NINA KUTTLER | Wissen und Mythologie

Die erste institutionelle Einzelausstellung von Nina Kuttler. Ihre Ausstellung im Kunstverein spürt zwei Pionierinnen der Wissenschaftsgeschichte nach. Eintritt frei.

Agnes Pockels, ca. 1892, Autor/-in unbekannt, Public domain, via Wikimedia Commons

In Videos, Sound, Text und Skulptur verbindet sie kulturelles Wissen und Mythologien mit historischen Ansätzen der Naturwissenschaft sowie zeitgenössischen Forschungsmethoden. Ihre Ausstellung im Kunstverein spürt zwei Pionierinnen der Wissenschaftsgeschichte nach, die zu Lebzeiten um Anerkennung kämpfen mussten, gleichwohl sie bis heute gültige grundlegende Erkenntnisse geschaffen haben.


Die deutsche Physikochemikerin Agnes Pockels und die britische Paläontologin Mary Anning wuchsen in einer Zeit auf, als der Zugang zum naturwissenschaftlich-akademischen Betrieb Männern vorbehalten war. Pockels machte essenzielle Entdeckungen zur Oberflächenspannung von Flüssigkeiten beim Abwaschen. Am 27. Januar 1932 wurde Pockels von der Technischen Hochschule Braunschweig für ihre bahnbrechenden Forschungen zur Oberflächenchemie als erster Frau die Ehrendoktorwürde Dr. Ing. h. c. verliehen.

Mary Anning entdeckte die ersten vollständig erhaltenen Skelette zweier Meeressaurier, während sie am Strand nach Fossilien suchte, um sie an Tourist:innen zu verkaufen.

Die zwei Geschichten stehen exemplarisch für Frauen, die an sozialen Gefügen und Glaubenssystemen gerüttelt haben und in Frage gestellt haben, wie Wissen generiert und letztlich anerkannt wird.

“Nina Kuttlers multidisziplinäre Praxis dreht sich um Fragen der Annäherung an das Anthropozän ( Der Ausdruck Anthropozän entstand als Vorschlag zur Benennung einer neuen geochronologischen Epoche: nämlich des Zeitalters, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist. via Wikipedia ) und ein Gefühl der Verbindung zwischen Arten, Zeit, sich selbst und anderen.

In ihrer Arbeit werden kulturelles Wissen und Mythologien mit Formen der wissenschaftlichen Forschung verwoben, um letztlich eine eigene Erzählung zu konstruieren. Rhythmische Sprache und eine beobachtende Kamera sind Werkzeuge, um die Bedingungen der Umwelt, in der wir leben, zu untersuchen und zu kommentieren.” ( Galerie Barbara Thumm )


Kunstverein Harburger Bahnhof
Im Fernbahnhof über Gleis 3 & 4

www.kvhbf.de

Nina Kuttler.
If You Put the Question in Wrong, Will the Answer Come Out Right?

Ausstellung: 04.6.– 14.8.2022
FR 03 JUN 22 | Eröffnung 19 Uhr

MI 22.06.2022 | 18 Uhr: Kuratorenführung
FR 12.08.2022 | 18 Uhr: Kuratorenführung
SO 14.08.2022 | 15 Uhr: Künstlerinnengespräch

Öffnungszeiten:
MI – FR von 14 – 18 Uhr
SA + SO von 11 – 18 Uhr
Eintritt frei

Der Kunstverein Harburger Bahnhof versteht sich als lebendiger Kunstraum im Süden Hamburgs, der sich der jungen Hamburger Kunstszene ebenso verpflichtet fühlt wie den internationalen Entwicklungen der aktuellen Kunstproduktion. Seit seiner Gründung 1999 befindet sich der Kunstverein im ehemaligen Wartesaal der 1. und 2. Klasse, des 1897 in Betrieb genommenen Bahnhofs. Er ist Präsentations- und Produktionsort für junge lokale, nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler und ein offen zugänglicher Raum für alle interessierten Besucher:innen (der Eintritt zu den Ausstellungen und Veranstaltungen ist traditionell frei).

Sei 2019 werden auch erstmals vier Wandvitrinen in das Ausstellungsprogramm des Kunstvereins mit einbezogen, die sich auf Gleis 3 und 4 als jederzeit öffentlich zugängliche Ausstellungsflächen befinden. Für diesen neuen Spielort werden über das Jahr immer wieder Projekte realisiert, die sich konkret mit der Bahnhofsrealität und ihren zeitlichen, infrastrukturellen, emotionalen und sozialen Gefügen auseinandersetzen.


Vitrinen Gleis 3 / 4

04.06 – 14.08.22: Jil Lahr | “Things That Found No Space”

03.06.22 | 19 Uhr: Eröffnung
01.07.22 | 19 Uhr: Taverne des Voyageurs – Kneipenabend mit Musik

Die künstlerische Praxis von Jil Lahr ist geprägt von einer Faszination für das Sammeln. In ihren Installationen werden gefundene Gegenstände zusammengetragen und spielerisch neu arrangiert. Das Auswählen, Zusammenführen und Aufbewahren von Objekten kann als Zeugenschaft der eigenen Beobachtung dienen, bringt aber auch neue Ordnungs- und Wissensformen hervor. Die Vitrinenausstellung widmet sich einer persönlichen Sammlung, die auf besondere Weise mit dem Ausstellungsort verknüpft ist. Es werden Souvenirgegenstände gezeigt, die Urlaubsziele symbolisch repräsentieren und den flüchtigen Eindrücken einer Reise etwas Dauerhaftes verleihen. Dabei wird das Vorhaben, eine individuelle Erfahrung materiell festzuhalten, durch die Massenproduktion von austauschbaren Souveniren ad Absurdum geführt. Als pflichtschuldig gekauftes Mitbringsel dient es bestenfalls als Andenken, oftmals wird es jedoch zu überflüssigem Nippes. Die Installation verleiht den Gegenständen auf humorvolle Weise ein neues Bedeutungsgefüge.

Die eingeladenen Künstler:innen befragen das Verhältnis von Arbeit und Identität. Die neoliberale Gesellschaft hat Künstler:innen, Kurator:innen und Aktivist:innen zu prototypischen Rollenvorbildern für die zeitgenössische Arbeitswelt erhoben. Aus der Überblendung von Beruf und Selbstverwirklichung ist ein Netz aus Strukturen entstanden, das prekäre Arbeitsbedingungen favorisiert und das Faden für Faden auseinander gezogen werden soll.

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