100 Jahre Hamburgische Sezession

100 Jahre Hamburgische Sezession

Plakat zur ersten Ausstellung der Hamburgischen Sezession | Detail

2019 feiert die Hamburgische Sezession in gleich drei Ausstellungshäusern ihr 100-jähriges Jubiläum. Die erste Ausstellung der Hamburgischen Sezession wurde am 14. Dezember 1919 in der Hamburger Kunsthalle eröffnet.


Die Hamburgische Sezession wurde 1919 als eine der letzten künstlerischen Sezessionsgruppen in Deutschland gegründet. Sie zählte bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1933 insgesamt 52 Mitglieder, darunter auch Architekten und Literaten. Die Vereinigung wollte das Umfeld für die Künste in der Kaufmannsstadt, in der es keine Kunstakademie gab, verbessern und eine Kunstszene etablieren. Bereits Alfred Lichtwark, der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle, hatte festgestellt, dass viele Künstler zur Ausbildung die Stadt verließen und nicht wieder zurückkehrten. Die Hamburgische Sezession markiert die Geburtsstunde der Kunstszene in Hamburg, die bis heute nachhallt.

Ihre Ausstellungen und deren begleitende Vorträge und Künstlerfeste erfuhren über 14 Jahre hinweg bis 1933 große Resonanz und erlangten auch überregionale Anerkennung. Stilistisch orientierte sich die Sezession zunächst am Expressionismus und an der Neuen Sachlichkeit, bevor sich Ende 1920er Jahre ein eigener Sezessionsstil entwickelte. Zu ihren wichtigsten Vertretern gehörten Anita Rée, Gretchen Wohlwill, Friedrich Ahlers-Hestermann, Eduard Bargheer, Willem Grimm, Erich Hartmann, Karl Kluth, Emil Maetzel, Dorothea Maetzel-Johannsen und Rolf Nesch.

Vom NS-Regime wurde die Hamburgische Sezession zum Ausschluss der jüdischen Mitglieder aufgefordert. Daraufhin löste sich die Gruppe am 16. Mai 1933 auf. Viele der Künstler erlebten in der Folgezeit Berufsverbot, Verfemung, einige emigrierten.


Friedrich Ahlers-Hestermann (1883-1973) - Porträt Anita Rée, 1915, Öl auf Leinwand, 
Dauerleihgabe Sammlung Hamburger Sparkasse, 
Foto: Fotostudio Grünke Hamburg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Museum für Kunst und Gewerbe, 21. März 2019 bis März 2020

Ein lebendiges Museum …

Max Sauerlandt und die Hamburgische Sezession

Mehr Infos

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) nimmt das Jubiläumsjahr zum Anlass, diese auch für das MKG spannende Zeit in den Fokus einer Ausstellung zu rücken. In der Haspa-Galerie werden unter anderem Grafiken der Sezessionsmitglieder Rolf Nesch, Arnold Fiedler sowie Willy Davidson und Fritz Flinte gezeigt. Außerdem sind Gemälde und Objekte der angewandten Kunst von Eduard Bargheer, Alma del Banco, Fritz Kronenberg sowie Anita Rée und Richard Haizmann und weiteren Künstlern zu sehen.

Neben den vielen Künstlerpersönlichkeiten der Hamburgischen Sezession ist diese Ausstellung auch Max Sauerlandt, von 1919 bis 1933 Direktor des MKG, gewidmet. Als leidenschaftlicher Verfechter der Moderne von internationalem Zuschnitt unterstützte er die Künstler*innen, die sich 1919 in der Hamburgischen Sezession zusammenfanden, mit der Idee vor Augen, Hamburgs Kunstleben nach der Zäsur des Ersten Weltkriegs wieder aktiv zu gestalten.

Sauerlandt kaufte die Arbeiten der Sezessionisten und prägte das Hamburger Kunstleben als Direktor der Landeskunstschule. „Je lebendiger ein Museum ist“, so Sauerlandt 1925 „umso lebendiger wird die öffentliche Teilnahme an seinem Ergehen.“ Dass dieses Engagement Wirkung zeigte, spiegelt Neschs Mutmaßung, Hamburg werde Berlin als Metropole der Moderne recht bald den Rang ablaufen.

Eine Ausstellung mit Werken aus dem MKG und aus der Sammlung Hamburger Sparkasse. Rund 350 Exponate dieser Sammlung, vor allem von Künstlern der Hamburgischen Sezession, befinden sich seit 2002 als Dauerleihgabe im MKG.


Erich Hartmann - Paar vor Ziegelei, undat., Oel auf Leinwand, Sammlung SHMH

Jenisch-Haus, 14. April 2019 bis 13. Januar 2020

Tanz des Lebens. Die Hamburgische Sezession 1919-1933

Die Ausstellung „Tanz des Lebens. 100 Jahre Hamburgische Sezession“ im Jenisch Haus stellt das breite künstlerische Spektrum der Künstlervereinigung anhand von Gemälden, Grafiken und Plastiken vor. Neben Porträts, Stillleben und Tierdarstellungen aus den frühen Jahren der Sezession versammelt die Ausstellung Stadtdarstellungen, Bilder vom Hamburger Hafen und vom Hamburger Nachtleben sowie künstlerische Einblicke in das damalige Freizeitverhalten. Darüber hinaus sind Reise- und Landschaftsbilder aus den späteren Sezessionsjahren zu sehen.

Der Ausstellungstitel „Tanz des Lebens“ ist einem Holzschnitt von Heinrich Steinhagen aus der ersten Ausstellung im Jahr 1919 entlehnt. Die Exponate stammen aus dem Bestand des Altonaer Museums und aus privaten Sammlungen und Nachlässen. Die meisten Arbeiten sind bisher nur selten gezeigt worden oder erstmals öffentlich zu sehen.

  • Gebundene Ausgabe: 120 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 22,7 x 1,7 x 27,7 cm
  • LESEPROBE

Die Hamburgische Sezession wurde 1919 gegründet. Die progressive, avantgardeorientierte, bald elitäre Künstlervereinigung prägte das Kulturleben Hamburgs bis 1933 nachhaltig. Ihr Anliegen war es, in Hamburg ein kunstfreundliches Milieu zu etablieren.

In den Werken der 52 Mitglieder spiegelt sich der Einfluss der Kunstströmungen jener Zeit, später entwickelte sich auch ein eigener Stil. Namentlich gegenwärtig sind heute noch Friedrich Ahlers-Hestermann, Eduard Bargheer, Arnold Fiedler, Willem Grimm, Erich Hartmann, Karl Kluth, Emil Maetzel, Dorothea Maetzel-Johannsen, Rolf Nesch, Anita Rée oder Gretchen Wohlwill.

Der Band stellt Werke der Sezessionisten vor und zeigt deren stilistische Entwicklung. Er beschreibt Motive und Sujets, stellt die Aktivitäten der Gruppe, insbesondere deren Ausstellungsreihe und Künstlerfeste vor und nimmt die Folgen des Ersten Weltkriegs, die Stadt Hamburg und den Hafen, das Rotlichtmilieu, Freizeitbeschäftigungen, aber auch die Ächtung jüdischer Künstler durch das NS-Regime in den Blick.


Dorothea Maetzel-Johannsen (1886 – 1930) - Zwei Akte mit Mondsichel, 1919, 
Öl auf Leinwand, 128,5 x 76,5 cm, Detail, 
Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

Hamburger Kunsthalle, 30. August 2019 bis

100 Jahre Hamburgische Sezession

Die Hamburger Kunsthalle, in der die Sezessionisten am 14. Dezember 1919 ihre erste gemeinsame Ausstellung eröffneten, zeigt ab Ende August rund 40 Werke.

In den weitläufigen historischen Rundgang der Klassischen Moderne werden rund 40 Gemälde und Skulpturen verschiedener Mitglieder der Sezession eingefügt – darunter Werke von Friedrich Ahlers-Hestermann, Alma del Banco, Karl Ballmer, Arnold Fiedler, Fritz Flinte, Ivo Hauptmann, Paul Henle, Karl Kluth, Dorothea Maetzel-Johannsen, Rolf Nesch, Anita Rée, Otto Rodewald, Heinrich Steinhagen, Heinrich Stegemann, Friedrich Wield und Gretchen Wohlwill.

In der direkten Nachbarschaft zu Werken anderer Künstler der europäischen Moderne können die vielfältigen Bezüge der Hamburgischen Sezession zu den unterschiedlichen Kunstströmungen ihrer Zeit erkundet werden.


HISTORISCHE PRESSESCHAU

Die Hamburgische Sezession

Richard Tüagel für DIE ZEIT, 24. April 1947 | Artikel lesen

„Als 1931 die Hamburgische Sezession zum erstenmal in dem neuen Gebäude des Kunstvereins, zu dessen Errichtung sie so viel beigetragen hatte, ihre Jahresausstellung eröffnete, sagte der sonst nicht leicht begeisterte Gustav Pauli, der damalige Direktor der Hamburger Kunsthalle, in seiner Ansprache: „Eine Schwalbe heißt es, macht noch keinen Sommer, aber angesichts so vieler Schwalben darf man wohl von einem Hamburger Kunstfrühling sprechen.“

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