DER PLAN – Unkapitulierbar

DER PLAN – Unkapitulierbar

DER PLAN / Rollstuhlgerecht / Auf Kampnagel | Foto: Oliver Schultz-Berndt

Der Plan (Weltaufstandsplan) gilt als eine der wichtigsten deutschsprachigen Bands der frühen 1980er Jahre. Beeinflusst von Bands wie Kraftwerk und den Residents schufen Moritz R®, Kurt Dahlke aka. Pyrolator und Frank Fenstermacher die musikalische Grundlage für die sogenannte »Neue Deutsche Welle«, die im Gewand von elektronischem Schlager den subversiven Witz der »genialen Dilletanten« in den Mainstream trug.


Auf einem ihrer seltenen Auftritte stellt die Band mit ausgefeilten Projektionen das Album und weitere Stücke ihrer Geschichte in speziellen Live-Versionen vor.

DER PLAN

Freitag, 23. November 2018 von 20 bis 23 Uhr
Kampnagel – Internationales Zentrum für schönere Künste
Jarrestraße 20, 22303 Hamburg

Tickets: VVK 12 Euro / AK 14 Euro


Auf ihrem eigenen ATA TAK Label, eines der ersten europäischen Indie-Labels überhaupt, veröffentlichten sie Musik von so wegweisenden Bands und Musikern wie DAF, Element of Crime, Andreas Dorau und Fehlfarben und wirkten in unterschiedlicher Funktion auch an deren Produktionen mit.

Nach 25 Jahren und unzähligen popkulturellen Verzweigungen hat die Band sich wieder zusammengetan und 2017 das Album »Unkapitulierbar« auf dem Hamburger Avantgarde Label Bureau B veröffentlicht.

VIDEO | Der Plan – Wie der Wind weht – 2017

Jawohl! Richtig gehört: Moritz R®, Kurt Dahlke aka Pyrolator und Frank Fenstermacher haben sich nach 25 Jahren im Studio getroffen und ein neues Album aufgenommen. Für die später Hinzugekommenen: ohne Übertreibung kann man behaupten, dass DER PLAN eine der, wenn nicht die wirkmächtigste deutsche Band der musikalischen Aufbruchszeit am Anfang der 1980er Jahre war.

Vielleicht ist sie es sogar noch? DER PLAN war immer mehr als eine Band: eine Art dreiköpfiger Renaissance-Mensch, dem visuelle Kunst ebenso wichtig war wie die Musik. Das von Pyrolator, Reichelt und Fenstermacher gegründete Label ATA TAK war eines der ersten kontinental-europäischen Indielabels und veröffentlichte Alben von DAF, Andreas Dorau, Holger Hiller oder auch Element of Crime. Reichelt entwarf Cover für Depeche Mode und initiierte maßgeblich das Tiki/Lounge-Revival Anfang der 1990er.

Fenstermacher spielte auf „Monarchie & Alltag“ und legte einige Soloalben vor. Kurt Dahlke ist u.a. Produzent und Programmierer, zuletzt für Edgar Froese. „Mehr Kunst in die Musik, mehr Musik in die Kunst“ war die Devise. Und trotzdem (oder gerade deshalb?) war Der Plan kein verkopftes Bandkonzept, sondern Pop im besten Sinne: verspielt, furchtlos und neugierig wollten sie stets „mit dem jeweiligen Stand der Technik arbeiten und uns ausdrücken“ so Dahlke.

Und wenn der jeweilige Stand der Technik nicht genügte, wurde halt selber was gelötet. Das vom Plan erdachte GeriReig-Prinzip war eine Eigenwortschöpfung, die die Idee der „Genialen Dillettanten” vorwegnahm. Folgerichtig hatte der PLAN nicht nur Fans aus der bundesdeutschen In-Crowd, sondern erfreute sich auch in den USA, England und Japan einiger Bekanntheit. Daniel Miller, Tom Waits, Mark Ryden und ungenannte Andere zählen zu ihren Hörern.

Der trotzige Titel des neuen Albums lautet „Unkapitulierbar“ und soll sowohl Kontinuität als auch Ungebrochenheit sigalisieren. Keine Selbstverständlichkeiten, nachdem die drei Musiker ein Vierteljahrhundert eigene Wege gegangen sind.

Wie so oft bedurfte es eines äußeren Anlasses als Funke, um die Idee eines Comebacks zu zünden: Als Geburtstagsband beim 50sten von Andreas Dorau konnte sich die Band davon überzeugen, dass sie noch Spaß am gemeinsamen Musizieren hatte – und das Publikum, dass dabei durchaus hörbare Ergebnisse herauskamen. Also trug die Band im Laufe der Jahre entstandene Skizzen, Fragmente und Ideen zusammen und produzierte in Pyrolators Ata Tak Studio Berlin innerhalb von drei Wochen „Unkapitulierbar“. Moritz R dazu: „Es funktionierte unfassbar gut”. „Diesmal entstand die Musik eher auf Grundlage von Ideen und Texten. Früher haben wir oft improvisierte Sessions gespielt und nachträglich Texte dazu gezimmert. Man kann sagen, dass wir inzwischen so etwas wie Songwriter geworden sind.“ erklärt Reichelt.

Und: „Der Plan 2017 ist nicht mehr so eckig und swingt besser.“ Die Musik klingt aber auch immer noch psychedelisch: mild und sonnig, wie bei „Es heißt: die Sonne“, „Come Fly with Me“ oder „Was kostet der Austritt?“, oder dunkel und unheimlich bei „Ich kann die Stille hören“ und „Gesicht ohne Buch”. Es gibt eine Art elektronischen Shanty – „Wie der Wind weht“ – und einen Popsong mit „Lass die Katze stehn!“. Bei „Man leidet herrlich“ werden – nicht zum ersten Mal – Reggae und Dub-Bezüge hergestellt.


VIDEO | Der Plan – Da vorne steht ’ne Ampel – 1983


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Internationales Zentrum für schönere Künste
Jarrestraße 20
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