Harburger Stadtpark – Gartenkunst der Moderne

Harburger Stadtpark – Gartenkunst der Moderne

Harburger Stadtpark, im Hintergrund das, mittlerweile abgerissene, alte Gasthaus
Foto: Jens Ullheimer

Der wildromatische Harburger Stadtpark wurde im Wesentlichen auf der Westseite des Außenmühlenteiches auf ehemaligem Privatgelände in Form von Wald und Parkanlagen angelegt und gilt als eine der schönsten Parkanlagen Hamburgs.


Der Beginn der Aktivitäten zur Herstellung eines Stadtparks lässt sich auf das Jahr 1907 datieren, als der Magistrat dieser seinerzeit preußischen Stadt (vorher gehörte Harburg zum Königreich Hannover) ein nahezu unzugängliches – 3,5 ha großes – Gelände an der Außenmühle erwarb. Dieses Gelände wurde 1913 um weitere 18 ha erweitert, in einer Zeit also, in der im benachbarten Hamburg die lang anhaltende und intensive Stadtparkdiskussion mit dem Bau der Anlage in Winterhude zunächst ihren Abschluss hatte und als Ferdinand Tutenberg in Altona begann, dort den großen Volkspark zu bauen.

Gartenkunst der Moderne – Georg Hölscher

Georg Hölscher ( 1866 – 1932 ) In Harburg bekam Georg Hölscher, Inhaber einer großen Gärtnerei und bereits seit längerem nebenberuflich auch als Stadt-Obergärtner tätig, den Auftrag zur Planung eines Stadtparks an der Westseite des Außenmühlenteiches. Noch 1913 begannen die Arbeiten, die jedoch mit Kriegsbeginn bald wieder eingestellt werden mussten und anders als in Altona nach Kriegsende nicht sofort wieder aufgenommen worden sind.

Erst mehr als 10 Jahre später konnten die begonnenen Arbeiten zu Ende geführt und durch weitere Landkäufe der Park vergrößert werden. Dabei musste sich der Magistrat nicht zuletzt auch mit dem Projekt der immer wieder vorgestellten Planung einer Uferstraße mit Villenbebauung auseinander setzen, wie sie beispielsweise an der Hamburger Außenalster bereits vorhanden war.

Nun zusammen mit seinem Sohn Ferdinand übernahm Georg Hölscher wiederum die Planung. Im Mai 1926 wurde der Park u.a. anderem mit einer Rede Tutenbergs aus dem benachbarten Altona der Bevölkerung übergeben, ein begonnener zweiter Bauabschnitt im Nordwesten konnte im darauf folgenden Jahr fertig gestellt werden.

Plantschbecken ca. 1930 | Blick auf Außenmühlendamm,
am Horizont: Phoenix Schornstein

1950 wurde der Stadtpark wiederum erweitert, diesmal um die verbleibenden Flächen des Marx’schen Geländes mit den Resten der Zündschnurfabrik. Im Frühjahr 1953, kurz bevor in Hamburg die IGA 1953 eröffnet wurde, konnten die Arbeiten fertig gestellt werden. Letzte Erweiterungen fanden 1985-87 vor allem in den südlichen Bereichen statt. Schwerpunkte waren diesmal neben der Naherholung die Schaffung von Biotopflächen und Vogelschutzgebieten.

Ein eigenes Kapitel bildet der Bau der Badeanstalt. Bereits 1890 wurde am Außenmühlenteich eine durch den Magistrat verpachtete Badeanstalt betrieben; Handelte es sich zunächst um eine übliche Bretterbadeanstalt mit getrennten Abteilungen, wurde nach 1924 ein großzügiger Neubau in Form eines Strandbades in Betrieb genommen und in die Gesamtanlage der Außenmühlengrünflächen zusammen mit zahlreichen Kleingartenflächen integriert. Heute befindet sich hier ein großes Freizeithallenbad.

[ Text entnommen und gekürzt aus :: HEINO GRUNERT :: Volksparkanlagen in Hamburg ]

„(Georg) Hölscher zählte zu den Rebellen unter den Gartengestaltern, die mit geometrisch-funktionalen Gartenräumen eine Vielzahl unterschiedlicher Nutzungen für den ‚einfachen Mann‘ anbieten wollten. Ein sozialer Anspruch, dem Harburg auch seinen Stadtpark mit Sportanlagen, Liegewiesen, Aussichtspunkten, Schwimmbad und Kleingartenkolonien verdankt. Für seine Verdienste wurde er 1914 zum „Königl. Preuß. Gartendirektor“ ernannt.“ Dr. Joachim Schnitter, Gartenhistoriker und Freiraumplaner

Der Schwarzenberg

[ aus Vereinsberichte / Verein deutscher Gartenkünstler. Niederschrift der Sitzung vom 11. August 1902 ]

“ [ Der ] Schwarzenberg wurde im Anfang der vorigen Jarhunderts von einem dort garnisonierenden Major dicht mit Nutzhölzern bepflanzt, heute aber ist es unter der Leitung und nach den Plänen des Herrn Stadtgärtners Hölscher zu einer schönen Parkanlage umgewandelt worden. Herrliche Fernsichten sind hier geschaffen worden, ein wunderliebliches Panorama zeigt sich hier dem Beschauer.

Über saftige Wiesen und Auen, von Flussläufen durchzogen, sieht man in der Ferne die beiden Städte Hamburg und Altona mit ihren majestätischen Türmen, das Blankeneser Elbufer mit seinen Villen. Von einem anderen Standpunkt aus erscheint Harburg mit seiner Umgebung. Auch der Baumbestand dieser Anlage ist ein schöner zu nennen und durch geschickten Ausbau besonders zur Geltung gebracht.“  [ http://www.kohls-harburg.de/index/hoelscher-stadtgaertner ]

Denkmal für Georg Hölscher

Dem ersten Gestalter und Gartenbaudirektor Georg Hölscher wurde 1933 nach seinem Tode am Außenmühlenteich ein Denkmal gesetzt. Die schlanke, eckige Stele mit der von Ernst Küster 1935 gefertigten Büste steht heute auf einem kleinen runden Platz vor dem Hintergrund von Rhododendren.

Info-Punkt 1 | Die Schulgärten

Info-Punkt 2 | Kunst
Standort der Metall-Skulptur “Hausungen” von Winni Schaak, 2000. Standort der Gepardenskulptur des Hamburger Künstlers Hans Martin Ruwoldt von 1965.

Info-Punkt 3 | Gastronomie

Info-Punkt 4 | Außenmühlendamm
Zentrale Flaniermeile. Parkplätze.

Info-Punkt 5 | Bootshaus, Gastronomie
Es werden Tretboote vermietet. Parkplätze

Info-Punkt 6 | Freizeitbad

Info-Punkt 7 | Denkmal Georg Hölscher
Für herausragende gartenbaugestalterische Leistungen. Büste von Ernst Küster, 1935.

Info-Punkt 8 | Freilicht-Theater

Info-Punkt 9 | Eingang Marmstorfer Weg

Info-Punkt 10 | Beethovenstein
Findling zum 100sten Todestag des Komponisten.

Info-Punkt 11 | Ludowieg-Brunnen
Ehrenbrunnen für den ehemaligen Harburger Oberbürgermeister Ludowieg. 1909 von Rudolf Kolbe, Dresden gestaltet.

Info-Punkt 12 | Wasserspielplatz


Der Schulgarten

Ferdinand Hölscher 1891 – 1976 Ferdinand Hölschers Anteil an der Gestaltung des Harburger Stadtparks drückt sich eindrucksvoll in Form des einzigartigen Schulgartens aus.

Der seit 1897 auf Betreiben der Harburger Lehrerschaft eingerichtete Schulgarten befand sich zunächst an wechselnden Standorten im Stadtgebiet. 1929-32 wurde er schließlich unmittelbar nördlich des Stadtparks in neuer Form auf dem Gelände einer ca. 8 ha großen Sandfläche im Rahmen von Notstandsprogrammen grundlegend neu gebaut und feierlich eröffnet.

Schulgarten-Entwurf aus dem Jahre 1933

Der Schulgarten-Entwurf aus dem Jahre 1933 zeigt detailliert den »Schul-, Schau- und Pflanzengarten« mit seinen zahlreichen Sondergärten, die Möglichkeiten zum Unterricht boten. Er enthielt unter Verwendung heimischer Gehölze und Stauden aber auch landschaftlich gestaltete Bereiche, die reinen Erholungszwecken dienten.
In der repräsentativen Hauptachse gab es einen Anzuchtgarten, einen Pflanzenliefergarten, einen Dahliengarten und schließlich die Sommerblumenterrasse, über die in weiterer Folge der Stadtpark erreichbar war. Neben der Hauptachse gliederten sich Kultur- und Historische Gärten an. Es gab aber auch Schüler-Arbeitsgärten, Schulräume und Gewächshäuser, Biologische Gärten, Musterkleingärten und Grundschulgärten.

Der Entwurf zählt zu Ferdinand Hölschers großen Leistungen und stellt mit seinem Programmangebot inhaltlich eine Seltenheit, wenn nicht Einmaligkeit dar.

Der Schulgarten Heute

„Vom Parkeingang an der Hohen Straße führt eine Achse hinunter zu den ehemaligen Dahlienterrassen und öffnet einen Blick auf eine Anhöhe – die sogenannte Ovale Kuppe. Rechts und links dieser Wegachse befinden sich verschiedene thematische Gärten, die sogenannten Gärten der Jahrtausende. Hier lassen sich beispielhaft verschiedene Epochen der Gartenkunst erleben, während der gegenüberliegende Rosengarten zum Verweilen und Genießen einlädt. Oberhalb des markanten und von Hecken eingefassten Tanzplatzes befinden sich der Apotheker- und der Azaleengarten. Im Apothekergarten werden sowohl Arzneipflanzen als auch Kräuter und Gewürzpflanzen präsentiert.“ [ Agathe Bogacz ]


Neue Gärten!

Gartenkunst zwischen Jugendstil und Moderne

Das ausgehende 19. Jahrhundert war eine Zeit der Reformideen: Das Reformkleid und das Reformhaus kommen ebenso aus diesen Jahren wie die Reformpädagogik oder das Reformspielzeug. Die unterschiedlichen Reformbewegungen reagierten auf eine tiefgreifende Unzufriedenheit der bürgerlichen Schichten mit der gesellschaftlichen und der politischen Situation im deutschen Kaiserreich.

Auch in der Gartenkunst formierte sich eine Reformbewegung. In Opposition zur bisherigen, von den Ideen des englischen Landschaftsgartens geprägten Praxis, forderten Architekten, Künstler und Landschaftsplaner den Reformgarten.

Für alle sozialen Schichten wird der Volkspark nun zum Erholungsraum. Die Gartengestalter reagieren damit auf die zunehmende Industrialisierung und Urbanisierung. Gerade der ärmeren Bevölkerung stehen oft nur winzige Wohnungen ohne Garten zur Verfügung. Die Stadtbewohner verlangen nach Möglichkeiten zur Erholung, nach Licht und Luft, und vor allem nach Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten für Kinder.

An die Stelle der Imitation von Landschaft mit sich schlängelnden Wegen und anmutigen Gebüschpflanzungen sollte ein streng geometrischer Garten mit durch Hecken definierten Raumeinheiten treten.

Für Nutzung und Bepflanzung wurden ganz neue Konzepte entwickelt, die in ganz Europa aufgegriffen wurden. Kreative Köpfe des Reformgartens waren u.a. die Architekten Josef Maria Olbrich und Peter Behrens, der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, und der Gartenarchitekt Erwin Barth, aber auch Künstler wie Leopold von Kalckreuth und Max Liebermann, die ihre Gärten im Sinne der neuen Ideen gestalten ließen und zum Motiv ihrer Kunst machten.

KATALOG | Neue Gärten! Gartenkunst zwischen Jugendstil und Moderne

LESEPROBE

Gebundene Ausgabe
200 Seiten
223 farbige Abb., 37 s/w Abb.
Verlag: Wienand
Sprache: Deutsch
17,4 x 3 x 24,6 cm

European Gardenbook Award 2017
2. Preis in der Kategorie „Bestes Buch über Gartengeschichte“ des Deutschen und Europäischen Gartenbuchpreises 2018

Um 1900 wandelten sich Kunst und Architektur grundlegend. Mit der Geburt des Reformgartens manifestiert sich dies auch in Gärten und Parks. Der bürgerliche Hausgarten bildete von nun an eine Erweiterung der Wohnung. Das „einfache“ Volk verlangte nach Freizeitmöglichkeiten in öffentlichen Parks. Volksparks mit Wiesenflächen für Sport und Erholung entstanden.

Bekannte Architekten wie Joseph Maria Olbrich oder Peter Behrens widmeten sich der architektonischen Gartengestaltung. Maler wie Max Liebermann und Emil Nolde porträtierten ihre eigenen Gärten.

Die textlich hervorragend begleitete Publikation gestattet erstmals einen umfassenden Einblick in diese besondere Epoche. Anhand von originalen Plänen, Zeichnungen, Fotos, Modellen, Kostümen und Gemälden belegt der großzügig bebilderte Band den historischen Umbruch.

„Das Buch ist sehr schön gestaltet, aufgelockert mit vielen tollen Gartenplänen und -skizzen, aber auch Bildern von berühmten Malern wie Liebermann oder Nolde. Man erfährt viel über den Wandel der Gartengestaltung am Anfang des 20. Jahrhunderts, wie sich die Gärten und auch öffentlichen Parks durch andere Ansprüche verändert haben. Einige dieser damals umgestalteten Parks kann man heute sogar noch in dieser Form besichtigen! Das ist mein nächstes Projekt fürs Frühjahr.“ [ Lirumlarum ]


Info zum Stadtpark laden (pdf)

[ Harburger Stadtpark | Karte mit Sehenswuerdigkeiten ]


 

SOCIAL MEDIA anonym durch Einsatz des c't-Projektes Shariff

Harburger Kultur | Artikel-Tipps