
Pressefoto | Halle 1 des Gebรคudeensembles Veringhof 7
Zum ersten Mal besteht eine reelle Chance, das Areal Veringhof 7 im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg zu erhalten, zu sanieren und dauerhaft zu nutzen. Voraussetzung dafรผr ist ein belastbares Konzept. Wilhelmsburger/innen und Kultur- und Kreativschaffende im gesamten Stadtgebiet sind dazu eingeladen, an der Entwicklung mitzuarbeiten.
รber mehrere Jahre hat sich auf Teilflรคchen des Gelรคndes der ehemaligen Zinnwerke in Wilhelmsburg eine lebendige Kultur- und Kreativszene angesiedelt.
Die Hamburg Kreativ Gesellschaft hat 2014 erstmalig eine Halle auf dem Gelรคnde von der stรคdtischen Eigentรผmerin, der Sprinkenhof GmbH, angemietet โ zunรคchst mit dem Ziel, dort eine zeitlich begrenzte Nutzung durch Kreative zu ermรถglichen. Die Genehmigung einer solchen Nutzung ist an die Erfรผllung gesetzlich vorgeschriebener Brandschutzauflagen geknรผpft. Die entsprechenden baulichen Maรnahmen konnten bis heute nicht umgesetzt werden, da der Aufwand fรผr eine temporรคre Nutzung nicht im Verhรคltnis zu den damit verbundenen Kosten steht.
Mit dem offenen Ideenfindungsprozess kommt Bewegung in die lange gefรผhrte Diskussion: Erstmals steht die Mรถglichkeit einer dauerhaften Nutzungsperspektive fรผr Kultur- und Kreativschaffende am Veringhof 7 im Raum.
Im Sommer 2018 hat die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte beschlossen, der Hamburg Kreativ Gesellschaft die erforderlichen Mittel in Hรถhe von 60.000 Euro fรผr die Konzeptentwicklung bereitzustellen.
Dr. Carsten Brosda, Senator der Behรถrde fรผr Kultur und Medien: โDie ehemaligen Zinnwerke in Wilhelmsburg entwickeln sich seit Jahren zu einem spannenden Quartier fรผr Kreative. Es ist sehr zu begrรผรen, dass nun gemeinsam auch eine dauerhafte Perspektive fรผr eine kultur- und kreativwirtschaftliche Nutzung am Veringhof entwickelt werden kann. Hamburg bekommt damit weitere dringend benรถtigte Flรคchen fรผr Kรผnstler und Kreative und der Stadtteil einen weiteren positiven Entwicklungsschub.โ
Falko Droรmann, Leiter des Bezirksamtes Mitte: โIch freue mich sehr, dass der Beschluss der Bezirksversammlung jetzt umgesetzt und durch die Kreativ Gesellschaft ein gutes und objektives Konzept gemeinsam mit den Leuten vor Ort und mit Kultur- und Kreativschaffenden aus dem gesamten Stadtgebiet erarbeitet wird.โ
Egbert Rรผhl, Geschรคftsfรผhrer der Hamburg Kreativ Gesellschaft: โEine dauerhafte Zukunft fรผr den Veringhof scheint erstmals mรถglich. Dafรผr braucht es das beste Konzept. Fรผr Wilhelmsburg und fรผr Hamburg. Dieses Konzept kann nur aus der Zusammenarbeit vieler entstehen, weil es die Zustimmung vieler benรถtigt. Diese Zusammenarbeit zu ermรถglichen, ist dabei die Aufgabe der Kreativ Gesellschaft. Darauf sind wir gespannt, darauf freuen wir uns.โ
Die Hamburg Kreativ Gesellschaft gestaltet fรผr die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte einen offenen Prozess, der die Grundlage fรผr ein dauerhaftes Konzept fรผr eine kultur-und kreativwirtschaftliche Nutzung des Gebรคudeensembles auf dem Gelรคnde der ehemaligen Zinnwerke schafft. Sowohl Wilhelmsburger/innen als auch Kultur- und Kreativschaffende im gesamten Stadtgebiet sind dazu eingeladen, an der Konzeptentwicklung mitzuwirken.
- รber die Webseite der Hamburg Kreativ Gesellschaft konnten Interessierte ihre Ideen bis 10. Februar 2019 in schriftlicher und/oder visueller Form einbringen (kreativgesellschaft.org/veringhof). Alle eingegangenen Beitrรคge wurden verรถffentlicht, wenn der Autor/die Autorin einer Verรถffentlichung zugestimmt hat.
- In einem zweiten Workshop am DIE 15 JAN 19 von 18-21.30 Uhr waren Kultur- und Kreativschaffende aus ganz Hamburg eingeladen, ihre Vorschlรคge zu prรคsentieren und im Austausch voranzubringen.
Zwischenstand der Ergebnisse
Fรผnf grundsรคtzliche Leitideen fรผr eine dauerhafte Nutzung des Areals Veringhof 7 in Hamburg-Wilhelmsburg
Nach Auswertung von vielen Vorgesprรคchen, drei Ideen-Workshops und 14 รถffentlichen Beitrรคgen beim Open Call haben sich fรผnf grundsรคtzliche Leitideen fรผr eine dauerhafte Nutzung herausgebildet, welche die Hamburg Kreativ Gesellschaft im Rahmen der Ergebnisdiskussion am 20. Februar 2019 erstmals vorgestellt hat:
- Music Village Wilhelmsburg
- KUNSTWERKE
- Kultur- und Stadtteillabor Veringhof 7
- Internationales Vering-Institut
- BauKulturOrt
- Die von den Teilnehmenden erarbeiteten Ergebnisse stehen hier zu DOWNLOAD bereit. Sie kรถnnen einzelne Bilder oder ganze Ordner komprimiert als ZIP-Datei herunterladen.
Kurzvorstellungen der fรผnf Leitideen
kreativgesellschaft.org/raum/mietobjekte/veringhof-7/ergebnisse/
Music Village Wilhelmsburg
Das ehemalige Industrieareal der Zinnwerke am Veringhof 7 in Wilhelmsburg wird zu einem neuen musikalischen Hot Spot im Hamburger Sรผden umgenutzt. Unter dem Titel โMUSIC VILLAGE WILHELMSBURGโ erfolgt dabei eine eindeutige Themensetzung โMusikโ, wenngleich das Areal als multifunktionaler Ort ausgestaltet wird. Das Spektrum reicht dabei von Veranstaltungsformaten รผber Bรผro- und Workshoprรคume, Proberรคume, Tonstudios, Handwerk, Kรผnstlerresidenzen sowie andere besondere Formate. Verschiedene Nutzungen, Angebote und Zielgruppen sind Teil des Konzepts. Ziel und Anspruch des Konzeptes fรผr das MUSIC VILLAGE WILHELMSBURG ist das Begegnen akuter Bedarfe und Bedรผrfnisse sowie das Schaffen zahlreicher Mehrwerte und Ausstrahlungseffekte fรผr Stadtteil und die Gesamtstadt. Eine solche Kombination ist einzigartig im Hamburger Stadtgebiet und hebt sich somit deutlich von bereits bestehenden Raumangeboten wie z. B. dem Musikhaus Karostar ab.
KUNSTWERKE
Fรผr das Industrieareal erfolgt eine Umnutzung zum Produktions- und Diskursort fรผr darstellende und bildende Kรผnste unter der Dachmarke โKUNSTWERKEโ. Diese stellt eine Anlehnung, Weiterentwicklung und Erweiterung der aktuellen Nutzung dar und soll gleichzeitig das breite Verstรคndnis der dort potenziell integrierten Kรผnste symbolisieren. Verschiedene Raum- und Nutzungsangebote lassen das Areal als Ort des Experimentierens, Produzierens, Diskutierens und Prรคsentierens erscheinen.
Kultur- und Stadtteillabor Veringhof 7
Das Gelรคnde am Veringhof 7 in Hamburg Wilhelmsburg wird zu einem Labor fรผr multidisziplinรคre Stadtentwicklung und zu einem Treffpunkt zwischen Kreativschaffenden und Anwohner*innen. Die bisherige Nutzung fortfรผhrend und erweiternd und in Anlehnung an die Erfahrungen z. B. des PLATZprojektes in Hannover soll auf einem Teil des Gelรคndes ein Experimentierraum fรผr soziale Erfahrungen und urbane Produktion entstehen, welche durch die Beteiligten in einer prozesshaften Entwicklung aktiv mitgestaltet wird. Bestandteile dieser Bottom-Up Entwicklung beschreibt Frey (2011) wie folgt: โDie soziale und kulturelle Identitรคt und damit auch Aktivitรคt an diesen Orten entsteht in Bottom-Up-Prozessen und damit unter Einbeziehung der Bevรถlkerung. Es ist ein Verstehensprozess, der die dortigen baulich-manifesten Gegebenheiten, die Nutzungen, und die kรผnftigen Bedรผrfnissstrukturen von Akteure*innen und Bewohner*innen aufeinander bezieht.โ (Frey, 2011, S.175). Areal, Gebรคude und Inhalte werden durch die Personen, die den Ort bespielen definiert. Die Vorgeschichte und Erfahrungen der bereits ansรคssigen Pionierprojekte der Zinnwerker*innen flieรen in diese Entwicklung mit ein und die bestehenden Strukturen werden ausgebaut. Voraussetzungen dafรผr sind sowohl ein niedrigschwelliger Zugang als auch Freiraum fรผr gemeinwohlorientierte Projekte. Die Heterogenitรคt des Stadtteils Wilhelmsburg wird auf dem Areal und in seinen Nutzungen widergespiegelt. Funktionalitรคten bzw. Bedarfe des Stadtteils werden von den Bewohner*innen und zukรผnftigen Nutzer*innen selbst festgelegt und alternative Raumnutzungen erprobt.
Ein Schwerpunkt liegt im Erhalt und Ausbau der bereits ansรคssigen Wirtschaftskraft. In einem Labor fรผr interdisziplinรคre Zusammenarbeit von nachhaltiger Produktion werden unterschiedliche Gรผter hergestellt und auf einer Ausstellungsflรคche zum Verkauf angeboten. Es entsteht ein Brutplatz fรผr innovative Produktion, die Hallen werden zu einem Ort fรผr Start-ups, Handwerk und Unternehmen der Kreativwirtschaft. Synergieeffekte durch eine Heterogenitรคt der Nutzer*innen befruchten die Entwicklung des Areals positiv und ermรถglichen zudem einen niedrigschwelligen Zugang zur Kreativwirtschaft. Der Veringhof 7 wird zu einem Kulturzentrum und Begegnungsraum, Produktionsort, zu einer Innovations- Austausch- und Bildungsstรคtte.
Internationales Vering-Institut
Hier sollen drei Elemente zusammengebracht werden:
Die Anforderungen des Stadtteils nach spezieller Bildung und Weiterbildung. Fรคhigkeiten und Herausforderungen eines hohen migrantischen Anteils, einer Ferne zur klassischen Bildung, einer Multinationalitรคt und Vielsprachigkeit. Die generellen Anforderungen an lebenslange Weiterbildung vor dem Hintergrund einer permanenten Verรคnderung der Anforderung an Fรคhigkeiten. Diese Anforderungen sollen hier befriedigt werden.
Kreativwirtschaft ist einer der Transformatoren in Innovationsprozessen. Gleichzeitig existiert fast keine prospektive Forschung in den Geistes-, Sozial-, Kultur- und Wirtschaftswissenschaften. Hier soll begonnen werden, diese Lรผcke zu schlieรen. Kรผnstlerische Forschung befasst sich mit der Frage, ob Wissen auch mit kรผnstlerischen Praktiken und รคsthetischen Darstellungsformen jenseits naturwissenschaftlicher Methoden hervorgebracht werden kann und um welches Wissen es sich dabei handelt. Hier soll es darum gehen, diese Forschung mit den praktischen Bildungsanforderungen des Stadtteils rรผckzukoppeln und die Schnittstellen zur prospektiven kreativwirtschaftlichen Forschung zu befragen.
BauKulturOrt
Ein Zentrum fรผr Baukultur in Hamburg entsteht auf dem Areal der ehemaligen Zinnwerke in Wilhelmsburg. Das ehemalige Industriegebรคude wird so zu einem Ort der Raumproduktion, der Planung in den Bereichen Architektur und Stadtplanung sowie des wissenschaftlichen Austausches รผber die Themenvielfalt der Baukultur. Wรคhrend im Nachgang zur Grรผndung der Bundesstiftung Baukultur bereits einige Bundeslรคnder eigene Strukturen auf der jeweiligen Landesebene entwickelt haben und so die lokalen Akteure und Themen zusammenbringen kรถnnen, fehlt ein solches Zentrum derzeit in Hamburg.
Wilhelmsburg ist der Stadtteil in Hamburg, in dem alle Facetten der Baukultur in den vergangenen Jahren durchdekliniert und auch umgesetzt wurden. Hierfรผr stehen die unterschiedlichen Projekte der IBA ebenso wie die zahlreiche Bauvorhaben sowohl als Neubau und auch als Bestandssanierung. Neue Wohnviertel sind entstanden, weitere werden in groรem Umfang geplant. Auch die besonderen Nischen der Baukultur, wie z. B. das Archipel und die Schaluppe haben hier ihren Ursprung. So hat sich bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass sich der Ort fรผr das Zusammentreffen von Planen und Produktion eignet und ein hohes schรถpferisches Potential fรผr die Entwicklung und Umsetzung von neuen Raumideen auf und an dem Wasser in Wilhelmsburg vorhanden ist. Die Rรคumliche Nรคhe zur HafenCity Universitรคt, zur Technischen Universitรคt Hamburg-Harburg und zur Behรถrde fรผr Stadtplanung und Wohnen kann den Austausch zwischen den unterschiedlichen Expert/innen erleichtern. Auch zu einigen Bereiche der Hochschule fรผr angewandte Wissenschaften und der Hochschule fรผr bildende Kunst gibt es thematische รberschneidungen. Bisher gibt es keinen Ort in Hamburg, an dem Planung und Produktion in dieser Weise zusammentreffen. Auch eine national besteh gibt es bisher keine rรคumliche Verbindung dieser Themen mit Blick auf die Besonderheiten von wachsenden Groรstรคdten.
Zwischen Industrie und Wohnen ist bereits viel Gewerbe im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft entstanden. Wรคhrend im unmittelbaren Umfeld bereits kleinteilige Strukturen aus verschiedenen Bereichen der Kreativwirtschaft vorhanden sind besteht aktuell noch einen Lรผcke im Bereich Architektur und Stadtplanung. Ebenso fehlt auch ein Produktionsort, der die Schnittstelle zwischen Handwerk, Design und Architektur abbildet.
Die Hamburg Kreativ Gesellschaft
hat als stรคdtische Fรถrdereinrichtung der lokalen Kreativwirtschaft bereits mehrfach erfolgreich gezeigt, dass sie in offenen Verfahren mit einem vielfรคltigen Netzwerk an Beteiligten tragfรคhige Ideen fรผr Transformationsorte entwickeln und umsetzen kann. Beispielhaft hierfรผr sind das Hochwasserbassin in Hammerbrook, das Kreativquartier am Oberhafen und zuletzt der Kreativspeicher M28 in der Speicherstadt. Als รถffentliche Einrichtung steht die Kreativ Gesellschaft fรผr das รผbergeordnete Ziel, mit den Akteuren belastbare Konzepte zu entwickeln, die eine dauerhafte Nutzung am Veringhof 7 mรถglich machen.