Alex Wissel & Jan Bonny | RHEINGOLD

Alex Wissel & Jan Bonny | RHEINGOLD

Joachim Król - Filmstill aus Rheingold von Jan Bonny und Alex Wissel

Eine Webserie, u.a. gedreht an der Volksbühne Berlin vom Künstler Alex Wissel und dem Regisseur Jan Bonny in Zusammenarbeit mit Bibiana Beglau, Matthias Brandt, Joachim Król und anderen, ist Teil der Ausstellung im Kunstverein Harburger Bahnhof, die den alten Wartesaal ebenso bespielt wie das gläserne Wartehäuschen davor.


Hinzu kommen Bühnenbildelemente, Malereien und Zeichnungen, die allesamt um den Fall von Helge Achenbach kreisen. Er hatte vielen Menschen Kunst verkauft und sie dabei betrogen, indem er seine Rechnungen fälschte. 2014 wurde er am Flughafen verhaftet, als er aus dem von ihm für die Deutsche Nationalelf mit Kunst ausgestatteten Campo Bahia zurückkehrte. Vor Gericht hatte er gesagt, seine gefälschten Rechnungen seien Collagen.

Filmstill aus Rheingold von Jan Bonny und Alex Wissel

Ein radikales Verständnis von Beuys Diktum:

Jeder Mensch ist ein Künstler?

Die Ausstellung zeichnet ein fragwürdiges Gesellschaftsporträt. Es werden Geschichten collagiert, erfunden und improvisiert, die von der sozialen Plastik, Macht, Hochstapeleien und großen Missverständnissen erzählen.

Die Protagonist*innen in Wissels und Bonnys „Rheingold“ verstehen in Beuysscher Tradition Kunst als Motor für gesellschaftlichen und individuellen Fortschritt: Kunst als Weg zum Erfolg. Es ist aber auch ein Weg, der sich von hehren Grundsätzen und / oder Ideologien immer weiter entfernt, zum millionenschweren Betrug und zum Machtmissbrauch führt, aber auch zum deutschen WM-Sieg 2014 in Brasilien. Und wieder lässt sich Beuys bemühen und fragen: Wessen Realität?

Demokratie und Liberalismus eröffnen in Hinblick auf die in ihr möglichen Freiheits-, Macht-, Arbeits- und Wirtschaftsbegriffe die Bühne, auf der sich ungewohnte Bündnisse bilden, Gegensätze verschwimmen und neue Gegensätze entstehen.

In diesem Sinne gehen in Alex Wissels Bühnenbildelementen und Zeichnungen Slogans aus Kunst, Ökonomie und Politik narrative und humorvolle Verbindungen ein. Irgendwo zwischen Werbedisplay, WM, neoliberaler Politik und Wiederhall künstlerisch-aktivistischer Positionen der 1960er Jahre, kreist der ganze „Rheingold“-Komplex stets auch um Versprechen und Träume, die in den Zeichnungen, Malereien und Objekten ihren mantraartigen Niederschlag finden.

Rheingold

ist eine augenzwinkernde Gesellschaftssatire, welche um den Aufstieg und Fall des Düsseldorfer Kunstberaters Helge Achenbach kreist, der durch die Manipulation von Rechnungen (Künstler-Collagen!) ein Vermögen verdiente und dafür zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Rheingold hatte Achenbach eine von ihm zusammen mit einigen Superreichen initiierte Sammlung genannt.

Mit leichtem Ton entwerfen der Regisseur Jan Bonny und der Künstler Alex Wissel ein zeitgenössisches Sittenspiel über die Rolle der Kunst im neoliberalen Wandel und den Verlust politischer und humanitärer Werte einer ganzen Generation. Gedreht in der Volksbühne, werden die Bühnenbilder die Unwirklichkeit dieses wahren Märchens nochmals überhöhen.

Eine mehrteilige Geschichte über die Sehnsüchte eines Hochstaplers und die große Frage: Wie wurde aus dem Beuys-Diktum „Jeder Mensch ist ein Künstler“ die Ich-AG? Was geschah wirklich in den letzten 25 Jahren in Deutschland? Mit der SPD? Den Hoffnungen von 68? Der Kunst?
Auf der Internetseite der Volksbühne sind alle Folgen zu sehen.

Mehr Infos

Filmstill aus Rheingold von Jan Bonny und Alex Wissel

Kunstverein Harburger Bahnhof
Im Fernbahnhof über Gleis 3 & 4
Hannoversche Str. 85
21079 Hamburg
www.kvhbf.de

Öffnungszeiten: Mi – So 14 – 18 Uhr
Eintritt frei
Geschlossen vom 24.12.2018 – 06.01.2019
Öffentliche Führungen an folgenden Donnerstagen, jeweils um 17.30 Uhr:
1. November, 29. November und 10. Januar

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