Der TRAUM vom Süden – Die Sammlung des Senators Martin Johan JENISCH

Senator a.D. Martin Johan JENISCH, der Jüngere

Die Ausstellung präsentiert eine exquisite Auswahl von Gemälden aus der Sammlung Jenisch, u.a. von namhaften Künstlern wie Johan Jacob Gensler, Anton Melbye, Franz Xaver Winterhalter, Franz Ludwig Catel sowie der Brüder Franz und Johannes Riepenhausen. Da der öffentliche Museumsbetrieb vorläufig bis zum 05.05.2020 eingestellt wurde, ist ein sehr empfehlenswertes DIGITORIAL erstellt worden, das sich auf dem hohen Niveau der Frankfurter Museen befindet.


Von seinen großen Reisen nach Südeuropa brachte der Hamburger Senator Jenisch über 100 Gemälde aus den berühmtesten Ateliers mit. Und auch sein Landsitz in Klein-Flottbek weist zahlreiche Reminiszenzen an die Architektur und Landschaft auf, die er unterwegs beobachtete.

Jenisch besuchte die Malerbrüder Riepenhausen und andere deutsche Maler häufig in ihren Ateliers in Rom. Er war besonders fasziniert vom Künstlerleben der sogenannten „Deutschrömer“, in dessen Mittelpunkt der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen stand.

Seine Atelierbesuche in Rom und anderen Städten Italiens dokumentierte Jenisch in seinen Reisetagebüchern, aus denen Zitate und Kommentare in der Ausstellung erläutern, was den hanseatischen Kunstliebhaber zum Kauf des jeweiligen Bildes motivierte.


Der Traum vom Süden

Die Sammlung des Senators Martin Johan Jenisch

Jenisch-Haus, Hamburg | bis 18. Januar 2021

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Mit dem Jenisch-Haus als klassizistischer Sommerresidenz mit malerischem Blick auf den Elbstrom verwirklichte sich der Hamburger Senator Martin Johan Jenisch (1793-1857) seinen Traum vom Süden. Von den Architekten Franz Gustav Forsmann und Karl Friedrich Schinkel in den Jahren 1831 bis 1834 im Stil des antikisierenden Spätklassizismus errichtet, stellt das Jenisch Haus eine Form von Gesamtkunstwerk dar. Denn auch die Innenausstattung wurde vom Bauherrn sorgsam kuratiert. Jenischs Gemäldesammlung war zu seinen Lebzeiten eine Hamburger Sehenswürdigkeit und wurde im Adressbuch von 1833 ausdrücklich als kleine Sensation empfohlen.

Unbekannter Künstler, Landsitz des Senators Jenisch auf Flottbeck, Lithographie, um 1850, Foto SHMH

Bei seinem Tod 1857 hinterließ Martin Johan Jenisch über 100 Gemälde, zahlreiche Grafiken und Skulpturen. Diese Kunstwerke, mit denen er auch seine Wohnsitze in Hamburg und Blumendorf ausstattete, erwarb er auf Auktionen, bei Galerieausstellungen in Berlin, Düsseldorf und München sowie während zweier Reisen nach Italien. Neben den Kunstwerken sammelte er Lackdosen und Siegel, aber auch Orchideen und Kakteen. Mit dem Jenisch Haus schuf sich der Senator als repräsentativen Ort für einen Teil seiner Sammlung eine exklusive villa suburbana, mit der er sich – wie viele Bankiers, Großhändler, Industrielle und Kaufleute seiner Epoche – an den typischen Statussymbolen eines aristokratischen Lebensstils orientierte. Von der einzigartigen Atmosphäre der bis heute sehr beliebten Parkanlage umgeben, gab das Ehepaar Jenisch in ihrem Sommerhaus aufwendige Gesellschaften und Salonabende für prominente Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

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Die Gemäldesammlung moderner Meister wurde durch den hamburgischen Bausenator Martin Johann Jenisch d. J. (1793-1857) in der Zeit von etwa 1830 bis 1840 begründet.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte sie nur geringe Abgänge durch Verkäufe, wohl aber einige Ergänzungen durch Ankäufe kurz vor und nach der Jahrhundertwende erfahren. Heute umfasst die Sammlung etwa 140 Bilder, von denen rund 100 noch aus den Erwerbungen von Martin Johann Jenisch d. J. stammen, so dass dieser Bestand eine der ganz wenigen nahezu vollständig erhaltenen bürgerlichen Sammlungen damals zeitgenössischer Kunst in Deutschland ist.

Erworben hatte Jenisch die Bilder auf Ausstellungen von Galerien und Kunstvereinen, bevorzugt in Berlin, Düsseldorf und München sowie auf Reisen nach Italien. Nicht nur Museen, sondern auch Künstlerateliers wurden besucht, Käufe getätigt oder Bilder in Auftrag gegeben. Allein für das Jahr 1830 lässt sich der Kauf von 24 Bildern nachweisen. Mit der Entscheidung, junge Künstler zu sammeln, war Jenisch einer der ersten modernen Kunstförderer in Hamburg.

Die Bilder waren vor allem für sein erstes und zweites Hamburger Stadthaus und für sein repräsentatives Landhaus bestimmt. Die private Gemäldegalerie bot, was Sujets und Stil angeht, ein Panorama der gängigen Kunstbestrebungen. Es finden sich historische und militärische Motive neben Beispielen der religiösen Malerei, Landschaftsbilder von erhabenem Pathos neben Genreszenen. Die genrehafte Auffassung vieler Sujets lässt sich als Charakteristikum der Malerei jener Zeit benennen, und Jenisch folgte diesem Trend. Häufig war es das Anrührende, das Idyllische und das Malerische, das Gefallen fand.

Die Wertschätzung der Sammlung mag ein Hinweis im Hamburger Adressbuch von 1833 belegen, in dem sie unter dem Zusatz Moderne Meister unter den hamburgischen Sehenswürdigkeiten aufgezählt ist.1969 überließ die Familie die Sammlung dem Altonaer Museum als langfristige Leihgabe. Neunzehn Werke bester Qualität konnten nun aus dem Kern der Sammlung erworben und somit für die Öffentlichkeit bewahrt werden. Hierzu gehören Gemälde von Albrecht Adam, Carl Georg Adolph Hasenpflug, Michael Neher, August Heinrich Riedel, Carl Rottmann oder Franz Xaver Winterhalter.Den Ankauf förderten neben der Kulturstiftung der Länder die Siemens-Kulturstiftung, das Bundesverwaltungsamt, die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, die Freie und Hansestadt Hamburg und der Verein der Freunde des Altonaer Museums.


Jenisch-Haus im Jenischpark
Baron-Voght-Straße 50, 22609 Hamburg

shmh.de/de/jenisch-haus

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