Universität der Künste in Berlin. Gleichzeitig ist sie – abseits von Corona – auch regelmäßig auf der Bühne zu erleben. Zum Beispiel mit ihrer Band Grup Simsek oder dem Ensemble Resonanz mit ihrem Projekt »Derya’s Songbook«.
»Volksmusik ist keine Nostalgie. Sie ist Bewegung, Wandel, Ausdruck – ein Spiegel der Gesellschaft.« Diese Haltung prägt Derya Yildirims Musik: Lieder, die weitergegeben, neu empfunden und stets aufs Neue definiert werden. Ihre Stimme und die Baglama erzählen von Sehnsucht und Widerstand, Migration und Identität – mal zart und melancholisch, mal kraftvoll und mitreißend.
VIDEO | Avi Avital: AVI’S SONG, Live bei den BBC Proms In The Park, Belfast, 8. September 2018, mit dem Ulster Orchestra
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Avi Avital
Geboren 1978 in Be’er Scheva (Israel), ist der erste Mandolinen-Solist, der für einen Grammy nominiert wurde. Er hat die Mandoline als klassisches Konzertinstrument neu etabliert. Seit mehr als zwei Jahrzehnten hat Avital das Repertoire für Mandoline nicht nur durch Transkriptionen verschiedener Stücke erweitert, sondern auch über 100 Werke für Mandoline in Auftrag gegeben, darunter Konzerte für Mandoline und Orchester von Jennifer Higdon, Anna Clyne, Avner Dorman und Giovanni Sollima. Berühmt für seine virtuosen Interpretationen von Barock- und italienischer Musik, schlägt sein Herz zugleich für Folkore – besonders jene des Mittelmeerraums.
„Die Mandoline ist ein Instrument, das einerseits im kollektiven Gedächtnis sehr bekannt ist. Gleichzeitig ist sie auch sehr unbekannt, besonders im Kontext klassischer Musik. Der große Vorteil der Mandoline ist, dass sie ein sehr intuitives, populäres Instrument ist, das war sie schon immer. Sie ist sehr benutzerfreundlich. Ich erinnere mich noch, wie es mir als Kind ganz leicht fiel zu verstehen, wie man einen Ton aus einer Saite bekommt, die man mit einem Plektrum zupft. Deshalb sieht man die Mandoline in sehr vielen musikalischen Traditionen – nicht nur in der klassischen Musik, etwa bei Vivaldi oder in neapolitanischer Musik, sondern auch in der Bluegrass-Musik der USA, in der brasilianischen Musik oder der irischen.
Wenn man auf der Mandoline Musik einer bestimmten Kultur spielt, klingt das Instrument selbst bereits nach dieser Kultur. Wenn ich zum Beispiel griechische Musik auf der Mandoline spiele, erinnert sie stark an den Klang der Bouzouki – wahrscheinlich stärker als andere Instrumente der klassischen Musikszene das könnten. Aber das hat auch mit mir selbst zu tun. Ich bin mit einer Neugier auf unterschiedliche Kulturen und verschiedene Musikrichtungen aufgewachsen. Ich habe nie nur klassische Musik gespielt, sondern auch Klezmer, Balkanmusik, Jazz, Musik aus dem Nahen Osten und vieles mehr. Das ist etwas, das ich sehr liebe.“ [ via BR-Klassik ]
Ensemble Resonanz
Das Ensemble Resonanz wurde 1994 von Mitgliedern der Jungen Deutschen Philharmonie gegründet und versteht sich als Schnittstelle zwischen klassischer Tradition und Gegenwart. Nach ersten Jahren in Frankfurt am Main und Diez an der Lahn ist das 21-köpfige Streichorchester seit 2002 in Hamburg ansässig. Dort war es zunächst Ensemble in Residence in der Laeiszhalle und ist heute Residenzorchester des Kleinen Saals der Elbphilharmonie.
Friedrich-Ebert-Halle
Ensemble Resonanz.
Derya Yildirim und Avi AvitalZwei Ausnahmekünstler erstmals auf der Bühne – zusammengeführt vom Ensemble Resonanz, das mit Derya Yildirim eine enge musikalische Freundschaft verbindet und mit seinem Gespür für klangliche Experimente regelmäßig Grenzen auslotet. Gemeinsam präsentieren sie ein facettenreiches Programm: anatolische Volkslieder, traditionell und neu arrangiert für Baglama, Mandoline und Streicher; barocke Meisterwerke von Locatelli bis Vivaldi; sowie musikalische Dialoge zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Komponist Taner Akyol hat eigens für diesen Abend ein neues Werk geschrieben, das aus den Klangfarben der besonderen Instrumente schöpft und zu etwas Neuem verbindet. Ein Konzert, das sich über musikalische Kategorien hinwegsetzt – direkt, ausdrucksstark und tief berührend.
DIE 28 APR 26 | Konzert 19.30 bis ca. 21.30 Uhr
»Yildirim & Avital« (PDF, 3,0 MB)
Restkarten für das Konzert können (auch von Nicht-Mitgliedern der Musikgemeinde Harburg!) eine halbe Stunde vor der Veranstaltungen an der Abendkasse (30 €, ermäßigt 15 €) erworben werden, Vorbestellung unter Telefon: 0157-33082827.


Der Verein Musikgemeinde Harburg bietet neben Veranstaltungen im Helms-Saal (Harburger Theater) und an anderen Veranstaltungsorten mindestens 10 Konzerte jährlich in der für ihre Akustik berühmten Friedrich-Ebert-Halle: Vom Klavierabend über Kammermusik mit Ensembles verschiedener Größe bis zum großen Orchesterkonzert; Ensemble Resonanz, das Philharmonische Staatsorchester Hamburg und die Symphoniker Hamburg gastieren regelmäßig in Harburg.





