HANS THUAR & AUGUST MACKE – Ziemlich beste Freunde | Kunsthaus Stade

Hans Thuar, Begegnung im Park, 1921 © Privatbesitz, Foto: Auktionshaus Lempertz / Sascha Fuis Photographie

Die Ausstellung im Kunsthaus Stade rückt vom 19. September 2020 bis 10. Januar 2021 Leben und Werk zweier expressionistischer Künstler in den Fokus, die durch eine besondere Freundschaft miteinander verbunden sind. Die Kunstschau stellt mit Thuar einen Künstler in den Mittelpunkt, dessen Werk beinahe in Vergessenheit geraten ist. Viele seiner Bilder wurden bisher nie gezeigt.


Hans Thuar ist neun, August Macke zehn Jahre alt, als sich die Nachbarsjungen in Köln anfreunden. Die beiden begeistern sich nicht nur für die wilden Spiele im Neubaugebiet am Kölner Stadtrand, sondern sind gleichermaßen fasziniert von den japanischen Holzschnitten, die Vater Thuar in seiner Grafiksammlung verwahrt. „Wir saßen – wir wilden, wilden Jungens – vor diesen unglaublich subtilen Reisblättern […] und waren begeistert, erschüttert und so andächtig, wie uns noch keine Kirche je gesehen hatte“, erinnert sich Thuar.

Zwischen den beiden entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung, die sich durch Thuars Unfall und seine folgende Invalidität – er verliert bei einem Straßenbahnunglück beide Beine – ein Jahr später noch verstärkt. Durch seinen Humor gibt Macke dem Freund den Lebensmut zurück. „Damals erfand er das Karikaturenzeichnen, ich mußte doch lachen, ich sollte doch um jeden Preis lachen!“

Hans Thuar, Rheinische Landschaft (Bahnstrecke), 1912 © Kunstmuseum Bonn, Foto: Reni Hansen

Die räumliche Trennung, die sich durch Umzug der Familie Macke nach Bonn und später durch Mackes zahlreiche Reisen ergibt, tut der Freundschaft keinen Abbruch – auch nicht die so unterschiedlich ausgeprägten Persönlichkeiten. Beide werden Künstler und gehören mit ihren Werken vor dem Ersten Weltkrieg zu den heftig angefeindeten expressionistischen Modernen.

„Eine starke lebendige Empfindung zu gestalten“ (Macke) – ist das Motto, das sie bei ihren Experimenten antreibt. Damit verbunden ist die Suche nach einer modernen Sprache der Kunst, die den veränderten Bedingungen am Beginn des 20. Jahrhunderts Rechnung trägt. Während Macke auf experimentierfreudige Weise einen Ausdruck für seine Vorstellungen vom irdischen Paradies sucht, spiegelt sich bei Thuar eine existentielle Beziehung zur Natur.

Hans Thuar, Blühende Obstbäume (Endenich), 1911 © Privatbesitz, Foto: Museen Stade / Margot Schmidt

Nach Mackes frühem Tod als Soldat im Ersten Weltkrieg setzt sich der Kontakt mit Mackes Frau, seinen Söhnen und seinem Freundeskreis fort. In den 1920er Jahren malt Thuar großartige hochexpressive, leuchtend farbige, ganz eigenständige Kompositionen, in denen er „seine Seele ausgießen konnte“.

Inflation und Wirtschaftskrise bringen den Künstler und seine fünfköpfige Familie immer wieder an den Rand des Existenzminimums. Kunsthandwerkliche Arbeiten, selbst entwickelte Salben und Cremes, der Betrieb einer Tankstelle und eines Cafés und schließlich die Eröffnung eines Holzladens tragen zum Lebensunterhalt bei. Seine Behinderung macht Thuar oftmals körperlich wie seelisch zu schaffen.

Hans Thuar, Gewitter über dem Dorf, 1943 © Privatbesitz, Foto: Axel Hartmann

Auf der ersten Reise nach 25 Jahren entstehen in Ried in Oberbayern im Haus von Maria Marc, der Witwe von Franz Marc, Werke, in denen die Alpenlandschaft mit abstrahierenden Pinselzügen expressiv aufgeladen wird. Mit der Heirat von Mackes Sohn Wolfgang und Thuars Tochter Gisela wachsen die beiden Künstlerfamilien an Weihnachten 1937 endgültig zusammen.

Ausstellung und Katalog spüren erstmals einer einzigartigen Künstlerfreundschaft nach und stellen mit Thuar einen Künstler in den Mittelpunkt, dessen Werk beinahe in Vergessenheit geraten ist. Viele seiner Bilder wurden bisher nie gezeigt.

Zudem illustriert eine grafische Kurzgeschichte der jungen Künstlerin Yuka Masuko die besondere Freundschaft der beiden Künstler auf der Basis von Erinnerungen und Briefzitaten.

Kuratorin: Dr. Ina Ewers-Schultz


www.museen-stade.de

HANS THUAR & AUGUST MACKE.
Ziemlich beste Freunde

Ausstellung vom 19. September 2020 bis 10. Januar 2021

Öffnungszeiten
Di, Do, Fr 10–17 Uhr
Mi 10 – 19 Uhr
Sa und So 10–18 Uhr

Eintrittspreis
Museen Stade Ticket
Tages-Ticket 8 €

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