MARGIANA. Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan

MARGIANA. Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan

Abb.: Archäologisches Museum Hamburg

Margiana – diese historische Landschaft im Osten Turkmenistans war vor rund 4000 Jahren die Wiege einer faszinierenden Hochkultur der Bronzezeit. Zeitgleich mit den Zivilisationen Mesopotamiens und Ägyptens blieb sie in der westlichen Welt bislang jedoch weitgehend unbekannt.


Erstmals außerhalb Turkmenistans werden in einer groß angelegten Ausstellung im Neuen Museum Berlin, im Archäologischen Museum Hamburg und in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim die archäologischen Zeugnisse dieser geheimnisvollen Kultur einem breiten Publikum zugänglich gemacht.

Für die Aufnahmen der archäologischen Stätten, der Landschaften und Menschen sowie der Exponate für den vorliegenden Katalog konnte die bekannte Fotografin Herlinde Koelbl gewonnen werden, die eine Symbiose von Archäologie und Fotokunst schafft.

KATALOG | MARGIANA. Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan
Mit Fotografien von Herlinde Koelbl

LESEPROBE

Taschenbuch,
Klappenbroschur,
288 Seiten,
415 Farbabbildungen- und
23 S/W-Abbildungen,
Sprache: Deutsch,
24,3 x 2,6 x 29,9 cm


Neben einem ausführlichen Katalogteil aller Ausstellungsgegenstände beinhaltet das Buch Beiträge internationaler Wissenschaftler zur Archäologie Turkmenistans mit Zusammenfassungen in turkmenischer Sprache.

Über Turkmenistan
Turkmenistan ist der südlichste Staat Zentralasiens. Das Land grenzt an den Iran, Afghanistan, Usbekistan, Kasachstan und im Westen an das Kaspische Meer. Landschaft und Natur sind größtenteils von der Karakumwüste und im Süden von den Bergen des Kopet Dag geprägt. Im 20. Jahrhundert galt das Land als die ärmste Republik der Sowjetunion. Durch reiche Vorkommen an Erdöl und Erdgas unterliegt das heutige Turkmenistan einem Wandel, der sich besonders in der raschen Veränderung der Städte und der Infrastruktur äußert – ein unbekanntes Land zwischen Tradition und Moderne.

In der Vergangenheit war das Gebiet Turkmenistans ein Zentrum der Hochkultur, angebunden an die Vorläufer der Seidenstraße zwischen China, Indien, dem Iran und dem Vorderen Orient. Alexander der Große erreichte das Gebiet im 4. Jahrhundert v. Chr. auf seinem Weg nach Indien. Im 2. Jahrhundert n. Chr. errichteten die Parther ihre Hauptstadt in Alt-Nisa nahe der heutigen Hauptstadt Aschgabat. Ein weiteres bedeutendes Zentrum entwickelte sich weiter nördlich in der Oase Merw, die heute wie auch Nisa zum UNESCO-Welterbe zählt. Seine erste Blüte erlebte Turkmenistan aber schon vor mehr als 4.000 Jahren, als das Reich von Margiana seine prachtvolle Blütezeit erlebte.

Ausgrabungen und Funde
Im Zentrum der Ausstellung stehen die sensationellen Ergebnisse der archäologischen Forschungen, die in der antiken Metropole von Gonur Depe unweit Merw durchgeführt wurden. Dabei freigelegte Baustrukturen lassen noch heute eine beeindruckende Meisterleistung früher Stadtplanung erkennen. Von einem gewaltigen Mauerring umschlossen, war die 28 Hektar große Stadtanlage in verschiedene Bezirke eingeteilt, darunter Wohnareale, Handwerkerviertel und Friedhöfe. Das Herzstück bildete ein quadratisches Palastareal, das durch mit Türmen bewehrten Mauern befestigt war.

Die Glanzlichter der Ausgrabungen sind ohne Zweifel die sogenannten „Königsgräber“ – mit feinsten Mosaiken ausgeschmückte Grabhäuser, in denen die verstorbenen Würdenträger prunkvoll zur letzten Ruhe gebettet wurden. Reich verzierte, mitsamt den Zugtieren beigegebene Prunkwagen, Schmuck, Waffen, Ritualgeräte sowie prachtvolle Gefäße aus Silber und Gold stellen einzigartige Meisterwerke bronzezeitlicher Handwerks- und Goldschmiedekunst dar.

Doch auch die Funde aus dem Stadtgebiet sprechen für sich: Exotische Objekte und Materialien belegen Fernkontakte bis in das Industal im heutigen Pakistan, zu den Hochkulturen Mesopotamiens, nach Syrien, in den Oman sowie bis in die fast 2.000 km nördlich gelegenen Steppen des Uralgebiets.

Die bronzezeitliche Stadt Gonur Depe

1972 entdeckte der sowjetische Archäologe Viktor Sarianidi im südlichen Teil der Wüste Karakum, etwa 30 Kilometer von Merw entfernt, den Siedlungshügel Gonur Depe ( Grauer Hügel). Die bis heute andauernden archäologischen Forschungen erbrachten neue Erkenntnisse zur späten Bronzezeit (3.– 2. Jahrtausend v. Chr.) des südlichen Zentralasien.

Die freigelegten Baustrukturen lassen noch heute eine beeindruckende Meisterleistung früher Stadtplanung erkennen. Von einem gewaltigen Mauerring umschlossen, war die 28 Hektar große Stadtanlage in verschiedene Bezirke eingeteilt, darunter Wohnareale, Handwerkerviertel und Friedhöfe. Das Herzstück bildete ein quadratisches Palastareal, das durch mit Türmen bewehrte Mauern befestigt war.

Von besonderer Bedeutung sind die sogenannten Königsgräber – zum Teil mit feinsten Mosaiken ausgeschmückte Grabhäuser, in denen die verstorbenen Würdenträger prunkvoll zur letzten Ruhe gebettet wurden. Exotische Objekte und Materialien aus dem Stadtgebiet belegen zudem weitreichende Fernkontakte bis in das Industal im heutigen Pakistan, zu den Hochkulturen Mesopotamiens, nach Syrien, in den Oman sowie bis in die fast 2.000 Kilometer nördlich gelegenen Steppengebiete des Ural.

Fotografin Herlinde Koelbl
„Margiana“ ist weit mehr als eine archäologische Ausstellung. Im Januar 2018 begleitete die renommierte Fotografin Herlinde Koelbl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte zwei Wochen lang in Turkmenistan, und näherte sich dabei erstmals in ihrem Schaffen archäologischen Spuren an. Entstanden sind faszinierende Fotoaufnahmen eines Landes und seiner Bewohner, eindrucksvoller Naturlandschaften sowie archäologischer und historischer Denkmäler, die es in dieser Form bisher nicht gab. Auf diese Weise betritt die Ausstellung Neuland und bietet einen ungewohnten, spannungsreichen Bogen von den Spuren einer frühen Zivilisation jenseits des Kaspischen Meeres hin zum Schaffen der modernen Fotografie. Sie fertigte die Katalogaufnahmen aller ausgestellten Objekte und hielt mit ihren Fotos von Landschaften, der Ausgrabungsstätten von Gonur Depe, Nisa, Merw und Anau sowie mit ihren einzigartigen Portraits der Bevölkerung Turkmenistans die Magie eines fernen Landes fest. Zahlreiche ihrer Werke sind in der Ausstellung »Margiana. Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan« zu sehen.

Für die renommierte Fotografin, Dokumentarfilmerin und Videokünstlerin stand immer der Mensch im Mittelpunkt. In ihren Portraits werden die Gesichter zu unverstellten Zeugnissen der Persönlichkeit. Für »Spuren der Macht« portraitierte sie über Jahrzehnte deutsche Politiker. Ihre Fotoinstallation »Wille und Macht« ist als Dauerleihgabe im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages zu sehen.

Zu ihren letzten bedeutenden Ausstellungen gehören »Targets« und »Refugees«. Ihre Fotografien wurden nicht nur in deutschen Ausstellungshäusern wie der Bundeskunsthalle Bonn, dem Martin-Gropius-Bau Berlin oder dem Deutschen Historischen Museum gezeigt, sondern fanden auch in Auckland, New York, Sidney und Seoul Anerkennung.

VIDEO | Zur Ausstellung im Neuen Museum Berlin


Margiana

Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan

Hamburg, Archäologisches Museum
2. November 2018 bis 17. Februar 2019

Mittwoch, 31. Oktober 2018 | Preview zur neuen Sonderausstellung
Freier Eintritt und Sonderprogramm zum Tag der Reformation

Der 31. Oktober ist als „Tag der Reformation“ ein neuer gesetzlicher Feiertag.
Das soll auch im Archäologischen Museum gefeiert werden!
An diesem Tag gewährt das Museum nicht nur allen Gästen freien Eintritt und ein extra auf diesen Tag zugeschnittenes Mitmachprogramm – es ermöglicht ihnen auch im Rahmen einer Preview einen exklusiven Blick auf die neue Sonderausstellung „Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“.

Die Ausstellung startet erst am 2. November und öffnet nur für die Besucher am Tag der Reformation schon zwei Tage vorher ihre Pforten.


VIDEO | Kulturzeit ZDF, Reportage zur Berliner Ausstellung, verfügbar bis 07.10.2018


ARCHÄOLOGISCHES MUSEUM HAMBURG
SONDERAUSSTELLUNG

Museumsplatz 2
21073 Hamburg

EINTRITT:
6 Euro, ermäßigt 4 Euro, bis 17 Jahren frei

GEÖFFNET:
Dienstag – Sonntag | 10 – 17 Uhr
Montags geschlossen

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