REALISMUS mit Schleife

REALISMUS mit Schleife

Chris Reinecke | 1960er Jahre [ Foto-Copyright: Jörg Immendorff ]

„Realismus mit Schleife“ ist eine Gruppenausstellung, die nach den Schnittstellen zwischen Subjekt und Realität fragt. Die beteiligten KünstlerInnen verbindet eine präzise Beobachtung des sie umgebenden gesellschaftlichen Raumes. Sie betrachten auf eigenständige Weise und in unterschiedlichen Gewichtungen die Kreisläufe und Dynamiken, die sich in die Spannungen und Beziehungen zwischen Subjekt und Realität einschreiben.


Die Ausstellung hat ihren Anfangspunkt in einer gewachsenen Faszination und Freude am historischen wie gegenwärtigen Werk von Chris Reinecke.

Chris Reinecke (*1936) ist eine der bekanntesten Künstlerinnen der Studentenrevolte der 1960er Jahre. Mit ihren Objekten, Aktionen und Konzepten erregte sie immer wieder Aufsehen. Ihr Werk ist auf den Dialog mit dem Betrachter ausgerichtet, zielt ab auf Bewusstseinserweiterung und politische Veränderung. Zusammen mit Jörg Immendorff, den sie 1964 kennenlernte und später heiratete, gestaltete sie in den Jahren 1968 bis 1969 die neodadaistische Kunstaktion LIDL. [ via wikipedia ]

Was als Realität begriffen wird, ist dabei ein fragiles Zusammenspiel verschiedener Bedingungen und Beziehungen, das subjektive ebenso wie gesellschaftlich-kulturelle und auch technische Filter durchläuft.

Die Schleife im Ausstellungstitel ist dem Werk von Chris Reinecke entlehnt. Eine gewachsene Faszination für ihre Arbeiten von den 1960er Jahren bis heute hat den Anstoß für diese Gruppenausstellung gegeben, die sie aber nicht als historische Ausgangsposition sieht, sondern als Teil einer intergenerationellen, gegenwärtigen Kunstproduktion.

Realismus verstrickt sich notwendig in seine Gegenwart. In Arbeit und Zeit, Beobachtungen, Bilder und Techniken, Körper und Identitäten, und in Räume. Er hat einen Beobachtungsstandpunkt und ein Material, mit dem er umgeht, das auch ein gesellschaftliches Material ist. Das Verstricken beinhaltet eine Nähe zu dem, was ist, aber auch eine Distanz, die nicht unbedingt Sicherheit, aber einen offenen Raum bietet. In ihm kann nach einem Verstehen und nach einem Dialog gesucht werden, in denen Verfallsdaten und Wertigkeiten enthalten sind. Schleifen, die gebunden und gelöst werden können und immer eine Aufforderung sind.

Weitere KünstlerInnen: Juliette Blightman, Ellen Gronemeyer, KAYA, Martin Kohout, Katrin Mayer, Pablo Schlumberger


Bildcredit: Chris Reinecke - durchlässig . focussing, 2017/2018
Aquarell, Tusche, Tuschefederzeichnung, Bleistift, Buntstift und Zeitungsausschnitte 
auf Papier und Bristolkarton, ca. 80 x 178 cm
Courtesy Beck & Eggeling International Fine Art
Foto: Peter Schuhböck, Wien

Chris Reinecke

Reinecke ist eine der bekanntesten Künstlerinnen der Studentenrevolte der 1960er Jahre. Mit ihren Objekten, Aktionen und Konzepten erregte sie immer wieder Aufsehen. Ihr Werk ist auf den Dialog mit dem Betrachter ausgerichtet, zielt ab auf Bewusstseinserweiterung und politische Veränderung. Zusammen mit Jörg Immendorff, den sie 1964 kennenlernte und später heiratete, gestaltete sie in den Jahren 1968 bis 1969 die neodadaistische Kunstaktion LIDL. [ via wikipedia ]

  • 24 FEB 19 |  13 – 16 Uhr
    Track_16: focussing durchlässig

    13-14 Uhr Stadtspaziergang mit der Geschichtswerkstatt Harburg
    14-18 Uhr Teezeremonie: DungeonTT von Martin Kohout mit Paul Sochacki
    15-16 Uhr Künstlergespräch: Chris Reinecke im Gespräch mit Lena Ziese
    16-17 Uhr Diskussionsrunde: Zentralität, Peripherie, Gentrifizierung und Teilhabe in Harburg – Runder Tisch zum offenen Gespräch: mit Christoph Twickel (Journalist), Anke Jobmann (Bezirksamt Harburg), Heiko Langanke (Suedkultur e.V.), Mathias Lintl (3falt / Stadtkultur Hafen) sowie Beteiligte aus Kulturwohnzimmer und Sauerkrautfabrik


Juliette Blightman

Sie wechselt in ihrer Arbeit zwischen Fotografie, Malerei, Zeichnung, Installation, Text und Film. Arbeiten von anderen Künstlern/innen und Familienmitgliedern werden Teil eines Ganzen. Das Aussen und sein Wirken auf ihr eigenes Tun werden auf diese Weise einbezogen. Was sich dabei zusammensetzt, ist geprägt von kinematografischen Einflüssen, die Blightmans künstlerische Ursprünge im Film erkennbar werden lassen.

Ihre künstlerische Auseinandersetzung fusst auf Beobachtungen und Eindrücken aus ihrem Leben, der Wirklichkeit, die sie alltäglich umgibt. Was sich zusammensetzt, ist ein Kaleidoskop aus Bildern ihrer Familie, der Freunde, Reisen, Feiern, der gemeinsam verbrachten Zeit, von Interieurs, Nahaufnahmen leicht zu übersehender Feinheiten – des eigenen Kosmos wie dem der anderen. Seit Jahren entsteht ein Archiv aus Momentaufnahmen, die den Fluss ihrer Tage markieren. Es handelt sich um den Versuch, für die gelebte Zeit eine Bildsprache zu finden und diese über die reine Vergänglichkeit hinauszuheben. Blightman sucht nach Formfindungen, die über das Festhalten flüchtiger Momente hinaus ein Bild des Geistes der eigenen Zeit zusammenfügen. Was sie montiert, ist ein Film, der kein Film ist, dessen Schnittfolge das Erlebte fassbarer werden lässt. Eine Projektion, in deren geworfenem Abbild das Jetzt verstehbarer wird.

Sie lebt und arbeitet in Berlin.

  • 27 APR 19 | 20 Uhr
    Propinquity (killing time), 2018
    Screening und Live Introduction mit Juliette Blightman

    Juliette Blightman’s Propinquity (killing time) (2018) ist eine neue Arbeit, die die Beziehung zwischen Ton, Standbild und bewegten Bildern untersucht. Blightman integriert persönliche Aufnahmen neben Fotografien und Bildern von Kunstwerken, spielt mit dem Beiläufigen und verankert das Werk in intuitiven Materialabläufen. Durch den Austausch von Dialogen auf dem Bildschirm wird der Soundtrack des Werkes mit stillen Gesprächen durchsetzt; durch präzise Bearbeitung und Komposition eröffnet Blightman die Rolle des Künstlers in einem großzügigen und subtilen Dialog.


Ellen Gronemeyer

war in Gruppenausstellungen im Neuen Aachener Kunstverein, Aachen (2017), der Kunsthalle Bern, Bern (2015) und den Deichtorhallen Hamburg, Hamburg (2011) vertreten. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

In Ellen Gronemeyers Malerei begegnen sich sehr verschiedene, alltägliche und unerwartete Elemente auf der Bildfläche. In einem zeitintensiven Prozess entstehen mit vielen Schichten vermeintlich harmlose, humorvoll wachsende, pastöse Kompositionen. Ihre Figuren und Gesichter durchlaufen metamorphosen, sind mal rechteckig, mal blumenartig wuchernd, und vor allen Dingen beobachtete Beobachter. Das Wechselseitige und das „Dazwischen“ ist eine grundlegende Eigenschaf von Gronemeyers Bildern, die nicht zuletzt auch die Frage aufwerfen: Wo fängt Realität an, wo hört sie auf?


KAYA (Kerstin Brätsch und Debo Eilers)

KAYA ist ein Gemeinschaftsprojekt der Malerin Kerstin Bratsch (*1969, Hamburg, Deutschland) und des Bildhauers Debo Eilers (*1974, Texas, USA), das sich um ihre damals 13-jährige Muse Kaya dreht. Das Projekt verbindet diverse Ausdrucksformen, unter anderem Malerei, Skulptur, Video und Performance. Beide leben und arbeiten in New York. KAYAs Arbeiten wurden weltweit in Ausstellungen im Fridericianum in Kassel, MWoods in Peking, im Museum Brandhorst in München, im KUB Kunsthaus Bregenz und bei der Whitney Biennale 2017 in New York gezeigt. Im Mai 2018 hatten KAYA eine Einzelausstellung in der Fondazione Memmo in Rom.

Ihre Arbeit für den Kunstverein Harburger Bahnhof entsteht in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Graffiti Künstler N.O.Madski, der für die Räume zwei großformatige Graffitis entwirft. Die Arbeit dehnt auf besondere Weise die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum im Bahnhof und öffnet die Kunst hin zu anderen Zeichensystemen.

Kerstin Brätsch wie auch Debo Eilers betrachten ihre jeweiligen künstlerischen Arbeitsfelder — Malerei beziehungsweise Skulptur — nicht als in sich geschlossene Medien, sondern als Gegenstand und Ausgangsmaterial eines konzeptuellen wie multi-disziplinären Ansatzes. Ihr Interesse liegt insbesondere auf Prozessen der Verschiebung, Abwandlung und Befragung von digitalen Bildverfahren und kunsthistorischen Stilen. In ihrer Zusammenarbeit mit Kaya nähern sie sich der Möglichkeit der Schaffung eines dritten Körpers an und damit der potenziellen Erweiterung ihrer skulpturalen und malerischen Forschungen. Was passiert, wenn Malerei oder Skulptur buchstäblich zu einem Körper werden?


Martin Kohout

ist ein Multimedia-Künstler und Verleger, der in Berlin und Prag lebt und arbeitet. In seiner Praxis untersucht er oft die verfremdenden und kreativen Aspekte der Technik. Seine multimediale Arbeit reagiert auf verschiedene Lebenssituationen, die Unverständlichkeit der heutigen Welt und die Unfähigkeit des Einzelnen, sich darin zurechtzufinden. Kohouts Hauptthema ist das Medium Internet und die Selbstreflexion des Menschen in der globalen Kommunikation, die widersprüchliche Erfahrungen bringt – Intimität und Aggression, Selbstvertrauen und Hilflosigkeit.

In der Ausstellung wird u.a. sein Film Slides (2017) zu sehen sein, der das Arbeiten bei Nacht thematisiert. Am Sonntag, 24.2. wird die Teezeremonie DungeonTT stattfinden, entwickelt gemeinsam mit Lars TCF Holdhus und hier mit dem Künstler Paul Sochacki durchgeführt.

Kohout produziert auch Klang- und Musikstücke unter dem Namen TOLE . TOLE zielt darauf ab, Kompositionen statt Spuren zu kreieren, Kraft statt Melodie und Details statt klarer Muster zu verschieben. Das Musikprojekt des in Berlin und Prag lebenden bildenden Künstlers Martin Kohout, TOLE verbindet Ideen aus seiner künstlerischen Praxis und Forschung mit eigenen Aufnahmen und Produktionen. [ via Residency Unlimited, New York ]

  • 24 FEB 19 |  13 – 16 Uhr
    Track_16: focussing durchlässig

    13-14 Uhr Stadtspaziergang mit der Geschichtswerkstatt Harburg
    14-18 Uhr Teezeremonie: DungeonTT von Martin Kohout mit Paul Sochacki
    15-16 Uhr Künstlergespräch: Chris Reinecke im Gespräch mit Lena Ziese
    16-17 Uhr Diskussionsrunde: Zentralität, Peripherie, Gentrifizierung und Teilhabe in Harburg – Runder Tisch zum offenen Gespräch: mit Christoph Twickel (Journalist), Anke Jobmann (Bezirksamt Harburg), Heiko Langanke (Suedkultur e.V.), Mathias Lintl (3falt / Stadtkultur Hafen) sowie Beteiligte aus Kulturwohnzimmer und Sauerkrautfabrik


Katrin Mayer

hat Kunst und Kunstwissenschaften in Karlsruhe und Hamburg studiert und lebt seit 2009 in Berlin. Ihre Arbeiten thematisieren Schnittstellen zwischen Kunst, Forschung, Architektur, Display und Dekor. Es geht ihr dabei um ein Verweben visueller Texturen und Oberflächen mit ortsspezifischen räumlichen und historischen Kontexten, häufig unter genderpolitischen Fragestellungen.

Mayer entwickelte Arbeiten unter anderem für folgende Institutionen: Kunsthalle Bielefeld, Kunstmuseum Stuttgart, Museum Abteiberg Mönchengladbach, Museum für Gegenwartskunst Siegen, KUB Arena Kunsthaus Bregenz, Kunstverein Düsseldorf, Grazer Kunstverein, HAU – Hebbel am Ufer Berlin, etc. Sie war Stipendiatin der Künstlerstätten Worpswede und Bleckede. [ via Villa Aurora & Thomas Mann House ]


Pablo Schlumberger

absolvierte 2018 die HFBK Hamburg. Er studierte Bildhauerei bei Prof. Andreas Slominski.

Für den Kunstverein entwirf Pablo Schlumberger eine Reihe neuer Brunnenskulpturen, die u.a. Puttenfiguren als hedonistische Elemente integrieren.


Kunstverein Harburger Bahnhof
Im Fernbahnhof über Gleis 3 & 4
Hannoversche Str. 85
21079 Hamburg
www.kvhbf.de

Öffnungszeiten:
Mi-So 14-18 Uhr
An den Osterfeiertagen geschlossen
Eintritt frei

Öffentliche Führungen: Jeden ersten Freitag im Monat um 18 Uhr und auf Anfrage

Realismus mit Schleife
23. Februar — 19. Mai 2019

Eröffnung
Freitag, 22. Februar, 19 Uhr

Der Kunstverein Harburger Bahnhof versteht sich als lebendiger Kunstraum im Süden Hamburgs, der sich der jungen Hamburger Kunstszene ebenso verpflichtet fühlt wie den internationalen Entwicklungen der aktuellen Kunstproduktion. Seit seiner Gründung 1999 befindet sich der Kunstverein im ehemaligen Wartesaal der 1. und 2. Klasse, des 1897 in Betrieb genommenen Bahnhofs. Er ist Präsentations- und Produktionsort für junge lokale, nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler und ein offen zugänglicher Raum für alle interessierten Besucher_innen (der Eintritt zu den Ausstellungen und Veranstaltungen ist traditionell frei).

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