PALAIS SCHAUMBURG – Veteranentreffen

PALAIS SCHAUMBURG – Veteranentreffen

PALAIS SCHAUMBURG - Hamburger New Wave der 1. Stunde | Veteranentreffen auf der Kampnagel
Abb.: Jens Ullheimer

Beeinflusst von den US-amerikanischen Residents und den künstlerischen Ideen des Dadaismus bildeten die 1981 gegründeten Palais Schaumburg mit ihrer avantgardistischen Tanzmusik eine Art Antithese, der zum „ironischen“ Schlager degenerierten Neuen Deutschen Welle. „Für diejenigen mit mittelmäßigem Geschmack galt das Palais Schaumburg als zu „intellektuell“.“ [ Alfred Hilsberg ]


Der treffendste Auftrittsort in Hamburg für dieses „Spektakel“, die Markthalle oder das Cafe Schöne Aussichten, konnte leider nicht realisiert werden. ( Eine zusätzliche Schöne-Aussichten-Open-Air-Performance im Sommer 2019 wäre aber immer noch eine wesentlich unterhaltsamere Option, als die etwas abgelegene Kampnagel. )

Fehlt nur noch aktuelles Material. Das wurde zwar vor geraumer Zeit angekündigt, aber da fehlt wohl der Mut, die eigene Legende durch einen möglichen „Fehltritt“, zu verwässern. Bleibt also das Veteranentreffen.

Ticket-Foto: Jens Ullheimer

Der unterkühlt-abstrakte Funk von Stücken wie z.B. „Wir bauen eine neue Stadt“ war eine konsequente Neuformulierung von Pop und nahm gleichzeitig die futuristischen Ideen des Nachwende-Technos vorweg, der später von Band-Mitglied Thomas Fehlmann und dem zeitweisen Schlagzeuger Moritz von Oswald geprägt wurde.

Durch seine starken oftmals (künstlerisch) auseinanderstrebenden Bandmitglieder hat Palais Schaumburg eine komplizierte Bandgeschichte, die in fiktionalisierter Weise auch im gefeierten Roman des Bandmitglieds Timo Blunck „Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?“ nachzulesen ist.

In der künstlerischen Originalbesetzung mit Holger Hiller, Thomas Fehlmann, Timo Blunck und Ralf Hertwig, spielt die Band, die Live nichts an ihrer Dringlichkeit und künstlerischen Aktualität eingebüßt hat, das erste Hamburg-Konzert seit 2013.


Die einflussreiche deutsche Band Palais Schaumburg hat sich in ihrer Originalbesetzung wiedervereinigt. Ihr Debütalbum aus dem Jahr 1981 hatte seit seinem Erscheinen definitiv eine Sonderstellung inne: Leichtfüßig und verquer, abstrakt und poppig, dilettantisch und versiert, zeigte es wirkliche Alternativen zur damals verbreiteten kruden Identitätssuche der „Neuen Deutschen Welle“ auf. Die Band, die durchweg aus auseinanderstrebenden Persönlichkeiten bestand, fand sich jetzt in dieser Formation wieder zusammen, um die Anknüpfungspunkte wieder aufzunehmen, live aufzuführen und weiterzuentwickeln.

Bei ihren spärlichen Livekonzerten in Berlin, Köln und Tokio wurden sie dafür frenetisch gefeiert – und zwar nicht nur von Gleichaltrigen.

Ihr Statement hat auch in Zeiten von Post-Sampling und den heutigen dynamischen Veränderungen von Musikvermittlung nichts von seiner Faszination verloren. Wer die Kombination aus eigenwilligen Bassriffs (Blunck), bizarren und doch eingängigen Rhythmen (Hertwig, Blunck), Fehlmanns schrillen Bläser- und Synthesizerfanfaren, Hillers scheinbar atonalen Gitarren-Stakkatos und undeutbaren Text-Konglomeraten sieht und hört, dem erschließt sich unmittelbar der Einfluss der Band.

VINYL | Palais Schaumburg Doppel-LP
180g, NEU / VERSCHWEISST, 180g

Die wichtigen Originalwerke dieser Band sind in angemessener und erweiterter Form wiederveröffentlicht worden. Diese Reissue beinhaltet neben dem eigentlichen Album noch eine zweite CD/LP, die alle Stücke enthält, die die Band vor dem Debütalbum eingespielt hat (allesamt erstmals auf CD), sowie einen bislang unveröffentlichten Mitschnitt eines Konzerts in Holland.

Die limitierte Doppel-LP in 180 Gramm schwerem Vinyl enthält zusätzlich noch eine Single mit vier Tracks eines Hamburger Konzerts, auf denen Personen aus dem Publikum – unter anderem Andreas Dorau – mit Bandbegleitung eigene Versionen vortragen. Das üppig ausgestattete Booklet enthält seltenes Fotomaterial und einen Begleittext von Chris Bohn, Redakteur des englischen Musikmagazins „The Wire“.


VIDEO

Dieser DIY film war 1981 Michael Benteles 2.ter Filmarbeit an der HFF München. Regie führten Michael Bentele & Thomas Merker Kamera. feat:
Palais Schaumburg, Bärchen und die Milchbubis, Östro 430, United Balls, Mannschreck, Brausepöter, Deutscher Kaiser u.v.a. Michael arbeitete später als Regisseur für die Musiksendung Formel 1.

Regie: Michael Bentele & Thomas Merker
Kamera: Thomas Merker

Diese Perle der deutschen Unterhaltungskultur der frühen 1980er Jahre ist nun erstmals überhaupt wieder zugänglich und fasst gut den Charme am Vorabend der sogenannten „Deutschen Welle“. [ Deutsche Welle lief nur 1982 einmal im Vormittagsrpogramm des ORF/ARD, dann nie wieder. ]


VIDEO | Palais Schaumburg – Kinder der Tod, 1981

Alte Welle Ist Neue Welle

Alfred Hilsberg empfiehlt Palais Schaumburg [ via electronicbeats ]

Alfred Hilsberg ist ein deutscher Musikjournalist und Gründer des einflussreichen Labels ZickZack, das Musik von Abwärts, Die Krupps, Einstürzende Neubauten, Palais Schaumburg, Die Tödliche Doris und FSK veröffentlichte. Er prägte auch den Begriff „Neue Deutsche Welle“. Derzeit lebt er in Hamburg.

„Das Debütalbum des Palais Schaumburg von 1981 ist nicht nur eine einfache Wiederveröffentlichung. Erstmals sind alle bisher auf 7-Zoll veröffentlichten Tracks und Compilations auf meinem Hamburger Label ZickZack sowie einige Live-Aufnahmen enthalten. Vor allem mit den frühen, rauen, energetischen Tracks und Album-Artwork des Malers Albert Oehlen (für die Single „Rote Lichter“) etablierte sich die Band fast sofort als eine der innovativsten und einflussreichsten Bands aus Deutschland. Für diejenigen mit mittelmäßigem Geschmack galt das Palais Schaumburg als zu „intellektuell“. Für mich ist die Musik heute so spannend wie damals, als ich sie 1980 zum ersten Mal hörte, auch wenn die Live-Aufnahmen hier nicht annähernd die Energie der Band im Konzert einfangen, und auch wenn die Originalaufnahmen in der Postproduktion nicht richtig bearbeitet wurden.“


Kampnagel Internationale Kulturfabrik
Jarrestraße 20
22303 Hamburg

TICKET @ VVK

———

SOCIAL MEDIA anonym durch Einsatz des c't-Projektes Shariff

Harburger Kultur | Artikel-Tipps