HEINO JAEGER | Festspiele. Man glaubt es nicht

Lesungen, Konzerte und Ausstellung in Hamburg-Harburg zum 25. Todestag des, neben Hanne Darboven, wohl bekanntesten Künstlers aus dem Hamburger Süden.

DVD Cover | Heino Jaeger. Look before you kuck | Ausschnitt

Das Archäologische Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg haben eine besondere Verbindung zu HEINO JAEGER, der viele Jahre im Hause als Scherbenzeichner tätig war. Das Stadtmuseum ehrt den in Harburg geborenen Maler, Grafiker, Sprachkünstler und Auftrittsaktivisten aus Anlass seines 25. Todestages nun gleich doppelt: mit einem dreitägigen Heino-Jaeger-Festival vom 7. bis 9. Juli 2022 und einer Ausstellung vom 7. Juli bis 21. August 2022.


Das Programm der Heino Jaeger Festspiele 2022 spielt mit den zahlreichen Facetten der Kunst Heino Jaegers. In Lesungen und Konzerten kommen Künstlerinnen und Künstler zu Wort, die ihm in ihrer Gesellschaftsferne, Komik und Non-Konformität nahestehen und als Jaegers Schwestern und Brüdern im Geiste bezeichnet werden können.

DAS PROGRAMM

Donnerstag, 07.07.2022 | 19 – 23 Uhr
Eröffnung der Festspiele und der Ausstellung
Ausstellungbesuch möglich ab 15 Uhr

TICKETS im VORVERKAUF

Wer war Heino Jaeger?

Filmvorführung: Heino Jaeger – look before you kuck (D 2012, Regie: Gerd Kroske)
Gespräch mit dem Regisseur Gerd Kroske

Der Dokumentarfilm gewann 2012 die Goldene Taube bei DOK Leipzig und stand in der Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2013.

VIDEO | Trailer “Look Before You Kuck”

2012 veröffentlichte Gerd Kroske einen zweistündigen Dokumentarfilm über den Künstler mit dem Titel „Heino Jaeger – look before you kuck“. Anhand von Gesprächen mit Weggefährten und Zeichnungen, Fotos, Gemälden und Tonbändern entsteht ein Bild dieser schwer zu fassenden Persönlichkeit. Der Film porträtiert den Außenseiter Jaeger in seiner Unangepasstheit und zeigt die vielfältigen Facetten dieser schillernden Persönlichkeit. Er gibt auf diesem Weg auch Einblicke in eine von Kriegstraumata geformte westdeutsche Gesellschaft und Subkultur.




Freitag, 08.07.2022 | 18 – 23 Uhr

TICKETS im VORVERKAUF

Heino Jaeger: Verquer, verehrt, vergessen?

Rocko Schamoni im Gespräch mit Jaegers Weggefährten Joska Pintschovius und Ralf Busch

Joska Pintschovius veröffentlichte 2005 mit dem Werkatlas „Man glaubt es nicht“ eine Biografie zum Leben seines Freundes und Gesinnungsgenossen. Ralf Busch war von 1987 bis 2001 Direktor des „Helms-Museums“ (heute Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg), in dem Heino Jaeger lange Jahre als Zeichner und Grafiker tätig war. 1988 widmete er dem Künstler zu dessen 50. Geburtstag ein Buch nebst Ausstellung.

Rocko Schamoni – Lesung: Der Jaeger und sein Meister

Rocko Schamoni veröffentlichte jüngst einen vom Leben Heino Jaegers inspirierten Roman als Hommage an den Maler und Satiriker. Heino Jaeger prägte mit seinem besonderen Humor viele bekannte Künstler und Künstlerinnen und natürlich auch Schamoni selbst. In der Lesung zeichnet Schamoni Jaegers vielschichtiges Leben und seine Kunst nach.

VIDEO | Jacques Palminger & 440 Hz Trio feat. Lydia

Jacques Palminger & 440 Hz Trio feat. Lydia

Jacques Palminger wurde als Mitglied des Hamburger Künstlertrios „Studio Braun“ bekannt und ist seit vielen Jahren großer Jaeger-Anhänger. Der Hamburger Musiker und Schauspieler hat sich mit seinem 440Hz Trio dem Jazz verschrieben, bricht dabei aber mit gängigen Jazz-Strukturen. Das 440 Hz Trio sind Richard von der Schulenburg (Klavier), Raphael Burgess (Bass), Olve Strelow (Schlagzeug); Gäste: Lydia Schmidt (Gesang)

Frau Kraushaar

Silvia Berger aka FRAU KRAUSHAAR. Das Konzert wird eine spannende Melange zwischen Alt und Neu, Love and Hate, zwischen Pop, Party, Avantgarde, gewürzt mit Witz und Humor. Es gibt einen kleinen Vorausblick auf Frau Kraushaar’s kommende Platte „Bella Utopia“ (Staatsakt, 7-22). Die in Hamburg lebende Musikerin und Künstlerin „Frau Kraushaar“ widmet sich der Sprache, verpackt in Art-Pop-Elektronik. Ihre Performance bewegt sich zwischen Sprache, Bildender Kunst und Musik und bietet dabei Folklore, Chanson, Dance und Elektronik.




VIDEO | Fritzi Ernst

Samstag, 09.07.2022, 18 – 23 Uhr

TICKETS im VORVERKAUF

Ferdinand Führer & Roland van Oystern – Lesung

Nachdenklich, tiefsinnig, herzerwärmend und irre komisch: Ähnlich wie Heino Jaeger vermeiden diese beiden Autoren sehr gekonnt langweiligen Erfolg und üben stattdessen lieber Kritik am Mitmenschen.

Heinz Strunk – Lesung

Heinz Strunk, in Harburg aufgewachsen und ebenfalls „Studio Braun“-Mitglied, ist Schriftsteller, Musiker und Schauspieler. Seit seinem ersten Erfolgsroman „Fleisch ist mein Gemüse“ hat er viele weitere Bücher veröffentlicht.

Mit seinem Roman “Junge rettet Freund aus Teich” hat er einen Rückblick auf seine eigene Kindheit und Jugend in Hamburg-Harburg abgeliefert. Der Held heißt Mathias Halfpape, so wie der gebürtige Harburger auch, bevor er sich Heinz Strunk nannte. Erzählt wird eine Kindheit und frühe Jugend in Harburg und Umgebung; es ist ein wunderbarer, von Melancholie, Schmerz und Liebe erfüllter Rückblick. Ob aus diesem Buch gelesen wird, ist jedoch unklar, wäre aber empfehlenswert.

AUDIO | Heinz Strunk – Stop ( MashUp: netsamurai Klangkommando, 2007 )

Fritzi Ernst

Die Sängerin und Multi-Instrumentalistin wurde als Teil des Duos „Schnipo Schranke“ bekannt. Ihr meist melancholischer und minimalistischer Indie-Pop handelt von Depressionen, Antriebslosigkeit und Ängsten, aber auch von Hoffnung und Sehnsucht nach Glück. Nun präsentiert sie sich mit neuer Band und noch mehr Komik im Gepäck.


ÜBERRASCHUNGSPUNK

Eine weitere Hamburger Band, die noch nicht verraten werden darf, rundet die “Heino Jaeger Festspiele” ab – oder setzt ihnen vielmehr einen lautstarken Schlussakkord. Genauso unbequem wie Jaeger, nur lauter und mit Punk im Gepäck.


Für die künstlerische Leitung der „Heino-Jaeger-Festspiele 2022“ konnte das Museum den Hamburger Musiker und Autor Rocko Schamoni gewinnen, der u. a. durch seinen jüngst veröffentlichten Roman „Der Jaeger und sein Meister“ ein intimer Kenner des Werkes von Jaeger ist und im Frühjahr 2022 bereits eine umfangreiche Heino Jaeger Retrospektive im Kunsthaus Stade realisierte.


Der Jaeger und sein Meister

Nach „Große Freiheit” – der zweite Teil von Rocko Schamonis St.Pauli-Portrait

In den sechziger Jahren trifft Joska Pintschovius bei seiner Arbeit im damaligen Helms-Museum ( heute: Stadtmuseum Harburg ) auf den verschrobenen Heino Jaeger. Schon bald erkennt er in seinem neuen Freund den hochbegabten Künstler und Stimmenimitator. Er führt Heino Jaeger ein in die brodelnde Szene Hamburgs, verschafft ihm eine Radiosendung, protegiert ihn. Am Ende jedoch wird der von Eingeweihten als »Meister« kultisch Verehrte an seiner seelischen Durchlässigkeit verglühen.

Die Verbindung aus Genialität und Wahnsinn fasziniert den Erzähler und Chronisten Schamoni, der sich in der Ergründung dieses ungezügelten Lebens jenseits der bürgerlichen moralischen Vorstellungen persönlicher und verletzlicher zeigt als je zuvor.

ROMAN | Der Jaeger und sein Meister
von Rocko Schamoni

LESEPROBE

Gebundene Ausgabe
288 Seiten
Herausgeber ‏ : ‎ hanserblau (23. August 2021)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Abmessungen ‏ : ‎ 13.5 x 2.5 x 20.8 cm


„Die Blütezeit der Freaks waren die späten 1960er-Jahre und 1970er-Jahre, eine Zeit in der es zum guten Ton gehörte und State of the Art war, sich non-konform zu geben, es war normal, unnormal zu sein“, schreibt Rocko Schamoni in seinem neuen Roman „Der Jaeger und sein Meister“. Der Maler, Sprachkünstler und Satiriker Heino Jaeger war ein Meister des Nonkonformismus. Die wenigsten werden ihn kennen – denn er blieb ein Nischenkünstler.

Doch in den 70er Jahren war er als Anarcho-Alleinunterhalter bekannt. Und hat viele prominente deutsche Comedians geprägt.

Rocko Schamoni offenbart sich in seinem neuen Buch als großer Verehrer Heino Jaegers. Der Hamburger Musiker, Entertainer und Autor zeichnet Jaegers vielschichtiges Leben, seine Kunst, die mit Verrücktheit und echtem Wahnsinn einherging, nach. Ein Buch für alte und neue Nonkonformisten, für die es zum guten Ton gehört, unnormal zu sein.


Heino Jaeger

VIDEO | HEINO JAEGER – Phrasenzertrümmerer durch Mimikry
Ausschnitte aus einem Dokumentarfilm von Martin Buchholz
[ 1988 widmete das damalige Harburger Helms-Museum HEINO JAEGER, zu dessen 50. Geburtstag, ein Buch nebst Ausstellung ]

Ein bundesdeutsches Zeitmosaik

Wer war Heino Jaeger? Loriot verehrte ihn als großen Humoristen. Eckhard Henscheid nannte ihn den „Mozart der Komik“. Dennoch ist der Hamburg-Harburger Heino Jaeger der wohl unbekannteste unter den großen deutschen Komikern. „Wir haben ihn wohl nicht verdient“, schlussfolgerte Loriot.

Mehr Infos

Auch 20 Jahre nach Heino Jaegers Tod ist der Maler, Satiriker und frühe Radiokultstar der ewige Geheimtipp. Er laborierte unheilbar an Kriegserfahrungen und am kleinbürgerlichen Bedürfnis der Deutschen, die Nazizeit zu vergessen, alles, was davor war, abzureißen und eine neue Zeit zu behaupten. Jaeger katalogisierte und hielt fest, schlüpfte in Rollen und verschwand darin. Auch für die, die Heino Jaeger lange Zeit begleitet haben, blieb er immer rätselhaft und ambivalent.


Rocko Schamoni,

geboren 1966, ist Autor, Entertainer, Musiker, Schauspieler und Bühnenkünstler. Er lebt in Hamburg. Mit seinen Romanbestsellern wie ” Große Freiheit” und “Dorfpunks” füllt er Hallen. Lange Jahre betrieb er auf St. Pauli zusammen mit Schorsch Kamerun den legendären “Golden Pudel Club”.


Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg

Heino Jaeger | Festspiele 2022

DO 07. Juli | 19 bis 23 Uhr | Eintritt 10 Euro | TICKETS im VVK
Eröffnung mit Diskussion und Film mit Regisseur Gerd Kroske.

FR 08. Juli | 18 bis 23 Uhr | Eintritt 19 Euro bis 39 Euro | TICKETS im VVK
Konzerte, Lesungen und Diskussion mit Rocko Schamoni, Joska Pintschovius, Ralf Busch, Jacques Palminger & 440 Hz Trio feat. Lydia und Frau Kraushaar.

SA 09. Juli | 18 bis 23 Uhr | Eintritt 19 Euro bis 39 Euro | TICKETS im VVK
Lesungen und Konzerte mit Ferdinand Führer & Roland van Oystern, Heinz Strunk, Fritzi Ernst und ÜberraschungsPunk.

Heino Jaeger | Ausstellung „Man glaubt es nicht“

Die begleitende Ausstellung zeigt eine Auswahl von Jaegers Bildern und Zeichnungen aus der Sammlung des Archäologischen Museums Hamburg und Stadtmuseums Harburg sowie ausgewählte Leihgaben.

Die Eröffnung der erfolgt am 7. Juli, um 19 Uhr, im Rahmen des ersten Festspieltages, inkl. Filmvorführung „Heino Jaeger – look before you kuck“ (D 2012, Regie: Gerd Kroske), Ausstellungsbesuch schon ab 15 Uhr möglich und mit einem Festspiel-Ticket für den 7. Juli kostenlos.

07. Juli bis 21. August 2022
Dienstag – Sonntag von 10 – 17 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt, Ausstellung: Erwachsene: 6 Euro; ermäßigt: 4 Euro


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