Harburger Fahrradgeschichten | Vom Rennrad zum BMX Bike

Das Stadtmuseum Harburg präsentiert eine gut gemachte, wenn auch rennsportlastige, regionale WebStory zum Thema Fahrrad.

Der Arbeiter-Radfahrer-Bund »Solidarität« bei einem Ausflug im Harburger Umland.

In Harburg wird seit den 1950er-Jahren Radsportgeschichte geschrieben. Das Stadtmuseum Harburg macht sich mit einer neuen digitalen Ausstellung auf die Suche nach diesem heute fast vergessenen Kapitel der Harburger Sportgeschichte. Die Webstory „Harburger Fahrradgeschichte(n)“ wirft einen Blick zurück in die 50er- und 60er-Jahre, als sich Harburg zu einem Mekka des Radsports in Norddeutschlands entwickelte.

Mit Glück entwickelt sich hier das zukünftige digitale Archiv Harburg an der Elbe.



Aktuell ist Harburgs Zukunft als eher fahrradunfreundlicher Stadtteil im Fokus, zumal mit dem letzten verbliebenen Traditionsgeschäft zum Thema ( mit Reparaturwerkstatt ) Fahrrad-Brinkmann am Phoenix-Viertel zum Ende 2021 ersatzlos schließt. Damit fehlt zukünftig im Phoenix/Süd-Kiez ein fußläufig erreichbarer Fahrraddienstleister. Im Vergleich zu Wilhelmsburg gibt Harburg ein mehr als trauriges Beispiel ab.

Interessant auch die Verwaltungs-Fehlleistungen im Zusammenhang mit gepflasterten Wegen im Harburger Stadtpark, die regelmäßig zu gefährlichen Zusammentreffen von Parkflanierenden und Fahrradfahrer:innen führen, die natürlich selbst vollgepanzert ungeschützte Fußgänger:innen gefährden, weil jeder gepflasterte Weg – wie selbstverständlich – als Radweg interpretiert wird. Eine deutliche Kennzeichnung hält der Stadtteil bis heute nicht für nötig. ( … bis die erste Krankenkasse den Bezirk erfolgreich verklagt )

Harburgs vergangene Fahrradgeschichte

SPD und die Arbeiter-Radfahrer

“Das Verhältnis zwischen SPD und dem Arbeiter-Radfahrer-Bund »Solidarität« war nicht spannungsfrei. Die SPD warf den Arbeiter-Radfahrvereinen vor, sie lenkten durch Sport und Vergnügungen von der politischen Arbeit ab. Sie seien auch keine richtigen Arbeiter, weil sie sich Räder leisten konnten. Selbst beim Wiederaufbau des Verbandes nach dem Zweiten Weltkrieg boten Gewerkschaften und SPD keinerlei Unterstützung.” ( via wikipedia )


In den 1950er-Jahren war Harburg eine regionale Hochburg des Radrennsports. 70 Jahre später bietet das Stadtmuseum Harburg mit seiner neuen digitalen Ausstellung „Harburger Fahrradgeschichte(n)“ stadthistorische Einblicke in diese Ära.

Zwei Harburger Radsportlegenden, Karl-Heinz Knabenreich und Jürgen Baranski, haben dazu ihren großen Fundus an historischen Fotos, Programmheften und Plakaten zur Verfügung gestellt. Ihre Geschichten von den zahlreichen Rennen, die sie auch persönlich in Harburg absolviert haben, lassen die Rennatmosphäre von damals wieder auferstehen.

So galt zum Beispiel das Rundstreckenrennen um den Großen Phoenix-Preis seinerzeit als das schwerste seiner Art in Norddeutschland und zog Jahr für Jahr Zehntausende an die Strecke in Eißendorf. 1951 fand das Rennen erstmals statt und im selben Jahr wurde auch der “Radsport Verein »ELBE« Harburg 1951” gegründet. Über 20.000 Zuschauerrinnen und Zuschauer aller Altersklassen machten die Rennen um den Rundkurs in Eißendorf in den 1950er-Jahren zu einem Sport-Spektakel der Extraklasse. Die zahlreichen Rennfotos dokumentieren dabei auch Harburger Stadtentwicklung in der Nachkriegszeit. Als das Rundstreckenrennen 1951 zum ersten Mal ausgetragen wurde, lagen ganze Straßenzüge noch in Trümmern. Erst nach und nach wurden die Baulücken geschlossen.

Die großen Erfolge des „RV Elbe Harburg“ sowohl auf der Rennstrecke als auch bei der Organisation von Radrennen fand deutschlandweit Beachtung. Auch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wurde auf Harburg und den „RV Elbe Harburg“ aufmerksam. So gelang es dem Verein Harburg zwischen 1980 und 2017 zum Austragungsort von 10 Deutschen Meisterschaften in verschiedenen Disziplinen zu machen.

Susanne und Frank Plambeck wurden 2021 im Hamburger Rathaus von Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher mit der „Medaille für treue Arbeit im Dienste des Volkes“ ausgezeichnet.

Albert Mußfeldt (1928 - 2005) ist eine über Hamburg hinaus bekannt Radsport-Ikone der 50er-Jahre. Zur lokalen Berühmtheit wird er durch die Siege beim Großen Phoenix-Preis 1952 und 1953. Glücklich überquert er hier die Ziellinie nach seiner siegreichen Fahrt beim Großen Phoenix-Preis 1953.
Foto: Sammlung Karl-Heinz Knabenreich und Jürgen Baranski

Zum Publikumsliebling wurde damals mit zwei Siegen 1952 und 1953 der Neugrabener Albert Mußfeld. Er gehörte seinerzeit zu den erfolgreichsten deutschen Radrennfahrern und schaffte aus eigener Kraft den Sprung in die Nationalmannschaft – damals ein Radsport-Idol für viele. Auch Karl-Heinz Knabenreich (Jahrgang 1937) ist dem Harburger Radsport immer noch aufs Engste verbunden. Er kennt den enormen Aufwand, den die Organisation von Veranstaltungen dieser Größenordnung erfordert und hat alle Höhen und Tiefen des Radsports in Harburg und in Deutschland miterlebt.

1999 schlossen sich drei Harburger Radsportvereine zur „Harburger Radsport Gemeinschaft von 1951“ (HRG) zusammen. Die Jahreszahl in dem Vereinsnamen ist unverkennbar das historische Erbe des „RV Elbe“. Die Vereinsarbeit wird heute von einem der erfolgreichsten deutschen Radsport Ehepaare geprägt: Susanne und Frank Plambeck aus Harburg. Beide sammelten in den 80er- und 90er-Jahren Deutsche Meistertitel.

COOL! Die BMXer des RV »Elbe« Harburg auf ihrem Trainingsgelände auf den Schießstandwällen in Harburg-Heimfeld in den 1980er-Jahren. Unter Jugendlichen wird BMX in den 1980ern die neue Boom-Sportart.
Foto: Sammlung Karl-Heinz Knabenreich und Jürgen Baranski

BMX | Bicycle Motocross

“Es handelt sich dabei um eine Ende der 1960er Jahre in den USA entstandene Sportart, bei der Sportler auf einem speziellen Fahrrad mit 20-Zoll-Laufrädern verschiedene Tricks oder Stunts ausführen.

Der Vorläufer des BMX war Anfang der 1960er Jahre das sogenannte Stingrayrad, das in weiterentwickelter Form in den 1970er Jahren als Bonanza-Rad nach Europa kam.

Bereits mit den Stingrayrädern trugen Jugendliche in den USA einen mit Sprüngen und Steilkurven versehenen, etwa 400 Meter langen Sandkurs im Kopf-an-Kopf-Rennen gegen sieben Kontrahenten aus. Da die Fahrräder für diesen harten Einsatz eigentlich nicht konzipiert waren, entwickelte man statisch stabilere Rahmen, behielt jedoch den hohen Lenker und das 20-Zoll-Felgenmaß bei: Das erste „echte“ BMX-Fahrrad war entstanden.

BMX-Räder waren Anfang der 1980er Jahre bei Kindern und Jugendlichen als Fahrrad sehr in Mode gekommen.” ( via wikipedia )


Das auf 1898 datierte Bild von Gottlieb Rost auf einem Rennrad, ist das älteste erhaltene Bild eines Harburgers auf einem Fahrrad. Ab 1904 betreibt er mit seinem Bruder Wilhelm in der Eißendorfer Straße eine Fahrradhandlung.
Foto: Sammlung Margret Voß

Harburger Fahrradgeschichten

Web Story ansehen / lesen | amh.de/harburger-fahrradgeschichten

Mehr Infos

Zwei Harburger Radsportlegenden,

Karl-Heinz Knabenreich und Jürgen Baranski, haben ihren großen Fundus an historischen Fotos, Programmheften und Plakaten zur Verfügung gestellt. Ihre Geschichten von den zahlreichen Rennen, die sie auch persönlich in Harburg absolviert haben, lassen die Rennatmosphäre von damals wieder auferstehen.

Karl-Heinz Knabenreich und Jürgen Baranski sind Urgesteine der Harburger Radsportszene:
Hier mit dem originalen Aushängeschild des „Radsport Vereins »Elbe« 1951“.
Foto: Stadtmuseum Harburg

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