Anastasia Mityukova – Project Iceworm

Anastasia Mityukova – Project Iceworm

Anastasia Mityukova aus Project Iceworm, 2018, © ECAL/Anastasia Mityukova

Das Museum Folkwang zeigt die erste Museumsausstellung von Anastasia Mityukova (*1992). Project Iceworm beschäftigt sich mit den Hinterlassenschaften eines entlegenen Ortes, an dem einst 500 Menschen lebten: Thule Air Base.


Die nördliche Region Grönlands wurde Ende des 2. Weltkriegs von der amerikanischen Regierung als Standort ausgewählt, um dort einen strategischen Militärstützpunkt mit Flughafen zu installieren. Der Bau des Flughafens führte dazu, dass die örtliche Bevölkerung ohne vorherige Absprache zwangsumgesiedelt und erst Jahrzehnte später, nach Ende des kalten Krieges, entschädigt wurde.

1957 begann in der Nähe der Bau eines geheimen Stützpunkts unter dem Namen Project Iceworm. Der Plan sah ein großes militärisches Arsenal mit Atomraketen vor, die auf die Sowjetunion gerichtet werden sollten. Nach sechs Jahren Bauzeit gab man den Ort aufgrund einer zu starken Bewegung des eisigen Untergrundes auf. Der Schutt einschließlich der nuklearen Abfälle des nahen Kraftwerks wurde anschließend im unterirdischen Stollensystem vergraben. Gut zehn Jahre später stürzte zwölf Kilometer von der Basis entfernt ein B-52-Flugzeug über dem Eis ab, das vier Wasserstoffbomben mit sich trug. Obwohl die nuklearen Sprengköpfe nicht zündeten, verteilte sich das radiokaktive Material im Eis.

Project Iceworm ist eine von Anastasia Mityukova zusammengetragene Sammlung anonymer Archivbilder aus unterschiedlichen Quellen. Diese werden in Bezug zu privaten Fotografien von vor Ort lebenden Inuit gesetzt, die die Künstlerin 2018 über soziale Netzwerke gesammelt hat. Mityukova zeichnet ein Bild der ehemaligen Air Base und ihrer Umgebung aufgrund von Fotografien eines Ortes, der auch heute weder betreten noch fotografiert werden darf.


VIDEO | Museum Folkwang

Anastasia Mityukova (*1992 in Usbekistan) schloss 2018 ihr Bachelorstudium der Fotografie an der École cantonale d’art de Lausanne ab. Für ihr gleichnamiges Buchprojekt wurde sie im selben Jahr für den UNSEEN Dummy-Award in Amsterdam sowie als Finalistin des Photoforum Pasquart Preises in Biel nominiert. Zurzeit ist sie Stipendiatin der Landskrona Residency in Schweden. Sie lebt in Genf/CH.


Geheimprojekt „Iceworm“ und die Folgen

Peter Backof für Deutschlandfunk | Artikel lesen

Im Norden Grönlands errichteten die USA 1957 eine Militärbasis, deponierten Nuklearwaffen und hinterließen Müll. Die in der Nähe lebenden Inuit spüren die Auswirkungen bis heute. Mit der Fotoinstallation „Project Iceworm“ will die Künstlerin Anastasia Mityukova auf ihre Situation aufmerksam machen.

„Ein Geheimprojekt: Sie wollten Nuklearwaffen stationieren, gegen Russland und dabei unter die Eisdecke bauen. Aber die ist instabil, und so mussten sie das Projekt wieder aufgeben. Also haben sie alles verscharrt nach sieben Jahren, darunter auch atomaren Abfall. Und mit der Erderwärmung kommt das alles wieder hoch. Manche Forscher sagen: 2050 könnte das Gebiet radioaktiv verseucht sein. Ein Problem für die dort lebenden Inuit.“


Anastasia Mityukova – Project Iceworm

Museum Folkwang, Essen | bis 27. Januar 2019
www.museum-folkwang.de

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