KATJA AUFLEGER | I’m Angry, Just Not Sure About What | Kunstverein Harburger Bahnhof

Im Zentrum der Kunstschau steht ein großer applaudierender Bagger. An wen oder was sich die lobende Zustimmung des schweren Geräts richtet, bleibt dabei offen. Eintritt frei.

Abbildungen: © Katja Aufleger

Mit I’m Angry, Just Not Sure About What thematisiert Aufleger Momente ungerichteter Wut gegen eine Unbekannte; Energie, die erst noch ein Ziel finden muss. Sie übersetzt diese in eine Reihe neuer Arbeiten, in denen zerstörerische Kraft und Zartheit miteinander im Zwiespalt stehen.

Ausgangspunkt für Auflegers humorvolle und poetische Transformationen des Ästhetischen sind immer wieder Alltagsphänomene sowie physikalische Modelle, die sie mit unterschiedlichen kulturhistorischen und psychologischen Konzepten verbindet, um bestimmte Spannungsmomente bei den Rezipient*innen auszulösen.


Schwindelerregende Höhen

VIDEO | Katja Aufleger im Gespräch mit Julia Katharina Thiemann

In ihrer Einzelausstellung „Schwindelerregende Höhen“ thematisierte Katja Aufleger (*1983 in Oldenburg) im Wilhelm-Hack-Museum bis zum 22. August 2021 Spannungsmomente in unterschiedlichen ästhetischen Ausformungen. Dabei fokussierten Auflegers künstlerische Arbeiten oftmals Augenblicke kurz bevor etwas passiert oder Möglichkeiten des Umschlagens von Situationen. So erstellte sie beispielsweise potentiell explosive Skulpturen aus Glas, die die Möglichkeit einer Detonation vorstellbar werden lassen.

In diesem Zusammenhang war ihr Werkzyklus „SIRENS“ (2019) visuell und auditiv erlebbar. Hierfür kreierte sie aus dem Sand einer singenden Wanderdüne in Katar formschöne mundgeblasene Glaspfeifen, die wiederum den Klang der Düne nachahmen. Schwer greifbare Phänomene wie das der singenden Wanderdüne sind immer wieder Ausgangspunkt für Katja Auflegers präzise und humorvolle, ebenso poetische wie forschende Transformationen des Ästhetischen.

Mit transparenten Materialien wie Glas, Plastik und bunten Flüssigkeiten, aber auch mit immateriellen Komponenten wie Klang und Bewegung entwickelt Aufleger fragile Installationen und Filme. Dabei wirken die Objekte auf den ersten Blick vertraut und anziehend, doch bei näherer Betrachtung wird klar, dass den Werken ungewisse oder gar gefährliche Spannungen innewohnen.

Mit solchen Ambivalenzen übt die Künstlerin Institutionskritik, hinterfragt Machtstrukturen und Systeme.


KATALOG | Katja Aufleger.
Schwindelerregende Höhen

Gebundene Ausgabe
Hardcover in Leinen
120 Seiten
68 Abbildungen
Sprache:‎ Englisch, Deutsch

Die Publikation präsentiert mehrere Werkserien, die zum Teil explosive Spannungen darstellen. Darunter sind auch Fotografien von selbstgebauten Molotow-Cocktails aus entzündeten Parfumflakons, die neuste Serie der Künstlerin, in der das Potential von Materialästhetik und Emotionalität ausgelotet wird.


Katja Aufleger

lebt und arbeitet seit mehreren Jahren in Berlin. In Hamburg hat sie an der Akademie Mode & Design (AMD) Raumkonzept und Design studiert und ihren Master 2013 in Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste (HFBK) absolviert, unter anderem bei Andreas Slominski. Vertreten wird sie von der Hamburger Galerie Conradi und der Basler Galerie STAMPA, die parallel zur Museumsausstellung die Schau «Because It’s You» zeigen wird. Aufleger ist Teil der Künstlergruppe Galerie BRD und hat mehrere Auszeichnungen wie den Karl H. Dietze Preis (2012/13) oder den Berenberg Preis für Junge Kunst (2013), neben weiteren Stipendien und Künstleraufenthalten erhalten. Zusätzlich zu Gruppenausstellungen in Europa hat sie 2015 an der 6. Internationalen Art Biennale von Beijing in China teilgenommen. 2020 ist sie Teil der Gruppenausstellung „Studio Berlin“ im Berghain, einem Techno-Club, der zu Zeiten von Corona zu einem Ausstellungsraum in der deutschen Hauptstadt umfunktioniert worden ist. An der Fassade prangen die Worte: „MORGEN IST DIE FRAGE“.


Kunstverein Harburger Bahnhof
Im Fernbahnhof über Gleis 3 & 4

www.kvhbf.de

KATJA AUFLEGER | I’m Angry, Just Not Sure About What

Kuratiert von Tobias Peper.

Ausstellung: bis 13. Februar 2022
FR 26 NOV 21 | Eröffnung 19 Uhr (2G, Geimpfte oder Genesene, Personalausweis)

FR 10.12.2021 | 18 Uhr: Kuratorenführung
SO 16.01.2022 | 15 Uhr: Künstlerinnengespräch
MI 19.01.2022 | 18 Uhr: Kuratorenführung

Bitte beachten Sie die Informationen zum Schutz- und Hygienekonzept des Veranstaltungsortes, zur Eindämmung der Corona-Epidemie.

Öffnungszeiten:
MI – FR von 14 – 18 Uhr
SA + SO von 11 – 18 Uhr
Eintritt frei

Der Kunstverein Harburger Bahnhof versteht sich als lebendiger Kunstraum im Süden Hamburgs, der sich der jungen Hamburger Kunstszene ebenso verpflichtet fühlt wie den internationalen Entwicklungen der aktuellen Kunstproduktion. Seit seiner Gründung 1999 befindet sich der Kunstverein im ehemaligen Wartesaal der 1. und 2. Klasse, des 1897 in Betrieb genommenen Bahnhofs. Er ist Präsentations- und Produktionsort für junge lokale, nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler und ein offen zugänglicher Raum für alle interessierten Besucher:innen (der Eintritt zu den Ausstellungen und Veranstaltungen ist traditionell frei).

Sei 2019 werden auch erstmals vier Wandvitrinen in das Ausstellungsprogramm des Kunstvereins mit einbezogen, die sich auf Gleis 3 und 4 als jederzeit öffentlich zugängliche Ausstellungsflächen befinden. Für diesen neuen Spielort werden über das Jahr immer wieder Projekte realisiert, die sich konkret mit der Bahnhofsrealität und ihren zeitlichen, infrastrukturellen, emotionalen und sozialen Gefügen auseinandersetzen.

Grind & Shine Inc. by Cake & Cash presents:


Vitrinen Gleis 3 / 4
Eröffnungen jeweils am Vortag

09.10.21– 21.11.21: Eva Ďurovec
27.11.21– 09.01.22: Rosh Zeeba
15.01.21– 27.02.22: Svetlana Mijić
05.03.21– 17.04.22: Elena Victoria Pastor


Von August 2021 bis April 2022 präsentiert das neu gegründete Start-Up Grind & Shine Inc. des Cake & Cash Curatorial Collective eine fünfteilige Ausstellungsreihe zum Thema Selbstverwirklichung in den Vitrinen des Kunstvereins. Im Fokus steht die Auseinandersetzung mit Abhängigkeiten und subversiven Praxen der (künstlerischen) Selbstausbeutung, die sich aus den Narrativen von Erfüllung und Authentizität durch beruflichen Erfolg ergeben. Neben den wechselnden fünf eingeladenen Positionen gestaltet Cake & Cash währenddessen eine der vier Vitrinen mit Fragestellungen aus dem kuratorischen Prozess.

Die eingeladenen Künstler:innen befragen das Verhältnis von Arbeit und Identität. Die neoliberale Gesellschaft hat Künstler:innen, Kurator:innen und Aktivist:innen zu prototypischen Rollenvorbildern für die zeitgenössische Arbeitswelt erhoben. Aus der Überblendung von Beruf und Selbstverwirklichung ist ein Netz aus Strukturen entstanden, das prekäre Arbeitsbedingungen favorisiert und das Faden für Faden auseinander gezogen werden soll.

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