JACK DAVISON | OMER FAST | FRIDA ORUPABO

Brückenschlag zwischen historischer Fotografie und der digitalen Gegenwart an den Deichtorhallen.

Jack Davison: Untitled, 2020 © Jack Davison
Jack Davison: Untitled, 2017 (Abstract Colour). From Photographs, published by Loose Joints, 2019 © Jack Davison

Der Brückenschlag zwischen historischer Fotografie und der digitalen Gegenwart des 21. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt der ersten Ausstellungsprojekte im PHOXXI, dem temporären Haus der Photographie. Die Ausstellungen von Jack Davison, Omer Fast und Frida Orupabo zeigen Erweiterungen der analogen Fotografie ins Digitale, Dreidimensionale und Bewegtbild.


JACK DAVISON

Der Rückgriff auf bereits vorhandene ikonische Bilder bildet die Grundlage des Werkes von Jack Davison (*1990 in Essex). Der in London lebende Fotograf verarbeitet eine Vielzahl von Genres, Stilen und Techniken, die vom Avantgarde-Experiment bis zum objektiven Dokumentarfilm, vom Porträt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts hin zur konzeptionellen Studie reichen.

Seine Bilder wirken wie Déjà-vus aus der Geschichte der Fotografie und erinnern an Fotografien von Max Ernst oder Man Ray. Davison gelingt es Werke zu schaffen, die auf faszinierende Weise unmittelbar gegenwärtig erscheinen.


OMER FAST

Der israelische Videokünstler Omer Fast (*1972 in Jerusalem, lebt in Berlin) reflektiert mit seiner 3D-Mehrkanal-Video-Installation »AUGUST« das Werk von August Sander (1876-1964), einem der wichtigsten Fotografen des frühen 20. Jahrhunderts.

Omer Fast stellt Sander als einen fiktiven Charakter am Ende seines Lebens dar, fast blind und vom Tod seines Sohnes und den Geistern der von ihm fotografierten Figuren heimgesucht. Auch Sanders bahnbrechende Porträtreihe »Menschen des 20. Jahrhunderts«, die er von 1900 bis Mitte der 1930er-Jahre erschuf, wird im Film thematisiert.

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„Anhand von Sanders Porträts, darunter Young Farmers (1914) und Bricklayer (1928), porträtiert Fasts neuester Film, August (2016), Sander am Ende seines Lebens und zeichnet die Karriere des Fotografen während des Übergangs von der Weimarer Republik zum nationalsozialistischen Deutschland nach.

Fasts parafiktionaler Film (d. h. eine Mischung aus Fakten und Fiktion) untergräbt die Grenze zwischen kollektiver Geschichte und persönlicher Erinnerung und stellt die Fähigkeit der Fotografie in Frage, die Wahrheit zu erzählen.“ (Minneapolis Institute of Art)


FRIDA ORUPABO

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Der norwegisch-nigerianische Künstlerin Frida Orupabo (*1986, lebt in Oslo) dienen im Internet gefundene historische Bilder sowie Abbildungen aus der Kolonialgeschichte, aus Musikvideos, afroamerikanischen Medien oder privaten Aufnahmen zur eigenen Herkunfts- und Identitätsfindung.

Ihr umfangreiches Archiv, das sie über ihren Instagram-Account @nemiepeba öffentlich macht, bildet für sie eine Grundlage, um das koloniale Erbe zu verstehen, zu verarbeiten und neu zu ordnen.

Ausgehend von der Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Künstler Arthur Jafa und der damit beginnenden Ausstellungstätigkeit erweitert Orupabo die digitale Praxis in den dreidimensionalen Raum.


PHOXXI. HAUS DER PHOTOGRAPHIE TEMPORÄR

JACK DAVISON / OMER FAST / FRIDA ORUPABO

Ausstellung bis 09 JAN 22

www.deichtorhallen.de

ÖFFNUNGSZEITEN

Dienstag – Sonntag, 11–18 Uhr
Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat bis 21 Uhr (außer an Feiertagen)
Feiertagsöffnungen: 3. und 31. Oktober, 25. und 26. Dezember: 11–18 Uhr, Neujahr: 13–18 Uhr, geschlossen an Heiligabend und Silvester ­

Die Deichtorhallen Hamburg eröffneten am 29. September 2021 mit »PHOXXI« – dem temporären Haus der Photographie – ein neues Ausstellungshaus in Hamburg.

Das PHOXXI präsentiert internationale zeitgenössische Positionen der Fotografie direkt auf dem Gelände der Deichtorhallen und überbrückt damit die rund dreijährige Sanierungs- und Schließzeit der südlichen Deichtorhalle, in dem das Haus der Photographie seit 2005 angesiedelt ist.

Visualisierung des »PHOXXI. Haus der Photographie temporär« auf dem Platz der Deichtorhallen Hamburg von Anselm Reyle © Anselm Reyle

Für die Außengestaltung des Gebäudes konnte der in Berlin ansässige und an der HfbK Hamburg lehrende Künstler Anselm Reyle gewonnen werden. Das 50 x 12,5 m große, mehrstöckige Gebäude bietet mit einer Gesamtfläche von rund 820 qm Platz für einen großen Ausstellungsraum.


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