
HEINO JAEGER | LP Cover, Ausschnitt
Wer war Heino Jaeger? Loriot verehrte ihn als großen Humoristen. Eckhard Henscheid nannte ihn den „Mozart der Komik“. Dennoch ist der Hamburg-Harburger Heino Jaeger der wohl unbekannteste unter den großen deutschen Komikern. „Wir haben ihn wohl nicht verdient“, schlussfolgerte Loriot.
Auch Jahrzehnte nach Heino Jaegers Tod ist der Maler, Satiriker und frühe Radiokultstar der ewige Geheimtipp. Er laborierte unheilbar an Kriegserfahrungen und am kleinbürgerlichen Bedürfnis der Deutschen, die Nazizeit zu vergessen, alles, was davor war, abzureißen und eine neue Zeit zu behaupten. Jaeger katalogisierte und hielt fest, schlüpfte in Rollen und verschwand darin. Auch für die, die Heino Jaeger lange Zeit begleitet haben, blieb er immer rätselhaft und ambivalent.
Die Biographie des 1938 geborenen und 1997 verstorbenen Hamburg-Harburger Genies der Realsatire bietet genügend Stoff für eine Verfilmung a la „Angst und Schrecken in Las Vegas“. Ein durchgeknalltes (RocknRoll) Leben zwischen Schizophrenie und Genie, zwischen Romantik und depressiver Nachkriegsrealität.
Neben Gemälden und Zeichnungen entstehen die legendären Kurzgeschichten und kabarettistische Texte, die in Rundfunk, Fernsehen und auf Langspielplatten verbreitet werden. „Lebensberatung Dr. Jaeger“ wird zum Markenzeichen.
„Lebenspraxis Dr. Jaeger“ war eine Radiosendung mit einem ganz realen Vorbild: „441777. Was wollen Sie wissen?“ Unter dieser Nummer und diesem Titel beantwortete Walter von Hollander, Autor von Liebesromanen und promovierter Philosoph, Hörerfragen zu Ehe-, Sex- und Lebensproblemen – jeden Freitag Mittag beim Norddeutschen Rundfunk, von 1952 bis 1971.
Grotesk dagegen die latent ablehnende Haltung des NDR. Stattdessen produzierte der Saarländische Rundfunk die Serien „Fragen Sie Dr. Jaeger“ und „Das aktuelle Jaegermagazin“.
Auf dem Kiez von St. Pauli mischt sich Heino Jaeger unter die schillernde Szene aus Künstlern und Prostituierten, Zuhältern und Intellektuellen. Zum Freundeskreis gehören der sogenannte „Boxprinz“ Norbert Gruppe alias Prinz Wilhelm von Homburg, der bundesweit von sich reden machte, als er in einem Interview im ZDF-Sportstudio auf jede Frage schwieg. Oder Hubert Fichte, charismatischer Autor ethno-poetischer Untersuchungen zwischen Haiti und Hamburg und Verfasser einer bisexuellen Bekenntnisautobiographie unter dem Titel „Versuch über die Pubertät“. Dann dessen Lebens- und Reisegefährtin, die Fotografin Leonore Mau und und und… alle unter dem Dach des marxistisch gefärbten Bordellbesitzers und Pornokinobetreibers Wolli Köhler. [ swr Radio-Feature ]
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VIDEO | HEINO JAEGER – Phrasenzertrümmerer durch Mimikry
Ausschnitte aus einem Dokumentarfilm von Martin Buchholz
[ mit Hanns Dieter Hüsch u.a. ]
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Helms-Saal (Harburger Theater)
OLLI DITTRICH liest HEINO JAEGER
SA 25 APR 26 | 19.30 Uhr
Olli Dittrich liest aus dem Repertoire des genialen Malers & Wortkünstlers Heino Jaeger, den er als seinen größten künstlerischen Einfluss bezeichnet.
Dittrich, vierfacher Grimmepreisträger, gelernter Theatermaler, Komponist, Texter und Multiinstrumentalist (über zwei Millionen verkaufter Tonträger), ist ein Meister der Verwandlung. Er gilt als einer der besten zeitgenössischen Schöpfer von Kunstfiguren – seine Filme, TV-Formate und Persiflagen wurden zigfach national wie international nominiert und prämiert. Mit seiner berühmtesten Figur „Dittsche“ (SZ: „Deutschlands letzter Volksheld“) ist Dittrich, der 2024 sein 50jähriges Bühnenjubiläum feierte, regelmäßig auf großer Deutschlandtournee zu sehen.





