MEESE – RICHTER – TAL R | Bavid Dowie

MEESE – RICHTER – TAL R | Bavid Dowie

Jonathan Meese, Tal R und Daniel Richter (Foto: Hanna Putz)
Das Kunsthaus Stade zeigte bereits 2006 Werke von Jonathan Meese und Daniel Richter in einer Gemeinschaftsausstellung. Mit Tal R erweitern die beiden Künstler ihre frühere Kooperation und kehren nach Stade zurück. Unter dem Titel Bavid Dowie präsentiert das Kunsthaus auf drei Etagen farbintensive Gemälde und Skulpturen, die in einer einmaligen Zusammenarbeit im Vorfeld der Ausstellung entstanden sind.


Die Ausstellung ist Teil einer Reihe, die sich auf das Werk von David Bowie bezieht und von den drei Künstlern als baltische Welttournee bezeichnet wird. Nicht London, New York und Tokyo, sondern Holstebro (DK), Stade (D) und Espoo (FIN) sind die Stationen der Ausstellungsserie.

Jonathan Meese, Daniel Richter und Tal R arbeiten in dieser Form erstmals zusammen und bringen sich auch als Kuratoren der Schau in Stade ein. In der Ausstellung Bavid Dowie tritt ihre künstlerische Verwandtschaft zutage und eine gemeinsam entfachte Energie. Sie ist eine seltene Kooperation, die von künstlerischer Kollegialität und Freundschaft lebt.

Neben den gemeinschaftlich entstandenen Werken zeigt die Ausstellung weiterhin neuere Arbeiten jedes Einzelnen und gibt damit einen Einblick in den jeweils aktuellen künstlerischen Standpunkt. Zahlreiche persönliche Fundstücke und Kuriositäten, die Meese, Richter und Tal von nah und fern zusammengetragen haben, ergänzen die Präsentation. Weiterhin werden geologische Preziosen von der Redgallery, Hamburg, zur Verfügung gestellt.

KATALOG

Gebundene Ausgabe
176 Seiten
Verlag Kettler (15. Juni 2018)
Sprache: Englisch, Deutsch

Als radikale und beispiellose Erneuerer der Maltradition haben sich Jonathan Meese, Daniel Richter und Tal R in den letzten Jahrzehnten internationales Renommee erworben. Die Arbeiten der drei Künstler greifen auf erlernte Sehmuster zurück, erweitern, verfremden oder hinterfragen sie. Das Humoristische in ihrer Kunst ist dabei stets der Türöffner zu zeitgenössischen Themen, bei denen es um Politik und Gesellschaft, Selbstinszenierung und Fragen zur generellen Bedeutung von Malerei geht.

Für die Ausstellung Bavid Dowie haben sich Jonathan Meese, Daniel Richter und Tal R erstmals in dieser Konstellation zusammengeschlossen, um gemeinsam zu arbeiten und auszustellen. Der Katalog zeigt die gemeinschaftlich entstandenen Werke sowie neue Arbeiten jedes Einzelnen. Er gibt somit nicht nur einen Einblick in die einmalige Zusammenarbeit, sondern auch in den jeweils aktuellen künstlerischen Standpunkt der drei Ausnahmekünstler.

Künstler

Das Werk von Jonathan Meese (*1970 in Tokio) steht in der Tradition des Gesamtkunstwerks und umfasst die Medien Malerei, Skulptur, Installation, Performance, Zeichnung, Collage und Theater. Thematisch bezieht sich Meese auf Helden und Antihelden der Weltgeschichte, auf die Mythologie oder auch auf Filme und Populärkultur. Dabei entwickelt er eine „Diktatur der Kunst“, die Kunst als eine befreiende Gegenwelt versteht.

Daniel Richter (*1962 in Eutin) ist einer der zentralen Protagonisten der zeitgenössischen Kunstszene in Deutschland. Richters Werk zeichnet eine stilistische Vielschichtigkeit und Wandelungsfähigkeit aus. Er experimentiert in einem breiten Spektrum und lotet dabei die Grenzen der Malerei aus, stets in der Auseinandersetzung mit der gesellschaftspolitischen Wirklichkeit.

Tal R (*1967 in Tel Aviv) ist eine wichtige künstlerische Größe seiner Generation. Er arbeitet mit scheinbar unerschöpflicher Energie und Kreativität an unkonventionellen Erzählungen. Seine Gemälde, Skulpturen, grafischen Arbeiten und Keramiken verhandeln unter einer harmlos erscheinenden Oberfläche aufschlussreiche Interpretationen von unbewussten und unterdrückten Seiten des Lebens.

Die Ausstellung wird organisiert vom Holstebro Kunstmuseum, Dänemark, in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Stade, Deutschland, und EMMA, Finnland.


VIDEO | Maler Trio Meese, Richter, Tal R.
EUROMAXX, 14.6.2018


MALERISCHE AUSDRUCKSKRAFT UND NEUE FIGURATION

Pressetext: Holstebro Kunstmuseum, Dänemark | www.holstebrokunstmuseum.dk

In den 1990er Jahren wurde die neoexpressive und neo-figurative Malerei wiederbelebt. Die Arbeiten konzentrieren sich auf die Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums Malerei als solches. Das heißt, grundlegende malerische Fragen stehen wieder einmal auf der Tagesordnung und betonen das Verhältnis zwischen Bildebene und Bildraum, Figuration und Abstraktion, Form und Farbe, Schrift und Gestik.

Tal R , Jonathan Meese und Daniel Richter arbeiten alle in diesem neuen Ansatz der Malerei. Ihre jeweiligen Werkgruppen zeichnen sich durch eine greifbare und direkte Annäherung an den Akt der Malerei aus, in der die Pinselstriche eine intuitive, aber auch sorgfältige Arbeitsweise mit viel Liebe zum Detail zeigen. Die Art und Weise und der Stil dieser drei Künstler können manchmal pastos und heftig sein, während sie in der Regel durch klassische und/oder gemusterte Kompositionen zusammen mit einer verblüffenden technischen Präzision in Schach gehalten werden.

Es wird oft gesagt, dass die zeitgenössische Malerei in eine „post-konzeptionelle“ Phase eingetreten ist. Dies bedeutet im Wesentlichen, dass bewusst auf zahlreiche stilistische Merkmale und Vorstellungen von Kunst Bezug genommen wird. Gleichzeitig verwendet die zeitgenössische Malerei oft Motive und Themen aus der Populärkultur. Schließlich erfordert die Forderung nach greifbarer Authentizität oft andere Methoden und Materialien als die, die wir normalerweise mit der Malerei assoziieren, wie Fotografie, Zitate, Collagen oder verschiedene Formen von Drucktechniken.

Indem sie Form und Inhalt des Mediums auf diese Weise erweitert, weist die zeitgenössische Kunst auf soziale und ideologische Themen hin und wirft gleichzeitig eine Reihe von Fragen nach der Identität und dem Platz des Individuums in der Welt auf.

Mit anderen Worten, die zeitgenössische Malerei stellt sich bewusst in eine mehrdeutige Position zwischen historischen Stilen und Materialkombinationen sowie zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Geschmack. Das bedeutet auch, dass die Rolle des Künstlers entsprechend mehrdeutig und veränderbar wird. In Bezug auf Tal R, Jonathan Meese und Daniel Richter nehmen wir daher oft erheblichen Humor und existentielles Pathos gleichzeitig wahr.

Daniel Richter ist eine der Schlüsselfiguren der deutschen Gegenwartskunst. Vor dem Hintergrund der anarchistischen Punkbewegung der 1980er Jahre stellen seine Bilder die modernen Lebensbedingungen der Menschen am Rande der Gesellschaft dar. Die Bildwirklichkeit der Massenmedien, Sex, Gewalt und politische Konflikte sind seine wichtigsten Schwerpunkte, an denen Richter mit Nachdruck arbeitet.

Tal Rs Malerei ist bunt und voller rebellischer und investigativer Energie, die zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass sie im Spannungsfeld zwischen expressiver Banalität und einer geheimnisvoll traumhaften Tiefe – meist auf einer sehr greifbaren Lebenseinstellung – existiert.

Im Fall von Jonathan Meese nimmt die Kunst, und zwar ganz hemmungslos, den Charakter eines Manifests an. Die Tatsache, dass künstlerische Ausdrucksformen wie diese scheinbar „kindliche“ Züge aufweisen, ist wahrscheinlich auf ein Gefühl sozialer Unausgewogenheit zurückzuführen. Und die Lektion scheint zu sein, dass wir gerade deshalb auf die Wahrheiten hören sollten, die sich hinter der Maske des Clowns verbergen – denn die Malerei selbst ist nie naiv….


Kunsthaus Stade
Wasser West 7
21682  Stade

www.museen-stade.de

Ausstellung bis 23.09.2018

Eintritt
Museen-Stade-Ticket: Tages-Ticket 8 Euro / Sozialtarif 4 Euro

Öffnungszeiten
Di, Do, und Fr 10 – 17 Uhr
Mi 10 – 19 Uhr
Sa und So 10 – 18 Uhr

SOCIAL MEDIA anonym durch Einsatz des c't-Projektes Shariff

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