HEINO JAEGER Retroperspektive | Das bildnerische Lebenswerk

JAEGERS PANOPTIKUM. Retrospektive zum 25. Todestag des legendären Hamburg-Harburger Malers, Kabarettisten, Performance-Künstlers und Radio-Kultstars bis 06. Juni 2022 im Kunsthaus Stade.

Heino Jaeger | Selbstportrait | Keller-Atelier am Hamburger Hafen

Heino Jaeger (1938, Harburg – 1997, Bad Oldesloe) war Künstler, Komiker und Nonkonformist. Seine Rundfunksendungen, die ihm in den 1960er- und 70er-Jahren eine breite Aufmerksamkeit bescherten, machten ihn zum Vorbild vieler Satiriker*innen. Bis heute hat er eine kleine, feine Fangemeinde, und jüngst wurde seine Biografie als Roman von Rocko Schamoni veröffentlicht. Obwohl das bildkünstlerische Schaffen die größte Konstante seines Werks darstellt, ist es jedoch nahezu unbekannt.


Nach verschiedenen beruflichen Stationen und einer Ausbildung als Textilmusterzeichner hatte Heino Jaeger Grafik an der Hamburger Kunsthochschule studiert und war bei mehreren archäologischen Museen als sogenannter Scherbenzeichner angestellt. Die Themen und Motive seiner freien Arbeiten reichen von volks- und naturkundlichen Objektzeichnungen über vermeintlich klassisch anmutende Landschaften, Straßenszenen hin zu Interieurs. Kindheitserlebnisse aus Kriegs- und Nachkriegszeit werden in Jaegers Darstellungen von zerstörten Gebäude, Panzern sowie zahlreichen Soldatenporträts sichtbar. In Harburg geboren, war er mit seiner Familie in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs nach Dresden gezogen und erlebte hier die verheerende Bombardierung der Stadt.

In Jaegers figurativer Kunst werden Menschen häufig mit technisierten oder mutierten Körperteilen wiedergegeben. Hybridwesen aus Tier und Mensch sitzen bei ihm gemeinsam am Tisch.

Die Zurschaustellung des Banalen einerseits und die Infragestellung eines Normalzustandes andererseits sind der Kern seiner künstlerischen Arbeit. Hiervon sind auch seine Rundfunksendungen geprägt, besonders die „Lebensberatungspraxis“, in der er als Dr. Jaeger die – ebenfalls von ihm gesprochenen – Ratsuchenden in allen Lebenslagen berät.

Seine Klientel hatte zumeist skurrile Probleme: sie wünschten sich Hörgeräte für einen Vogel, kontrollierten Pässe in der eigenen Wohnung oder leiden unter Steinpilzen im Haus. In Ton und Bild wusste Jaeger zu berichten von den Auswüchsen des menschlichen Lebens. Er selbst, der 1997 nach jahrelangem Aufenthalt in psychiatrischen Einrichtung verstarb, hatte so vieles gesehen und erlebt, dass er wusste, ein “normal” gibt es nicht.

Im Kunsthaus Stade wird im Frühjahr 2022 eine umfassende Ausstellung – mit mehreren hundert Grafiken und Gemälden – zum bildnerischen Werk Heino Jaegers zu sehen sein. Hierbei treten der Facettenreichtum seiner Bildthemen und seine treffsichere Beobachtungs- und Wiedergabe-Fähigkeit besonders hervor. Flankiert von seinen Hörstücken und originalem Filmmaterial, wird das dichte, sich zwischen realistischer Wiedergabe, persiflierender Überzeichnung und skurriler Anverwandlung spannende Geflecht sichtbar.

AKTUELL

HEINO JAEGER | Festspiele. Man glaubt es nicht
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zum 25. Todestag

MEHR INFOS

Das Stadtmuseum ehrt den in Harburg geborenen Maler, Grafiker, Sprachkünstler und Auftrittsaktivisten aus Anlass seines 25. Todestages nun gleich doppelt: mit einem dreitägigen Heino Jaeger-Festival vom 7. bis 9. Juli 2022 und einer Ausstellung vom 7. Juli bis 21. August 2022.

KATALOG | HEINO JAEGER.
Retroperspektive oder wie man das nennt

Taschenbuch, Softcover
272 Seiten
Mit mehr als 500 Abbildungen
Herausgeber: Verlag Kettler (7. März 2022)
Sprache: Deutsch
23.4 x 3 x 29.2 cm

Mit mehr als 500 Abbildungen und zahlreichen Aufsätzen bietet der Katalog zur Stader Ausstellung tiefe Einblicke und eine faszinierende Übersicht über Heino Jaegers bildnerisches Werk.


Noch heute wundert sich nicht nur die Halbwelt St. Paulis, wie Heino Jaeger es schaffte, in seinem so ostentativ verwahrlosten Keller-Atelier am Hamburger Hafen derart saubere und akkurate Zeichnungen anzufertigen. Im Stil eines surrealen Realismus gehalten, verwendete sie der Künstler nicht selten als Zahlungsmittel für durchzechte Nächte, auch wenn sich schon damals renommierte Galeristen dafür interessierten.

Heino Jaegers Panoptikum | Foto: Jens Ullheimer, Copyright: Familien Jaeger, Zander, Ullheimer

Kunsthaus Stade

www.museen-stade.de

HEINO JAEGER.
Retroperspektive oder wie man das nennt.

Mit mehr als 500 Abbildungen bietet das Kunsthaus Stade auf 3 Etagen tiefe Einblicke und eine faszinierende Übersicht über Heino Jaegers bildnerisches Werk.

Ausstellung bis 06. Juni 2022

Bitte beachten Sie die Informationen zum Schutz- und Hygienekonzept des Veranstaltungsortes, zur Eindämmung der Corona-Epidemie.

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