Die Kinder vom Bullenhuser Damm | Ausstellung Harburger Gedenktage 2020

Sergio de Simone mit seinen Cousinen Tatjana (links) und Alessandra (genannt Andra) am 29. November 1943 | Sergio, 7, wurde mit einer teuflischen Lüge in den Tod gelockt - seine Cousine Tatiana war gewarnt.
Foto: Privat

Im Rahmen der Harburger Gedenktage 2020 „Erinnern für die Zukunft“ findet vom 26. Oktober bis 27. November 2020 neben Vorträgen | Rundgang | Exkursion | Filmen | Workshop | Gedenkveranstaltung | Lesungen auch die Ausstellung „Die Kinder vom Bullenhuser Damm“ statt. Die Wanderausstellung erzählt die Geschichte der 20 Kinder im Alter von 5–12 Jahren, die im November 1944 in das Konzentrationslager Neuengamme gebracht wurden, um sie dort für medizinische Experimente missbrauchen zu können. Zur Vertuschung der Versuche wurden die Kinder und ihre Betreuer im April 1945 in der Schule am Bullenhuser Damm in Hamburg-Rothenburgsort von der SS ermordet.




Die Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm hat diese mobile Ausstellung für Kinder und Jugendliche erstellt, die bei dem bundesweiten Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ als besonders vorbildlich ausgezeichnet wurde.

Die Ausstellung erzählt die Geschichte der Kinder vom Bullenhuser Damm, vom Auffinden der Angehörigen, von der jährlichen Gedenkfeier, von dem Internationalen Jugendprojekt zum 70. Jahrestag im Jahr 2015, den Gedanken der internationalen Jugendlichen zu dem Thema und endet im heute: Wann fängt Diskriminierung an?

Die Ausstellung und das Unterrichtsmaterial entstanden in Zusammenarbeit mit der Uni Vechta, Institut für Geistes- und Kulturwissenschaften. Wir danken den Studenten und ganz besonders Frau Prof. Jana Tereick für Ihr großes Engagement.

Zur Ausstellung ist Unterrichtsmaterial für unterschiedliche Altersstufen verfügbar.

Mehr Infos: http://kinder-vom-bullenhuser-damm.de/projekte.php


Nachdem die Geschichte in Hamburg fast in Vergessenheit geraten war, machte der Journalist Günther Schwarberg sie 1979 durch eine Artikelserie im Magazin STERN sowie mehreren Publikationen einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Durch aufwendige Recherche fand Günther Angehörige der ermordeten Kinder, mit denen er die Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm gründete sowie 1980 die Gedenkstätte Bullenhuser Damm. Bis 1999 wurde die Gedenkstätte privat von der Vereinigung Kinder vom Bullenhuser Damm geführt. Die Vereinigung organisiert seit 1979 die jährliche Gedenkfeier am 20. April und hält den Kontakt zu den Angehörigen weltweit.

Bislang waren die Lebensgeschichten von 18 Kindern bekannt oder zumindest ihre Nachnamen. Im Jahr 2015, 70 Jahre nach der Ermordung und dem Ende des 2. Weltkrieges, konnte auch der 12jährige Junge Walter Jungleib identifiziert werden. Seine Schwester Grete Hamburg überlebte als Jugendliche den Holocaust und lebt heute nahe Tel Aviv. 2016 ist sie zum ersten Mal nach Deutschland gereist und hat die Gedenkfeier und den Todesort ihres Bruders besucht.

Im April 2015 kamen zum 70. Jahrestag des Kindermordes über 50 Jugendliche aus fünf europäischen Ländern in Hamburg zusammen, um sich mit der Geschichte der Kinder vom Bullenhuser Damm und deren Folgen auseinanderzusetzen. Die Schüler aus Polen, Italien, Frankreich, den Niederlanden (die Länder, aus denen die 20 Kinder kamen) und Deutschland recherchierten zuerst in ihren Heimatländern: Sie gingen auf Entdeckungstour in ihren Städten, interviewten Angehörige und besuchten Archive. Wer waren die Kinder, wird an sie gedacht, wie sieht es mit der Erinnerungskultur in meiner Stadt aus?


„Wie Bilder an der Wand aufgehängt“

Katja Iken für SPIEGEL online / mit Fotostrecke | Artikel lesen

Kurz vor Kriegsende ermordete ein SS-Kommando in einer Hamburger Schule 20 Kinder, um grausame Menschenversuche zu vertuschen. Sergio, 7, wurde mit einer teuflischen Lüge gelockt – seine Cousine Tatiana war gewarnt.


Harburger Bücherhalle

Die Kinder vom Bullenhuser Damm
Ausstellung MI 27 OKT bis 14 NOV 20

Di-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr
Eintritt frei

Es gelten die Zugangsbedingungen der Hamburger Bücherhallen, also Mund-Nasen-Schutz und Mindestabstand zu anderen Personen von 1,5m. Wer das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes verweigert, kann daher nicht zugelassen werden! Wir sind verpflichtet, Ihre Namen und Kontaktdaten aufzunehmen. Wer Symptome einer Erkrankung der Atemwege hat, darf an den Veranstaltungen nicht teilnehmen.

Veranstalter: initiative Gedenken in Harburg
Im Rahmen der Harburger Gedenktage 2020 | Programm ansehen


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