György Ligetis Vision für ein Hamburger Institut für Computermusik

Vor 50 Jahren brachte György Ligeti eine visionäre Idee nach Hamburg: Inspiriert von seinem Aufenthalt an der Stanford University setzte er sich für die Gründung eines Computermusikinstituts an der damaligen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ein. 2023 wurde die Idee in Form des Ligeti Zentrums im Harburger Binnenhafen realisiert.
György Ligeti war ein Mann vieler Interessen. Heute zählt der österreichisch-ungarische Komponist zu den bedeutsamsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Großen Einfluss hatte er in Hamburg, wo er von 1973 bis 1989 an der heutigen Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT) als Professor für Komposition tätig war – und schon in den 70er-Jahren ein Institut für Computermusik einrichten wollte. Während das erträumte Institut zu seinen Lebzeiten unrealisierbar blieb, setzt das ligeti zentrum diese Vision heute in seinem Namen fort.
Ein Institut für Computermusik
Ausschlaggebender Impuls für Ligetis Bestrebungen war ein Besuch der US-amerikanischen Stanford University im Jahr 1972. Hier lernte er nicht nur den Komponisten John Chowning kennen. Am Stanford Artificial Intelligence Laboratory (SAIL) erhielt er erstmals Einblicke in die digitale Klangerzeugung. Die institutionellen Rahmenbedingungen für ein ähnliches Institut wollte Ligeti mit nach Hamburg bringen.
Am 28.05.2025 wäre György Ligeti, 102 Jahre alt geworden.
Sein Sohn Lukas Ligeti erwähnt in diesem Zusammenhang: „Mein Vater hat damals in den Siebzigern sehr gekämpft für ein solches „Research Center“ für Computermusik und konnte sich mit dieser Idee in Deutschland nicht durchsetzen. Er war seiner Zeit voraus. Als Gastprofessor in Stanford 1972 hatte er dort die Entstehung des Center for Computer Research in Music and Acoustics erlebt.“ (via Concerti www.concerti.de/interviews/lukas-ligeti/ )
VIDEO / AUDIO | György Ligeti – Atmosphères – 2001: A Space Odyssey (Stanley Kubrick, 1968)
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Ligeti Zentrum Hamburg-Harburg
Das Ligeti Zentrum im Harburger Binnenhafen betätigt sich seit seiner Gründung im Jahr 2023 im Schnittfeld zwischen Kunst, Wissenschaft und Innovation. Hier treffen Ingenieurwissenschaften auf Musiktherapie, Roboter malen zu Musik oder es werden mithilfe von VR-Technologie Lösungen zur Fernwartung von industriellen Anlagen erforscht.
Benannt nach dem ungarischen Komponisten und ehemaligen HfMT-Studenten György Ligeti, verbindet das interdisziplinäre Zentrum Kunst, Wissenschaft, Technologie und Gesundheit in innovativen Projekten, Workshops und Aufführungen, die den Dialog und die Teilhabe fördern.


Jens Ullheimer ist als freier Journalist im Bereich Kultur tätig. Für die HARBURGER KULTUR berichtet er seit vielen Jahren mit Tipps & Terminen über kulturelle Aktivitäten im Hamburger Süden. Auf KUNSTPRESSESCHAU dokumentiert er das zeitgenössische Ausstellungsgeschehen mit einem präzisen Blick für künstlerische Positionen, aktuelle Diskurse und museale Retrospektiven. Seine fundierten Berichte schlagen eine Brücke zwischen dem Kulturbetrieb und einem kulturbegeisterten Publikum.