CHARLOTTE MARCH | Fotografische Werkschau

Die groß angelegte Werkschau in der Sammlung Falckenberg legt den Fokus auf die bisher wenig bekannten Arbeiten der für ihre Mode- und Werbeaufnahmen anerkannten Hamburger Fotografin.

Charlotte March, Donyale Luna mit Goldohrringen für "twen", 1966 (1999)
© Courtesy Deichtorhallen Hamburg / Sammlung Falckenberg

Die Ausstellung zeigt vom 21. Mai – 28. August 2022 mit rund 300 Werken einen Querschnitt durch alle Schaffensphasen der Künstlerin.


Der zur Sammlung Falckenberg gehörende Nachlass Charlotte Marchs bildet die Grundlage für eine Neuentdeckung der Fotografin, die für Magazine wie Brigitte, Stern, Elle, Vogue Italia, Vanity Fair, Harper’s Bazaar und twen gearbeitet hat.

Zusehen sind ihre frühen dokumentarischen Fotografien im Hamburg der 1950er-Jahre über Aufnahmen von ihren Aufenthalten auf der damals vom Massentourismus noch unberührten Insel Ischia bis hin zu den späteren internationalen Mode- und Werbeaufträgen.

Charlotte March, Ischia, Italien, 1953
Schwarzweißfotografie, Baryt, 24 x 27 cm
© Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg

Das weitgehend unbekannte fotografische Frühwerk Marchs aus den 1950er Jahren knüpft an die »humanistische Fotografie« jener Zeit an und bildet einen wichtigen, bisher wenig beachteten Beitrag zum kulturellen Gedächtnis der Stadt Hamburg.

Ihr hochsensibler Blick auch auf die Ränder der Gesellschaft im Nachkriegs-Hamburg führt sie an marginalisierte, gänzlich unglamouröse Orte der sich im Wandel befindenden Stadt. March lässt uns hinter die Kulissen blicken, zeigt den Alltag von Bonbon-Machern und Händler*innen wie auch das Leben auf der Reeperbahn.

Charlotte March, Fischmarkt, Hamburg, 1955 
© Charlotte March, Deichtorhallen Hamburg/Sammlung Falckenberg

In späteren Auftragsarbeiten verweist Marchs Blick auf eine emanzipatorische Haltung sowie ein Lebensgefühl der Freiheit und des gesellschaftlichen Aufbruchs. Charlotte March wollte ihre Modelle anders aussehen lassen als damals üblich. Die Fotografin kommunizierte über das Fotografieren mit ihren Modellen, deren modernes, ungebundenes Lebensgefühl sie teilte – mit einem offenen Blick für das, was der Alltag oder auch der Zufall ihr bei der Aufnahme zuspielte.

Sie zeigte Frauen, die vor der Kamera rauchten oder Werbung für Bier machten. Sie propagierte ein modernes Frauenbild, war revolutionär und stilbildend, auch weil sie als eine der ersten Fotograf*innen in Deutschland wie selbstverständlich mit Schwarzen Models zusammenarbeitete.

KATALOG.
zur Hamburger Ausstellung

Hardcover mit Schutzumschlag
192 Seiten
130 Abbildungen
Hatje Cantz Verlag
Deutsch, Englisch
24,50 x 34,00 cm


Nach dem Tod des Lebensgefährten Charlotte Marchs, dem Hamburger Künstler und Schauspieler Balduin Baas, übernahm Harald Falckenberg 2006 den Nachlass der Fotografin und sorgte für die Archivierung und Aufarbeitung des Werkes. Der Nachlass Charlotte March umfasst ca. 30.000 Aufnahmen und wird heute in der Sammlung Falckenberg verwahrt.

Charlotte March via International Photography Year Book 1967

Die Ausstellung in der Sammlung Falckenberg wurde von Goesta Diercks und Dirk Luckow in enger Zusammenarbeit mit Manju Sahwney, Fotografin und langjährige Assistentin Marchs sowie Archivarin des Nachlasses, im Rahmen der 8. Triennale der Photographie Hamburg 2022 kuratiert.

Die Werkschau wird von einer Auswahl fotografischer Positionen aus der Sammlung Falckenberg begleitet – darunter Werke von Larry Clark, Philip-Lorca diCorcia, William Eggleston, Fergus Greer, Irving Penn und Nan Goldin.


Mann, oh Mann

Das 1977 veröffentlichte Buch Mann, oh Mann – Ein Vorschlag zur Emanzipation des attraktiven Mannes wurde breit diskutiert, zeigte es doch erstmalig explizit eine weibliche Sicht auf den männlichen Körper.

Mann, oh Mann.
Ein Vorschlag zur Emanzipation des attraktiven Mannes

Gebundene Ausgabe
127 Seiten
Herausgeber: Kehl/Rhein / Swan
Sprache: Deutsch
34x24cm

Inzwischen kultiger Riesenbildband

“”Mann, oh Mann!” ist das erste Buch von Charlotte March. Sie wollte nie ein Buch machen, das sich nicht wesentlich von anderen – ihrer Meinung nach meistens zu oberflächlichen – Foto-Büchern unterschied.

Nun ist ihr gelungen: dieses Buch wird schockieren, beunruhigen, zum Lachen herausfordern. Komisch, sexy, unwiderstehlich. Ein Buch für alle Frauen und alle Männer.

Derselbe Mann tritt auf jedem Bild der 128 Seiten auf, aber was für ein Mann! Jedes mal ist er ein anderer, sein Charakter ändert sich, nicht nur sein Äußeres. Der Mann in seinen vielen Verkleidungen: Der Supermann, der Zärtliche, der Weltgewandte, das Sex-Symbol, der Clown, das Fabelwesen, der Schöne, der Häßliche, der Transvestit.

Charlotte March hat diesen ungewöhnlichen jungen Mann entdeckt und damit den Spieß umgedreht: Eine Frau fotografiert einen Mann, konsequent. Mit außerordentlichem Gespür hat sie ihn eingefangen, in Bildern, die einfach Dynamit sind.

Ungewöhnlich ist auch die Art der Betextung, sporadisch tauchen Zitate auf, die von Kindersprüchen bis zu Christoph Columbus reichen. Außerdem schrieb Charlotte March eine Introduktion. Die Arbeit an diesem Buch dauerte zwei Jahre.


SAMMLUNG FALCKENBERG

www.deichtorhallen.de

Die Sammlung Falckenberg ist eine Dependance der Deichtorhallen in den Phoenix-Hallen, Hamburg-Harburg und kann innerhalb der üblichen Öffnungszeiten zu den normalen Eintrittspreisen besucht werden.

CHARLOTTE MARCH

Eröffnung: SA., 21. Mai 2022, 14 Uhr in der Sammlung Falckenberg
Begrüßung: Dirk Luckow, Intendant Deichtorhallen Hamburg, sowie Rasha Salti und Gabriella Beckhurst Feijoo, Kuratorinnen der 8. Triennale der Photographie. Zum Werk von Charlotte March spricht Hans-Michael Koetzle, Fachautor und freier Kurator.
Die Ausstellung ist am Eröffnungstag von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Ausstellung bis 28. August 2022

Die Ausstellung findet im Rahmen der Phototriennale Hamburg statt. Kuratiert von Goesta Diercks und Dirk Luckow in Kooperation mit Manju Sawhney.

ÖFFNUNGSZEITEN
Sonntags, 12–17 Uhr ohne vorherige Anmeldung.
Im Rahmen von Führungen freitags 16 und 18 Uhr sowie samstags 15 Uhr

Eintritt: 15 Euro / erm. 12 Euro
Aufgrund begrenzter Teilnehmerzahl ist eine Ticketbuchung zwingend erforderlich unter tickets.deichtorhallen.de



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