Die Weiße Rose | Der Opernfilm zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl

Die Staatsoper Hamburg produziert Udo Zimmermanns Kammeroper „Weiße Rose“ neu. Anlass ist der 100. Geburtstag von Sophie Scholl am 9. Mai 2021. Regisseur David Bösch inszeniert die tragische Geschichte der letzten Stunden der Geschwister Scholl vor der Hinrichtung als filmisches Seelendrama, das unter die Haut geht.


Im Jahr 1986 wurde Udo Zimmermanns Kammeroper „Weiße Rose“ erstmals in der opera stabile in Hamburg uraufgeführt. Jetzt kehrt sie dorthin zurück – als Film und in neuer Form. David Bösch inszeniert die „Weiße Rose“ als Graphic Opera. Oper, Filmkunst, Animation und historischer Stoff wie Originalhandschriften verbinden sich zu einem Gesamtkunstwerk. Durch diesen interdisziplinären Zugang wird die Geschichte der Geschwister Scholl auf zeitgemäße Weise präsent. Damit soll ein Bewusstsein für ein besonders sensibles Kapitel unserer Historie geschaffen werden. Zugleich richtet sich der Film in seiner Machart und Relevanz ganz entschieden an ein junges Publikum und versteht sich somit als Auftrag.

„Weiße Rose“ erzählt das Drama um das Geschwisterpaar nicht als realistische Handlung, sondern als Seelenwanderung, die die Ereignisse des 22. Februar 1943 in die Gegenwart holt. Der Opernfilm fokussiert sich auf die Grenzsituation zweier junger Menschen – eine Stunde vor ihrer Hinrichtung durch das nationalsozialistische Regime – eine Gratwanderung im Angesicht des Todes, die unter die Haut geht.

Librettist Wolfgang Willaschek beschreibt diese zutiefst ergreifende Situation mit authentischen Worten der Geschwister aus ihren Brief- und Tagebuchaufzeichnungen, durch Prosa und Lyrik von Dietrich Bonhoeffer, Reinhold Schneider, Tadeusz Rózewicz.

„Kunst muss teilnehmen lassen am Menschen“ – das ist für Komponist Udo Zimmermann Ansatzpunkt seiner Arbeit. „Weiße Rose“ gestaltet er als Dramaturgie des „inneren Theaters“, das persönliche Ängste und Hoffnungen der Protagonisten durchscheinen lässt.


Die Weiße Rose | Der Opernfilm

Szenen für 2 Sänger und 15 Instrumentalisten von Udo Zimmermann

Verfügbar in der arte TV-Mediathek vom 08/05/2021 bis 06/08/2021
www.arte.tv/de/videos/102418-000-A/weisse-rose/
Nächste Ausstrahlung im TV am Sonntag, 9. Mai um 23:40 Uhr

VIDEO | Trailer

„Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen, die Weiße Rose lässt Euch keine Ruhe!“, hieß es auf einem Flugblatt der kleinen studentischen Widerstandsgruppe in München, zu dessen innerem Kreis neben Alexander Schmorell und Hans Scholl dessen jüngere Schwester Sophie, Christoph Probst, Willi Graf sowie der Universitätsprofessor Kurt Huber gehörten.

Selbst vor Roland Freisler sprach die 21-Jährige im Gerichtssaal unbeirrt aus, was sie dachte: „Was wir schrieben und sagten, das denken Sie alle ja auch, nur haben Sie nicht den Mut, es auszusprechen.“ Postum ist die Studentin, die mit ihren Freunden furchtlos die Stimme erhob gegen das NS-Unrechtsregime und den Vernichtungskrieg, tatsächlich zu einem Gewissen der Deutschen geworden. Heute ist sie weltweit eine der bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte.


Wenige Tage nach Kriegsbeginn schrieb Sophie Scholl an ihren Freund: „Ich kann es nicht begreifen, daß nun dauernd Menschen in Lebensgefahr gebracht werden von anderen Menschen. Ich kann es nie begreifen und ich finde es entsetzlich. Sag nicht, es ist für’s Vaterland.“

Gestützt auf teils noch unveröffentlichte Selbstzeugnisse schildert Maren Gottschalk das so verheißungsvolle Leben Sophie Scholls, die sich nach anfänglicher Faszination für die Hitlerjugend immer entschiedener gegen den Nationalsozialismus stellt. 1942 geht sie in den aktiven Widerstand. Am 18. Februar 1943 wird sie mit nur 21 Jahren verhaftet, vier Tage später mit dem Fallbeil hingerichtet.

BIOGRAFIE | Wie schwer ein Menschenleben wiegt:
Sophie Scholl

LESEPROBE

Gebundene Ausgabe
347 Seiten
mit 36 Abbildungen
Herausgeber: C.H.Beck; 3., durchgesehene Edition (7. April 2021)
Sprache : Deutsch
14.4 x 3 x 22.3 cm

„Maren Gottschalk erzählt schnörkellos, dabei farbig und mit großem Einfühlungsvermögen von der jungen Frau, deren Lebenswelt der heutigen sehr fern ist.“
Süddeutsche Zeitung, Cord Aschenbrenner

„Fördert mit bislang unveröffentlichten Briefwechseln und Tagebucheinträgen neue Facetten zu Tage.“
Neue Presse

„Zeigt die Heranwachsende mit all ihren Sehnsüchten.“
Frankfurter Rundschau, Jan Sternberg


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