Hamburg LESEN – Der Buchpreis der Staatsbibliothek

Peter Ernst Eiffe

 

Die Staatsbibliothek vergibt seit 2013 den Preis für ein Buch, das sich in herausragender Weise mit dem Thema Hamburg befasst.


Aus bis zu 200 Büchern (Vorschlagsliste) wählt die Auswahlkommission 30 hervorragende Publikationen (Longlist) aus. Von diesen hat ein Expertenteam des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens Hamburgs die sieben besten Titel ermittelt, die der Jury vorgeschlagen werden.

Preisträger 2020

BUCH mit Film auf DVD
Eiffe for President.
Alle Ampeln auf Gelb

Für die thede herausgegeben von Christian Bau in Zusammenarbeit mit Artur Dieckhoff

Hardcover mit zahlreichen Fotos und Illustrationen
144 Seiten
Assoziation A;
21.3 x 1.7 x 21.3 cm
Sprache: : Deutsch

Er ist wahrscheinlich der erste Graffiti-Künstler Deutschlands: 1968 beschmierte Peter Ernst Eiffe in wenigen Wochen die ganze Innenstadt Hamburgs – „Eiffe for President“. Ein neues Buch erinnert an einen Außenseiter, der seiner Zeit voraus war.

Eiffe passt in keine Schublade, gilt er den einen als »Rebell mit Filzstift«, ist er für die anderen der »Hofnarr der APO«. Ein Quergeist und zerbrechlicher Mensch. Und einer der Ersten, der die Frage »Wem gehört die Stadt?« durch seine Art, den öffentlichen Raum zu nutzen, aufgeworfen hat.

Im Mai 1968 kommt niemand an ihm vorbei: Tag und Nacht ist Peter Ernst Eiffe, aufgewachsen in einer hanseatischen Familie, in Hamburg mit dem Filzstift unterwegs und überzieht Toiletten, Verkehrsschilder, Briefkästen mit seinen Sprüchen. Vermutlich ist er der erste Graffitiwriter Deutschlands. Höhepunkt seiner Karriere: Er fährt mit einem Fiat Topolino in die Wandelhalle des Hauptbahnhofs und ruft die »Freie Republik Eiffe« aus. Zwangseingewiesen in die Psychiatrie, gründet er die Partei »Eiffe Brothers«. Weihnachten 1983 entweicht er aus der Anstalt und wird Monate später erfroren aufgefunden.


Preisträger 2019

BUCH | Heisig malt Schmidt.
Eine deutsche Geschichte über Kunst und Politik

Gebundene Ausgabe
224 Seiten
Abbildungen s/w: 30
Abbildungen farbig: 47
Verlag: Ch. Links
Sprache: Deutsch
17,2 x 2,1 x 24,6 cm

Wenige Wochen nach Ende seiner Kanzlerschaft wurde Helmut Schmidt 1982 gebeten, einen Maler für sein offizielles Porträt zu benennen. Schmidt hatte die Galerie im Kanzleramt 1976 selbst gegründet. Er entschied sich für Bernhard Heisig, einen der bedeutendsten Maler aus der DDR, der von den Feuilletons der Bundesrepublik jedoch zumeist als »Staatskünstler« angesehen wurde. Schmidt ließ sich davon nicht beirren, auch wenn der Vorgang im Kanzleramt für erhebliche Unruhe sorgte.

Helmut Schmidt | Porträt von Bernhard Heisig, 1986 | Foto: Bundeskanzleramt

Nach längeren, diplomatisch heiklen Vorbereitungen reiste er 1986 zwei Mal nach Leipzig, um dem Maler Modell zu sitzen. Seine Besuche wurden von der Staatssicherheit in der Operation »Mütze« aufwändig überwacht. Heisig malt Schmidt ist die Rekonstruktion einer höchst ungewöhnlichen Geschichte aus dem geteilten Deutschland. Sie erzählt von zwei Männern, deren Lebenswege nicht unterschiedlicher hätten verlaufen können und die sie trotzdem zu Wesensverwandten machten. Zugleich zeigt sie die Kraft der Kunst in politisch schwierigen Zeiten.


Preisträger 2018

BUCH | Speicherstadt Story.
Geschichten von Menschen und Handel

Blick ins Buch

Gebundene Ausgabe
288 Seiten
350 Farbfotos und historische Aufnahmen
Verlag: Koehlers
Sprache: Deutsch
23,3 x 2,7 x 30,2 cm

„…Michael Batz, bekannt durch seinen in der Speicherstadt inszenierten „Hamburger Jedermann“, erzählt in einem prächtig gestalteten Bildband Geschichten von dünkelhaften Kaffeehändlern und ausgebeuteten Arbeitssklavinnen.“ [SPIEGEL Online / Artikel lesen ]

Batz lässt aber auch die großen Ereignisse der Speicherstadt nicht aus: Er berichtet vom Hamburger Aufstand, als ein Pfund Kaffee im Oktober 1923 drei Milliarden Mark kostet, und vom Brand 1892, bei dem der Kaispeicher A, auf dem heute die Elbphilharmonie „thront“, fast vollständig zerstört wird. Er erzählt von der Vertreibung jüdischer Kaufleute und von der Rettung Dutzender Menschen, die in der Speicherstadt versteckt, auf Schiffen ausgeschleust und so vor dem sicheren Tod bewahrt wurden.


Preisträger 2017

BUCH | Holger Jass.
Mein Onkel Pö

Gebundene Ausgabe
144 Seiten
29 Kapitel mit 71 zum größten Teil unveröffentlichten Fotos

Am 31.12.1985 lief die allerletzte Session in Onkel Pös Carnegie Hall in Hamburg Eppendorf. Pünktlich zum 30. Jahrestag dieses traurigen Ereignisses erscheint das Buch MEIN ONKEL PÖ. Holger Jass, von 1979 – 85 Wirt und Macher vom Onkel Pö, erzählt in lockerem Ton, wie es hinter den Kulissen des legendären Live-Clubs zuging. Es ist sein ganz persönlicher Blick über den Tresenrand hinweg auf das Zentrum der Hamburger Szene in den siebziger und achtziger Jahren.

Die 29 Kapitel mit 71 zum größten Teil unveröffentlichten Bildern auf 144 Seiten sind amüsanter Lesestoff für alle, die dabei waren und jene, die es verpasst haben, weil sie nicht reinkamen, nicht so lange aufbleiben durften oder noch gar nicht geboren waren.

Im Pö gaben sich lokale Größen, spätere Weltstars und echte Legenden ihrer Zeit auf derselben kleinen Bühne die Ehre. Oft platzten zu später Stunde noch Musiker herein und spielten spontane Sessions bis in die frühen Morgenstunden vor glücklichen Fans, die es gar nicht fassen konnten, dass z. B. plötzlich Joe Cocker auf der Bühne stand und wegen Stromausfalls seine kleine Privatvorstellung bei Kerzenlicht gab.

Holger Jass war immer ganz nah am Geschehen, ganz gleich, ob er Schmalzbrote für zukünftige irische Superstars schmierte, einer Jazz-Legende in die Hose half, gegen Nazis oder mit Bierfässern kämpfte und auch sonst auf vielerlei Weise dafür sorgte, dass die Legende rockte.


Preisträger 2016

BUCH | Der Hafen.
Fotografien des Hamburger Hafens 1930-1970
Gustav Werbeck, John Holler, Germin, Harald Zoch

Gebundene Ausgabe
256 Seiten
Verlag: Junius Hamburg
Sprache: Deutsch
25,5 x 3 x 31,5 cm

Der Hafen ist die Lebensader Hamburgs, seit jeher prägt er den Charakter der Stadt als Handelsplatz und ihr Selbstverständnis als weltoffene Metropole. Die Bewohner Hamburgs hat er früh mit fremden Gebräuchen und exotischen Handelsgütern in Berührung gebracht, hat den Takt ihrer Arbeit bestimmt und ist stets ein Sehnsuchtsort für ein besseres Leben in der Ferne gewesen.

Das Fotobuch Der Hafen zeigt diesen zentralen Schauplatz von Hamburgs Geschichte und Gegenwart aus einer besonderen Perspektive. Es lässt uns den Hafen mit den Augen von vier der bedeutendsten Hamburger Hafenfotografen des 20. Jahrhunderts sehen und geht damit über eine historische Bilddokumentation weit hinaus.

Mit der jeweiligen Motivwahl und Bildsprache der Fotografen setzt jedes Kapitel einen eigenen thematischen und fotografischen Akzent. Den Auftakt macht Gustav Werbeck, der als Grafiker bei der HHLA tätig war und fast vierzig Jahre für das Unternehmen fotografierte. Seine Aufnahmen zeigen den Hafen der Vorkriegszeit und den Wiederaufbau nach dem Krieg.

Die Bilder von John Holler und Germin (Gerd Mingram) rücken in eindrücklichen Porträts die Menschen und ihre Arbeit im Schiffbau in den Blick. Harald Zoch, der als Fahrer des HHLA-Vorstandsvorsitzenden im Hafen zu fotografieren begann, schließlich zeigt uns den Übergang vom Stückgutumschlag zum Einsatz des Containers, der tiefsten Zäsur in der Hafenentwicklung des 20. Jahrhunderts.

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