JEANNE MAMMEN – Alles zu ihrer Zeit | Kunsthaus Stade

Jeanne Mammen - Schachspieler, um 1929/30, Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, 
Foto: Kai-Annett Becker / Berlinische Galerie 
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020 (Ausschnitt)

Schillernde Bühnenstars, das illustre Nachtleben, aber auch die Menschen am Rande der Gesellschaft in den legendären 1920er-Jahren in Berlin werden von ihr festgehalten. Als scharfsinnige Beobachterin stellt Jeanne Mammen (1890–1976) die Welt, die sie umgibt, in ihren Werken dar. Sie ist eine gefragte Illustratorin für Kurzgeschichten, zeichnet für Modezeitschriften oder die Kinowerbung. Mit dem NS-Regime endet diese Karriere.





Die Berliner Zeichnerin und Malerin Jeanne Mammen ist eine der sperrigsten und schillerndsten Figuren der jüngeren, deutschen Kunstgeschichte. Ihr Gesamtwerk und die Brüche darin spiegeln und kommentieren auf unterhaltsame wie kritische Weise die politischen und ästhetischen Erschütterungen des letzten Jahrhunderts. Mammens Kunst wird in Fachkreisen weit über Berlin und Deutschland hinaus geschätzt.

Die politischen und gesellschaftlichen Katastrophen bis 1945 und die Nachkriegszeit hinterlassen Spuren in ihrem Leben und in ihrem Werk, Mammen entwickelt ihre stilistische und motivische Bandbreite jedoch konsequent weiter, und so spiegelt ihr Œuvre die sich wandelnden Zeiten des 20. Jahrhunderts.

Ihr Frühwerk ist symbolistisch, nach 1945 werden Mammens Arbeiten abstrakt. In ihren virtuosen Zeichnungen, Gemälden und Materialbildern wird dabei besonders das Subtile sichtbar: Nähe und Entfremdung, Sehnsucht und harter Alltag werden nuancenreich gezeigt.


KATALOG | Jeanne Mammen. Die Beobachterin
Retrospektive 1910-1975

LESEPROBE

Gebundene Ausgabe
256 Seiten
327 Abbildungen in Farbe
Verlag: Hirmer
Sprache: Deutsch
23,5 x 2,7 x 27,7 cm

Wiederentdeckung: Ikonen der 1920er, »entartete« Experimente, magisch-poetische Abstraktionen – die umfangreiche Publikation zeigt das Gesamtwerk von Jeanne Mammen (1890–1976), einer Berliner Künstlerin am Beginn der Moderne, die extreme Zustände wie Krieg, Zerstörung, Armut und den Wiederaufstieg aus Ruinen äußerst produktiv durchlebte. Ein seit zwanzig Jahren ausstehender monografischer Überblick über ihr Lebenswerk macht sie nun auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt und führt das Publikum nicht nur tief in die 1920er-Jahre, sondern eröffnet überraschende neue Perspektiven auf eine herausragende Künstlerin der Klassischen Moderne.

Jeanne Mammen - Frau am Kreuz, zw. 1910- 1914, 
Aquarell, Bleistift- und Tuschezeichnung,
Jeanne-Mammen-Stiftung im Stadtmuseum Berlin, 
Foto: Förderverein Jeanne-Mammen-Stiftung © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

In Paris aufgewachsen und als Künstlerin in Berlin lebend, stellt besonders die Hafenstadt Hamburg einen Sehnsuchtsort für Mammen dar: Sie selbst ist zu Zeiten des NS-Regimes in eine innere Emigration gegangen, viele Freund*innen und Verwandte sind gezwungen, das Land zu verlassen.

Dabei bietet der Hamburger Hafen als Ausreisepunkt die Möglichkeit zur Flucht aus Nazideutschland. Abschied und Hoffnung, Sehnsucht, Trauer und Wiederkehr der Fliehenden und der Zurückbleibenden treffen hier aufeinander. Mammen ist häufig zu Besuch in Hamburg und hält ihre Eindrücke in zahlreichen Zeichnungen und Gemälden fest.

VIDEO

In der Ausstellung im Kunsthaus sind Mammens Bezüge zu Hamburg eine Etage gewidmet. Hierzu gehört auch das 1937 von ihr verfasste und teilweise bebilderte Drehbuch mit dem Titel „Schreib mir, Emmy!“, in dem ein Hafen als Ort von Abschied und Hoffnung auf Wiederkehr eine Hauptrolle spielt. Studierende der Hochschule für Künste Bremen haben es im Sommersemester 2017 erstmals filmisch umgesetzt und in animierten Episoden realisiert. Der Kurzfilm wird in der Ausstellung zu sehen sein, ebenso wie zahlreiche Zeichnungen, Gemälde und Dokumente aus über 60 Jahren Schaffenszeit.

Die Kunstschau in Stade ist die zweite retrospektive Einzelausstellung der jüngeren Zeit, nach Berlin, 2017.


VIDEO | Jeanne Mammen. Die Beobachterin

Der Film zur Ausstellung in der Berlinischen Galerie, 6.10.2017 – 15.01.2018.
Konzept und Umsetzung von Smith, Kamera: Johann Schmejkahl


Kunsthaus Stade
Wasser West 7
21682 Stade

www.museen-stade.de

JEANNE MAMMEN – Alles zu ihrer Zeit

Ausstellung vom 6. Mai bis 30. August 2020

Öffnungszeiten
Di, Do, Fr 10–17 Uhr
Mi 10 – 19 Uhr
Sa und So 10–18 Uhr

Eintrittspreis
Museen Stade Ticket
Tages-Ticket 8 €

 

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