Hamburger Kultureinrichtungen stellen Betrieb ein

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Corona/COVID-19: Auswirkungen auf Hamburger Kultureinrichtungen

Behörde für Kultur und Medien | 13.3.2020

Ab dem 14. März 2020 stellen alle staatlichen Hamburger Kultureinrichtungen den Betrieb ein. Neben den staatlichen Theatern und Konzerthäusern sowie Kampnagel, betrifft die neue Regelung die Häuser der Hamburger Museumsstiftungen: Das sind die Hamburger Kunsthalle, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, das Museum am Rothenbaum, die Häuser des Stiftung Historische Museen Hamburg (Museum für Hamburgische Geschichte, Altonaer Museum, Museum der Arbeit, Jenisch Haus, Hafenmuseum Hamburg, Speicherstadtmuseum), das Archäologische Museum Hamburg und die Bergedorfer Museumslandschaft. Außerdem schließen die Deichtorhallen, die Sammlung Falckenberg, das Planetarium und die KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Auch die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen stellen ihren Betrieb an allen Standorten ein. Sie schließen vom 16. bis zum 29. März. Dieser Zeitraum entspricht der Verlängerung der Hamburger Schulferien. Im Landkreis bleibt das Freilichtmuseum am Kiekeberg bis auf Weiteres geschlossen.

Ab dem 16. März 2020 sind zudem alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen unabhängig von der Teilnehmerzahl untersagt.

Die staatlichen Kultureinrichtungen setzen damit in Absprache mit der Behörde für Kultur und Medien die Aufforderung des Senats um, auch auf Veranstaltungen mit weniger als 1.000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen zu verzichten. Bereits gestern ( Do., 12.3.2020 ) hatten sich die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten mit der Bundeskanzlerin darauf verständigt, dass keine Veranstaltungen stattfinden sollen, die nicht unbedingt notwendig seien. Auch die Kulturministerinnen und -minister der Länder waren sich heute einig darin, „dass gegen die Verbreitung des Virus in der Bevölkerung alles unternommen werden muss und dazu auch die erforderlichen Maßnahmen im Kulturbereich zu treffen sind“.

In Ergänzung der bereits erlassenen Allgemeinverfügung zum Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern und den bereits ergriffenen Einschränkungen zum Beispiel im Hamburger Kulturbetrieb hat der Senat heute ( Fr., 13.3.2020 ) in einem Beschluss dazu aufgefordert, „auch auf alle öffentlichen und privaten nicht notwendigen oder zwingend erforderlichen Veranstaltungen mit einer Zahl von unter 1000 Teilnehmern ab sofort zu verzichten“. Das gilt auch für private Kulturveranstalter wie private Theater und Museen, Konzertveranstalter oder Musikclubs.

Neue Allgemeinverfügung der Gesundheitsbehörde Hamburg

Angesichts der aktuellen Lage hat die Hamburger Gesundheitsbehörde mit einer weiteren Allgemeinverfügung eine zusätzliche Verschärfung der Regelungen für Veranstaltungen erlassen. Die Verfügung gilt ab Montag, dem 16. März 2020.

Alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen sind unabhängig von der Teilnehmerzahl bis zum 30. April 2020 untersagt. Ähnlich wie in Berlin und Köln wird der Publikumsverkehr für Kneipen, Clubs, Spielhallen, Spielbanken, Messen, Wettannahmestellen und ähnliche Unternehmen eingeschränkt oder verboten. Dasselbe gilt für Kinos, Theater, Konzerthäuser, Ausstellungen und ähnliche Einrichtungen, auch für Prostitutionsstätten.

Dazu sagt Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer Storcks: „Die Corona-Krise bleibt herausfordernd für alle und macht täglich neues entschlossenes Handeln notwendig. Die Erfahrungen in Hamburg und in anderen Bundesländern haben in den letzten beiden Tagen gezeigt, dass noch weitreichendere Maßnahmen als bisher erforderlich sind, um die Übertragung und Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Deshalb erlässt die Gesundheitsbehörde in Absprache mit den beteiligten Behörden eine vierte Allgemeinverfügung, mit der das öffentliche Leben in unserer Stadt sehr stark eingeschränkt wird. Alle Verantwortlichen sind sich der besonderen Situation und des Ausmaßes der Regelungen, die vorerst bis zum 30. April 2020 gelten, bewusst. Es handelt sich um den umfassendsten Eingriff in das öffentliche Leben Hamburgs seit vielen Jahrzehnten. Ich werbe bei den Hamburgerinnen und Hamburgern um Verständnis für die notwendigen Maßnahmen und bitte, mit der Situation besonnen und hilfsbereit umzugehen.“

Die Allgemeinverfügung hat folgende Inhalte:

  • Alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen sind unabhängig von der Teilnehmerzahl untersagt. Ausgenommen sind Veranstaltungen der Bürgerschaft, des Senats, des Verfassungsgerichts, der Gerichte, der Fachbehörden, der Bezirksämter und anderer Hoheitsträger. Ebenso ausgenommen sind Veranstaltungen, die der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung oder der Daseinsvorsorge dienen.
  • Veranstaltungen im privaten oder familiären Bereich (wie etwa Hochzeiten, Trauerfeiern und vergleichbare Veranstaltungen) bis zu einer Zahl von 100 Teilnehmenden sind ausgenommen und dürfen stattfinden. Die Gesundheitsämter haben jedoch nach wie vor die Möglichkeit, auch hier zum Infektionsschutz Anordnungen und Auflagen zu erlassen. Der Hamburger Bevölkerung wird daher aus Gründen des Infektionsschutzes empfohlen, private Veranstaltungen zu verschieben oder abzusagen.
  • Gastronomiebetriebe sowie Personalrestaurants und Kantinen dürfen nur für den Publikumsverkehr geöffnet werden, wenn zwischen Tischen oder Stehplätzen 1,5 Meter Abstand eingehalten wird.
  • Folgende Gewerbebetriebe müssen für den Publikumsverkehr geschlossen werden: Clubs, Diskotheken, Musikclubs (dazu zählen auch Bars ohne Tanzangebot mit räumlicher Enge), Messen, Ausstellungen, Spezialmärkte und Jahrmärkte, Volksfeste, Spielhallen, Spielbanken, Wettannahmestellen und ähnliche Unternehmen.
  • Folgende Einrichtungen oder Angebote dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden: Theater, Kinos, Konzerthäuser- und Veranstaltungsorte, Museen, Ausstellungshäuser, Stadtteilkulturzentren, Planetarien, Zoologische Ausstellungen in geschlossenen Räumen, Angebote in Volkshochschulen, öffentliche Bibliotheken, Angebote in Musikschulen, Angebote privater Bildungseinrichtungen, Schwimmbäder einschließlich sog. Spaßbäder, Saunas und Dampfbäder, Fitness- und Sportstudios, Bürgerhäuser und Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie Seniorentreffunkte.
  • Die Untersagung gilt auch für sämtliche Vergnügungsstätten im Sinne der Baunutzungsverordnung, wie es sie zum Beispiel im Einzugsbereich der Reeperbahn in großer Anzahl gibt. Dies gilt ebenso für Prostitutionsstätten im Sinne des Prostituiertenschutzgesetzes.
  • Der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen ist untersagt. Ausnahmen hiervon können in besonders begründeten Einzelfällen durch schriftliche Genehmigung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz zugelassen werden.

Die Allgemeinverfügung gilt ab Montag, dem 16. März 2020.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „In der derzeitigen dynamischen Lage ist es richtig, auch in den weiteren Kultureinrichtungen der Stadt wie Museen, Gedenkstätten und Bücherhallen den Betrieb einzustellen. Es gilt weiterhin, dass wir auch im Bereich der Kultur alles tun müssen, um den Gesundheitsschutz der Bürgerinnen und Bürger bestmöglich zu gewährleisten. Die wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung sind für staatliche und private Kultureinrichtungen sowie für freischaffende Künstlerinnen und Künstler weitreichend. Deshalb arbeiten wir an schneller und unbürokratischer Hilfe, um die aktuelle für Akteurinnen und Akteure der Kulturszene existenzbedrohende Situation abfedern zu können. Wir müssen – auch gemeinsam mit dem Bund – alles dafür tun, um die Kulturlandschaft unserer Stadt in ihrer Vielfalt zu erhalten.“

Um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Künstlerinnen, Künstler und Kulturorte Hamburgs reagieren zu können, prüft die Behörde für Kultur und Medien Möglichkeiten, wie schnell und unbürokratisch unterstützt werden kann. Dazu finden in den kommenden Tagen Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern von staatlichen und privaten Kultureinrichtungen, privaten Veranstaltern sowie der freien Szene statt.

Allgemeine Informationen zum Thema Coronavirus in Hamburg:

Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) hat eine Internetseite mit allen wichtigen Informationen rund um das Thema Coronavirus in Hamburg eingerichtet, die laufend aktualisiert wird:

Mehr Infos

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